Museum
Veste Heldburg

Die Veste Heldburg war eine hochmittelalterliche Höhenburg, die im 16. Jahrhundert zu einem Schloss im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Sie erhebt sich auf einem zum ehemaligen Vulkangebiet Heldburger Gangschar gezählten, 405 m hohen Vulkankegel 113 Meter über dem Ort Heldburg im Heldburger Land, dem südlichsten Zipfel des Landkreises Hildburghausen in Thüringen. Im 12. oder 13. Jahrhundert gegründet, wird sie aufgrund ihrer exponierten Lage seit dem 14. Jahrhundert auch „Fränkische Leuchte“ genannt, als Pendant zur „Fränkischen Krone“, der in Sichtweite befindlichen Veste Coburg. Heldburg zählt als einzige thüringische Anlage zu den Sehenswürdigkeiten der Burgenstraße.
Mittelalter und Frühe Neuzeit
Am Anfang des 14. Jahrhunderts war die Höhenburg im Besitz der Grafen von Henneberg-Schleusingen und diente als Amts- und Gerichtssitz, nachdem das regionale Machtzentrum auf Burg Struphe (heute: Burgruine Straufhain bei Streufdorf) aufgegeben wurde. 1374 fiel die Veste Heldburg an die Wettiner. Johann Friedrich der Mittlere ließ sie ab 1560 durch seinen Hofbaumeister Nikolaus Gromann im Renaissancestil (Neuer Bau) zur herzoglichen Residenz ausbauen. Zu Gromanns bedeutendsten Renaissance-Bauten zählen neben dem Französischen Bau auf der Veste Heldburg das Französische Schloss (heute: Herzogin Anna Amalia Bibliothek) in Weimar und das Altenburger Rathaus.
Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg nutzte die Burg jahrzehntelang als Nebenresidenz und Jagdschloss. Anlässlich seiner Hochzeit mit Margarethe von Braunschweig-Lüneburg im September 1599 wohnten hier zahlreiche Gäste des Herzogs; neben der Braut auch Markgraf Georg Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, Herzog Ernst II. von Braunschweig-Lüneburg, Herzog Wilhelm Kettler von Kurland und Semgallen und Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach, jeweils mit ihrem Hofstaat.
Nach mehreren Eroberungen und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Heldburg neu befestigt und war ab 1776 vorübergehend Residenz der ernestinischen Herzöge von Sachsen-Hildburghausen. 1826 wurde sie Eigentum des Meininger Herzogshauses. Herzog Georg II. ließ sie von 1874 bis 1898 umfassend erneuern und bewohnte sie ab Mai 1877 zeitweise mit seiner Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg. Schwerpunkt der Neugestaltung im Stil des Historismus waren die Innenräume des Französischen Baus und die Freifraukemenate im Kommandantenbau. Durch neue Turmhauben verlieh der Herzog der Veste ihre charakteristische Silhouette im Sinne der Burgenromantik.
20. Jahrhundert
Von 1926 bis 1945 waren der Titularherzog Georg III. und seine Frau Klara Maria (1895–1992), geborene Gräfin von Korff, die letzten Besitzer der Veste Heldburg. Als eines von vier Kindern dieses Paars wuchs Regina von Sachsen-Meiningen auf der Heldburg auf. Georg von Sachsen-Meiningen war Richter in Meiningen. Er und seine Familie wurden 1945 entschädigungslos enteignet, er selbst kam 1946 in sowjetischer Gefangenschaft um. Seine Frau flüchtete mit den Kindern nach Westdeutschland. Regina heiratete 1951 Otto von Habsburg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Veste Heldburg im Grenzgebiet der DDR. In der Zeit von Anfang 1948 bis Ende 1949 befand sich in ihren Räumen das Amtsgericht Heldburg. 1951 wurde das Schloss durch sowjetische Truppen ausgeräumt und als Kommandantur verwendet, anschließend war bis 1982 ein Kinderheim darin untergebracht. Am 7. April 1982 beschädigte ein Großbrand den so genannten Französischen Bau stark und vernichtete die gesamte Innenausstattung der Wohnräume und des großen Festsaals. An eine Bausicherung oder einen Wiederaufbau war zunächst nicht zu denken. Stattdessen wurde das Bauwerk durch die Witterung weiter geschädigt. Erst 1990 begann im Rahmen einer thüringisch-bayerische Kooperation die Rettung des Französischen Baus mit dem Wiederaufbau des Dachs und dem Einziehen neuer Geschossdecken.
Am 25. Oktober 1994 wurde die Veste Heldburg von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übernommen, die die Sanierungsmaßnahmen fortführte. Der Französische Bau wurde im Rohbau und den Außenfassaden wieder hergestellt und die beiden Renaissance-Erker restauriert.
