SchlossMatzen-Raggendorf

Schloss Raggendorf

Schloss Raggendorf

Privatbesitz

Innerhalb einer weit gespannten Ummauerung ist das Schloss heute ein vollkommen regelmäßiges Gebäude, ein dreigeschossiger Vierflügelbau, der den quadratischen Hof zur Gänze umschließt. Ein zentrales Portal befindet sich im Straßen- (N-) und eines im Garten- (S-) Trakt. In der 5-achsigen Vorderfront liegt über dem Rundbogenportal ein Gurtband. Über dem steilen Dach ragt ein Dachreiter mit einer Uhr, ansonsten besitzt das Schloss keinen Turm. Die Seitenfronten sind mit 8 Fensterachsen versehen. In einem 4,5 m tiefen Keller, der gegen Osten unterirdisch über die Hauptfront verlängert ist, befindet sich ein Grundstein des Ritters Zoppl von Haus mit Datum 1559. Im Erdgeschoß rechts der Eingangshalle führt ein Stiegenhaus mit gegenläufigem Treppenaufgang und zwischengeschaltetem Podest in die Stockwerke. Die Kapelle, die durch zwei Geschosse reicht, mit Stuckdecke und Altarbild aus der Schule des Kremser-Schmidt, liegt in der NW-Ecke des Schlosses. Sie wurde um 1733 durch Ehrenreich Graf Sonnau erbaut.

Vischers Stich von 1672 zeigt die Hauptfront wie heute: 5 Fensterachsen und Uhrturm als Dachreiter. Der Schlosseingang war jedoch an der heutigen Gartenseite im Süden. Diese Front endete damals an zwei Rechtecktürmen, 4 geschossig mit Vollwalmdächern. Seither wurden die Türme und die Hinterfront abgetragen, die Seitenfronten verlängert und ein neuer Hintertrakt übereinstimmend mit der heutigen Vorderfront errichtet. Die ursprüngliche Symmetrie und Regelmäßigkeit des Renaissancebaues wurde also nachträglich verstärkt.

Von der Besitzgeschichte des Schlosses ist folgendes belegt:

  • 1369 - In einem Kaufbrief von 1369, der sich um Gülten in Reyersdorf dreht, erscheinen Weichart der Reckchendorfer und Wernhart der Reckchendorfer als Siegelzeugen.
  • 1378 - Niklas Behaimb von Regelsbrunn versicherte seine Hausfrau Cathrain, die eine von Haßlau gewesen, wegen 90 Pfund Morgengabe auf einem halben Hof zu Rackendorf und 20 Joch Äcker zu Köllerstorf in seinem Testament.
  • 1382 - Dorothea von Lichtenstein, die Tochter des Burggrafen Albrecht von Gars, schenkt 17 Ganzlehen und 2 Hofstätten in Rackendorf an die Schlosskaplanei in Gmünd. Der Rest des Dorfes, um diese Zeit 7 Ganzlehen und 1 Halblehen, ist in geistlichem Besitz und kommt später an das Bistum Passau zugleich mit einem ergiebigen Zehent.
  • 1392 - In einem Kaufbrief der beiden Gemeinden Proteß und Rust erscheint Wernhart der Reckchendorfer als Siegelzeuge.
  • 1396 - In einem Verzichtbrief, der von einem Weingarten in Schweinbart handelt, erscheint Wernhart der Reckchendorfer als Zeuge.
  • 1401 - Magister Georg, Dechant und Pfarrer zu Pillichsdorf erkaufte im Jahre 1401 von Ulrich von Dachsberg, Landmarschall in Österreich, um 340 Pfund Wiener Pfennige die Untertanen zu Rackendorf und mit selben den jährlichen Ertrag von 10 Pfund Pfennigen von Behausten Gut und Überländern. Dann schaffte er noch dazu 40 Eimer Wein auf Weingärten haftendes Bergrecht.
  • 1434 - Im Österreichischen Lehenbuche erscheint beim Jahre 1434 ein Bernhard der Aichenstauder, der als der Ältere zu seinen und seiner Brüder Georg und Lorenz Handen einen Hof zu Rackendorf bei Schweinbart, den großen und kleinen Zehent auf anderthalb Lehen und 4 Hofstätten, das ganze Preuslaholz bei Matzen und den Wildbann zu Rackendorf innehatte.
  • 1455 - Nach dem Lehenbuch K. Ladislaus P. für Österreich wird das im Vorhergehenden erwähnte Lehen an Matthäus Grasser für sich und seinen Vetter Hans Grasser übertragen.
  • 1466 - Dem Johann Galler, Ritter, wurde anno 1466 von Albrecht, Herrn von Eberstorf, das Schloss, Gut und Dorf Rackendorf zu Lehen gereichet.
  • 1494 - Zwischen den Jahren 1494 und 1497 kamen die Güter Oberweiden und Rackendorf durch die Heirat von Volkard, Herrn von Auersberg, den Gemahl der Elisabeth, Herrin von Sinzendorf, der Tochter des Tiburtius von Sinzendorf.
  • 1514 - Georg Galler ward 1514 von Wolfgang, Herrn von Eberstorf mit dem Schloss und Gut Rackendorf, Eberstotfischer Lehenschaft belehnt. Dieser Georg Galler war 1524 mit Raggendorf und Gallbrunn in NÖ annoch begütert, hat Margaretha von Beymann zu Gallspach zur Ehe genommen und die Söhne Sigmund und Peter mit mehreren Töchtern hinterlassen.
  • 1544 - Der Puchheimer von Göllersdorf versetzt an Christoph von Eizing Gülten: 53 Pfund 3 Schilling 7 Denare zu Rackendorf.
  • 1554 - Erscheint nach der Kirchl.Top bereits Christoph von Zoppl als Besitzer der Hft. Rackendorf, weil Dechant Ott von Pillichsdorf den Wein- und Körnerzehent in Rackendorf dem dortigen Gutsbesitzer Christoph von Zoppl verpachtet hat.
  • 1556 - Nach Aussage seines Sohnes kauft Christoph von Zoppl von Haus die Hft. Rackendorf von den Holzerischen Erben.

