Jugendherberge
Schloss Windischleuba
Um 925 wurde die Burg Windischleuba gegründet, welche als Grenzveste zum Schutz von Altenburg diente. Um 1244 waren Heinrich von Kohren und Hugo zu Stolberg die Besitzer der Burg. Später, kurz nach 1300, ging die Lehensherrschaft über Windischleuba von den Burggrafen von Meißen auf die Burggrafen von Leisnig über. Nach mehreren Besitzern blieb Windischleuba bis 1650 im Besitz derer von der Gabelentz. 1632 brannte im Dreißigjährigen Krieg Schloss Windischleuba nieder. Im Jahre 1678 kaufte es Georg Ernst von Zehmen. 1739 erwarb es Sophie Elisabeth von Lindenau, geborene von Zehmen. 1880 kaufte es Börries Freiherr von Münchhausen (* 1845 † 1931), Gutsbesitzer im niedersächsischen Moringen, der 1873 Clementine von der Gabelentz aus dem benachbarten Schloss Poschwitz geheiratet hatte. Das Windischleubaer Schloss war verfallen und galt als kaum wiederherstellbar. Münchhausens bauten es bis 1886 aber wieder gänzlich auf, wobei sie die alten Formen rekonstruieren ließen. In diesem Zustand ist das Schloss bis heute erhalten. 1920 zogen sie sich nach Apelern zurück und übergaben das Schloss ihrem gleichnamigen Sohn, dem völkischen Balladendichter Börries von Münchhausen (* 1874 † 1945), der es mit seiner Familie bewohnte. Sein einziger Sohn Börries verunglückte 1934 mit 29 Jahren tödlich und die Ehefrau des Dichters starb im Januar 1945. Im März des gleichen Jahres, einen Monat vor dem Einmarsch der US-Truppen, beging Börries von Münchhausen, der auf der vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels und Adolf Hitler 1944 zusammengestellten, 36 Seiten umfassenden Gottbegnadeten-Liste, in der Kategorie Schriftsteller, führend gelistet wurde, Selbstmord. 1945 wurde die Familie enteignet und das gotische Inventar teilweise nach Altenburg verbracht.
Landschulheim Windischleuba
Im Zuge der Bodenreform wurden am 1. Oktober 1945 250 Hektar „Junkerland“ derer von Münchhausen an 20 Neubauern, zwei Kleinbauern und einen Gärtner verteilt. Auf Vorschlag des Schulrates von Altenburg, Erich Knippel (KPD), fiel die Entscheidung, in Windischleuba eine zwölfklassige Zentralschule aufzubauen und das Schloss als dazugehöriges Schulinternat einzurichten. Wo bis 1945 eine Adelsfamilie von drei Personen und sieben Angestellte gewohnt hatten, sollten in Zukunft 120 Arbeiter- und Bauernkinder leben.
Am 7. November 1946 zogen die ersten 26 Jungen und Mädchen, am 1. September 1947 weitere 32 Jungen und Mädchen in das Schloss ein. Bei einem Netto-Monatsgehalt des Vaters von bis zu 250 RM wurden jedem Kind Unterkunft und Verpflegung unentgeltlich gewährt. Die Leitung der Schule und des Heimes wurde per 1. Mai 1947 an Ehrenfried Winkler (später Verdienter Lehrer des Volkes der DDR), seiner Frau die Wirtschaftsleitung übertragen. Die Verantwortung für die Wirtschaftsleitung und Heimerziehung übernahm zum 1. März 1948 Brunhilde Weide.
Einrichtung, Entwicklung und Unterhalt des „Landschulheimes“, wie es offiziell genannt wurde, erfolgten unter den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, was z. B. Verpflegung, Heizung, Ausstattung der Schlaf- und Arbeitsräume, Bereitstellung von Lehrmaterialien betraf. Hier bewährten sich Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt aller Heimbewohner, der Erzieher und Lehrer. Am 1. Mai 1950 wurde der Grundstein für einen Schulneubau gelegt. Schüler und Lehrer leisteten tausende freiwillige Arbeitsstunden, Bauern des Ortes stellte für hunderte Stunden Gespanne für Transportarbeiten zur Verfügung. 1952 wurde die neue Schule bezogen. Zu dieser Zeit wohnten 126 Schülerinnen und Schüler als Internatsschüler im Schloss, andere kamen als „Fahrschüler“ mit dem Fahrrad täglich aus den umliegenden Orten in die Oberschule. 1951 legten die ersten Abiturienten ihre Reifeprüfung ab. Ehrenfried Winkler war bis 1954 Direktor der Oberschule, danach übernahm Hans-Erich Günther diese Funktion. Internatsleiter war einer der ersten Abiturienten der Schule, Manfred Hainich.
Parallel zur Lernarbeit spielten kulturelle Aktivitäten im Internatsleben eine große Rolle. Es gab einen Schulchor, eine Volkstanzgruppe, ein politisch-satirisches Kabarett. Die Internatsschüler unterhielten ein Theateranrecht am Landestheater Altenburg und nahmen mit Aktivitäten am kulturellen Leben der Gemeinde und der Kreisstadt teil.
Ein Höhepunkt war die „kleine Friedensfahrt“, die jeweils am Tag des Lehrers veranstaltet wurde. Internat und Erweiterte Oberschule endeten im Jahr 1975, die Schüler besuchten von dieser Zeit an die Erweiterte Oberschule „Karl Marx“ in Altenburg.
Heute dient das Schloss als Jugendherberge. Der CdE veranstaltet dort seit 2008 seine Winterakademie. Die Jugendherberge wurde 1977 eröffnet und galt als eine der schönsten in der DDR. Durch die beiden Hochwasser im Jahr 2002 und 2013 wurde diese in Mitleidenschaft gezogen.
Nimm Mobile Geschichte mit auf die Reise
Diesen Text liest du gerade kostenlos. Mit Premium kommt dazu, was unterwegs zählt: Beschreibungen vorlesen lassen, Objekte durch die Kamera finden, Regionen offline mitnehmen.
- Alle Beschreibungstexte, auch die der ~17.700 Premium-Objekte
- Audio-Guide: Beschreibungen unterwegs vorlesen lassen
- AR-Sucher: Objekte durch die Kamera sehen, mit Entfernung und Richtung
- Unbegrenzte Merkliste
14 Tage kostenlos testen, danach ab 2,99 € im Monat. Jederzeit kündbar.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Thomas Eichler
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 51.0162, 12.4725