21. Jahrhundert
Ab 2008 wurden die Arbeiten durch EFRE-Fördermittel beschleunigt. Für die Sanierung mit dem Ziel der Einrichtung des Deutschen Burgenmuseums standen bis 2013 gut 8 Millionen Euro zur Verfügung. Am 2. Juni 2009 wurde ein symbolischer Grundstein mit Dokumenten in den Fußboden des Heidenbaus eingelassen. Im Oktober 2010 waren die Sanierungsarbeiten im Kommandantenbau abgeschlossen, die Pfeilerhalle und die alte Hofstube wiederhergestellt. 2011 folgte der Heidenbau, 2013 wurde der Innenausbau im Französischen Bau fertiggestellt. 2015 soll auf der Veste das Deutsche Burgenmuseum eröffnet werden. 2007 wurde eine Ausstellung eröffnet, die über die Ziele des Museums unterrichtet und einen Überblick über Burgenforschung, Geschichte und Typologie von Burgen und ihre Funktion im Mittelalter sowie vom 17. bis 19. Jahrhundert bietet.
Beschreibung+
Anlage
Die ursprüngliche Wehranlage aus dem 13. Jahrhundert bildet den Grundriss der Veste Heldburg, deren äußere Mauern im 19. Jahrhundert noch vorhanden waren und auch heute noch nachvollziehbar sind. Der Zugang führte über die Zugbrücke der ersten Toranlage in den Zwinger. Von dort gelangt man durch ein weiteres Tor und ein Torhaus in den inneren Schlosshof. Pferdetränke und Brunnenhaus lagen an diesem Zugang. Der Innenhof wird vollständig vom Heidenbau, dem sogenannten Kommandantenbau mit dem Marstall und dem Französische Bau mit seinen reich geschmückten Erkern und dem runden Treppenturm, dem Großen Wendelstein, umschlossen. Die beiden zinnenumkränzten Terrassen auf dem Jungfernbau sowie auf den Kellergewölben des früheren Küchenbaus stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Der in seinen Fensterachsen klar gegliederte Französische Bau gilt mit den nach 1560 datierten Erkern, Herren- und Frauenerker genannt, als kunsthistorisch bedeutendster Teil der Veste Heldburg. Der Französische Bau bestimmt den Schlosscharakter der Burg auch nach außen. Er verfügt über ein Hauptgeschoss mit den früheren herzoglichen Stubengemächern, ein Obergeschoss mit dem ehemaligen Hauptsaal, zwei Untergeschosse sowie ein Kellergeschoss. In den Innenräumen haben sich fragmentarische Befunde der Renaissance, des Barock sowie des 19. Jahrhunderts erhalten. Sie wurden bei der 2013 abgeschlossenen Restaurierung in die Raumfassungen integriert. Die Räume werden künftig durch das Deutsche Burgenmuseum genutzt.
Im spätmittelalterlichen Heidenbau befinden sich die protestantische Schlosskirche des 17. Jahrhunderts, eine Remise sowie große historische Lagerräume. Auch die als Wohnraum für den Lagermeister eingebaute Bohlenstube hat sich fragmentarisch erhalten.
Der Kommandantenbau nahm im Souterrain den Marstall auf, heute Pfeilerhalle genannt. Im Hauptgeschoss liegt die frühere Amtsstube, darüber befindet sich die Freifraukemenate mit der einzigen vom Brand 1982 vollständig verschonten historistischen Raumfassung der Veste.
Gruft
1940 fiel Anton-Ulrich von Sachsen-Meiningen, der Sohn von Georg III. und Klara Maria, im Zweiten Weltkrieg. Die Familie richtete daraufhin auf der Veste (in den Räumen der ehemaligen Silberkammer/Leutnantsstube, rechter Hand nach dem Haupttor) eine Gruft ein, in der Anton Ulrich beigesetzt wurde. Nachdem sowjetische Truppen die Burg bezogen hatten, wurde der Sarkophag 1951 entfernt und auf dem Friedhof in Heldburg begraben. Im gleichen Grab wurde 1992 auch seine Mutter Klara Maria von Sachsen-Meiningen bestattet. Dem Wunsch der Familie entsprechend, wurde die Gruft auf der Veste Heldburg bis 2006 wiederhergestellt. Die Umbettung der beiden Verstorbenen vom Friedhof auf die Burg fand am 22. Februar 2006 statt, die Überführung des 1946 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft in Nordwestrussland verstorbenen Georg III. ist geplant. Am 10. Februar 2010 wurden der Sarg und die Herzurne Reginas von Habsburg ebenfalls in dieser Gruft beigesetzt, der Sarg nach dem Tod ihres Mannes aber nach Wien überführt und am 16. Juli 2011 zusammen mit ihm in der Kaisergruft bestattet. Die Herzurne Reginas verblieb auf der Veste Heldburg.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heldburg-Veste-02.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
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