SchlossTeutschenthal

Schloss Würdenburg

Schloss Würdenburg

Leerstehend

Schloss Würdenburg ist ein ehemaliges Rittergut in Teutschenthal im Landkreis Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Der ursprüngliche Renaissancebau war über Jahrhunderte im Besitz der Familie von Trotha und ist heute dem Verfall preisgegeben.

Ursprünglich befanden sich die Ländereien entlang des Würdebaches im Besitz der Grafen zu Seeburg. Über Umwege waren große Gebietsteile davon im Jahre 1287 an die Mansfelder Grafen gelangt. Diese ließen ihre Güter, der damaligen Sitte entsprechend, durch sogenannte Hausvögte verwalten.

Im Jahr 1438 wurde ein solcher Hausvogt, namens Hans von Trotha, mit Gütern entlang der Würde belehnt. In einer Lehnsurkunde der Mansfelder Grafen vom 10. Juli 1443 wird er als Hans zu Deussenthal genannt und gilt heute als Stifter der Teutschenthal–Bennstedter Familienlinie derer von Trotha. Die neuen trothaischen Besitzungen wurden von einem Freihof aus in „Würden“, dem kleinsten Ort der damaligen Dörfer im Würdebachtal, verwaltet. Von hier aus hatten bereits die Seeburger Herren im 13. Jahrhundert die Region verwalten lassen. Womöglich befand sich dort zu dieser Zeit bereits eine kleine Ministerialburg samt Kapelle, welche dem Heiligen Nikolaus geweiht war.

Da dieser Herrschaftssitz wohl nicht mehr dem repräsentativen Bedürfnissen der Renaissance entsprach, ließ Friedrich von Trotha die alten Gebäude zusammen mit der vermutlich inzwischen baufällig gewordenen Niklaskapelle abreißen. An deren Stelle ließ er noch vor 1600 einen stattlichen Rittersitz mit L-förmigem Grundriss erbauen.

Die größte Anerkennung aus der Dynastie der Herren zu Trotha verdiente sich bei den Teutschenthalern allerdings Wolf Thilo von Trotha. In seinem „Beitrag zur tausendjährigen Geschichte des Ortes“ aus dem Jahr 1929 beschreibt Pfarrer Albert Schröder diesen Adligen als "wahrhaftigen Menschenfreund“, dem es zu verdanken sei, dass der Ort nach den gewaltigen Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg überhaupt wieder aufgebaut wurde. Von den einst 200 Häusern im „Deutschen Thal“ waren nach den verheerenden Brandschatzungen 1640/41 nur die beiden Kirchen und die Würdenburg verschont geblieben. Wolf Thilo von Trotha half den zurückkehrenden Bewohnern, indem er diesen unentgeltlich Baumaterial zum Wiederaufbau ihrer Häuser bereitstellte.

Unter Franz Casimir von Trotha wurde das Herrenhaus im Jahr 1710 dem inzwischen barocken Stil angepasst und teilweise umgebaut. Jedoch nach dessen Tod, nur ein Jahr nach den Umbauarbeiten, wurde das Schloss von den Erben nicht mehr als Familiensitz genutzt und stattdessen an einen Pächter namens Nilius verpachtet.

Die fast 400jährige Herrschaft der Edlen zu Trotha in Teutschenthal endete mit dem Verkauf der Würdenburg im Jahr 1832. Finanzielle Nöte hatten Ludwig von Trotha dazu gezwungen das Rittergut zusammen mit allen dazugehörigen Besitzungen an den Pächter des Amtes Seeburg, dem Oberamtmann Friedrich Bartels, zu veräußern.

Einen letzten Höhepunkt erlebte die Würdenburg nochmals in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als auf den umliegenden Rittergutsfeldern mehrere preußische Königsmanöver abgehalten wurden. Das Rittergut war dabei immer wieder Hauptquartier und Schauplatz verschiedener Militärparaden. Bei einer dieser Paraden, im September 1857, waren neben verschiedenen hochrangigen Vertretern des europäischen Hochadels auch Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und der Prinz von Preußen, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. anwesend.

Danach versank das Rittergut allmählich in der Bedeutungslosigkeit und gelangte nach weiteren Eigentümerwechseln und infolge von Erbschaft im Jahre 1915 in den Besitz des Oberamtmanns Carl Wentzel. Unter diesem erfolgten auch die letzten Umbaumaßnahmen am Herrenhaus. Der berühmte Architekt und Burgenforscher Hermann Wäscher war im Jahr 1920 mit den Arbeiten beauftragt worden. Von ihm wurde unter anderem der Westflügel um zwei Fensterachsen verlängert.

Im angrenzenden Hof der Würdenburg waren im Laufe der Zeit etliche Wirtschaftsgebäude wie Schaf-, Ochsen- und Pferdestall mit Stroh, Heu– und Häckselboden entstanden. Eine so genannte Hochfahrtscheune war bereits nach der Enteigung und Vertreibung der Familie Wentzel durch die Kommunisten 1945 abgetragen worden. Ab dieser Zeit nutzte die Bäuerliche Handelsgenossenschaft den Hof. Die LPG richtete hier eine Mosterei ein, deren Betrieb erst Anfang der 1990er Jahre eingestellt wurde. Im Hauptgebäude war bis 1986 eine Kindertagesstätte untergebracht. Der Auszug der dazugehörigen Kinderkrippe erfolgte im September 1991. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich auch noch eine kleine Wohnung im Westflügel, des einstigen Herrenhauses.

Heutiger Zustand+

Seit dem Auszug der Kinderkrippe 1991 steht das Hauptgebäude des ehemaligen Rittergutes leer und verfällt. Ein Teil der Fassade neben dem Haupteingang ist bereits eingestürzt; weitere Teile sind akut bedroht. Der weithin sichtbare oktogonale Treppenturm des Schlosses mit seiner markanten Schweifhaube wurde bereits 1951 wegen Baufälligkeit abgetragen. Auch die Wirtschaftsgebäude im Hof sind ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Nur das ehemalige Gesindehaus, welches seit den letzten Anbauarbeiten 1920 unmittelbar an das alte Herrenhaus angrenzt, ist heute teilweise saniert und bewohnt.

Trotz der Verwahrlosung der letzten beiden Jahrzehnte haben sich im und am Gebäude sowie im Wirtschaftshof einige renaissancezeitliche und barocke Familienwappen und Portale erhalten. Darüber hinaus existieren im Herrenhaus noch originale barocke Stuckdecken aus der Zeit um 1710. Auch wenn diese teilweise schon von den Zwischendecken herabgefallen sind, stellen sie noch immer einen für die Gemeinde einmaligen kunsthistorischen Schatz von unschätzbarem Wert dar.

In Anbetracht der Bedeutung und der akuten Bedrohung des historischen Gemäuers gibt es mittlerweile Bestrebungen seitens engagierter Teutschenthaler Bürger, mit Hilfe eines Fördervereins das einstige Schloss vor dem endgültigen Verfall zu retten und für die Nachwelt zu bewahren.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Roland Neubert, Halle (Saale)

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 51.4488, 11.8116