Christoph Zoppl von Haus

In der Reformationszeit kommt das Eigentum der Schlosskaplanei in Gmünd, damit auch der Rackendorfer Besitz, in weltliche Hände, wechselt öfter den Besitzer und wird 1556 von Herrn Christoph Zoppl von Haus erkauft, der sich in Rackendorf niederlässt. Ob er dort das Schloss, von dem Vischer in seiner Topographie von NÖ (1672) eine Ansicht überliefert, schon vorfand oder ob es von ihm oder aus späterer Zeit stammt, lässt sich nach dem bisher vorliegenden Nachrichtenmaterial nicht entscheiden.

Christoph Zoppl von Haus war erzherzoglicher Truchseß. In Rackendorf besaß er die Gerichtsbarkeit mit 31 Untertanen. Frau Zoppl von Haus verzeichnete in Kl. Harras 12 und in Auersthal 4 untertänige Häuser. An der Kirche in Raggendorff ist noch der Grabstein Marmor-Hochrelief, Zoppls zu sehen. Er zeigt die fast lebensgroße Gestalt des Verstorbenen in Ritterrüstung, darunter die Inschrift: "Alhie ligt Begraben und ist in Gott dem Herrn entschlaffen der Edl und Vest Chrjstoff von Haus zu Raggendorff. So dreier Rom.Kaiser und Erzherzog Ferdinanden zu Oesterreich Rath gewest, dem wolle Gott gnedig und Barmherzig sein. Und ain frohliche Auferstehung verleichen. Amen. Ist gestorben den 27 Tag January, Nach Christ im 1582 Jar." Unterdessen war aber aus der selbstständigen Pfarre Rackendorf eine Filiale von Pillichsdorf geworden.

Pillichsdorf hatte das Recht, die Pfarre Rackendorf zu besetzen, wenn sie frei wurde. Bis ein neuer Pfarrer kam, konnte Pillichsdorf die nicht unbeträchtlichen Einkünfte dieser Pfarre, vor allem den ergiebigen Zehent, an sich ziehen. So ist es kein Wunder, dass die Pfarre Rackendorf oft unbesetzt war und die Vakanzen immer länger wurden, wobei der Priestermangel in der Reformationszeit mitwirkte. Mit der Zeit betrachtete Pillichsdorf Rackendorf als seine Filiale, mit der es nach Gutdünken verfahren könne. Aus einer Eingabe der Gemeinde ist ersichtlich, dass Rackendorf einmal länger als 15 Jahre ohne Seelsorger war. Das erbitterte die Gemeinde so, dass sie - wahrscheinlich steckte auch Christoph Zoppl dahinter – um das Jahr 1570 zur Gänze zum Protestantismus übertrat. Von 1575 bis 1586 befand sich dort der protestantische Prädikant Johann Burchard Hasenzahl, der seine Einkünfte von Schloss und von der Gemeinde hatte. Aber Christoph Zoppl kehrte noch vor seinem Tod 1582 wieder zum Katholizismus zurück und mit ihm die Gemeinde.

  • 1593 - Erscheint sein Sohn Ulrich Christoph Zoppl als Inhaber der Hft, durch Erbschaft von seiner Mutter.
  • 1616 - Ist Baltasar Prack Inhaber der Veste Raggendorff.
  • 1626 - Hans Baltasar Graf von Hoyos durch Kauf von Hans Christoph Oremen.
  • 1628 - Alexander Pestaluz durch Kauf vom Vorigen.
  • 1641 - Johann Bapt. Candido durch Kauf von Frau Regina Pestaluz.
  • 1661 - Adam Quintin Graf von Herberstein von seiner Mutter Regina einer geb. Freiin von Althann, als Geschenk. Adam stirbt 1665.
  • 1684 - Hans Anton Graf von Herberstein von seiner Mutter Regina Katharina Freiin von Rattmannstorf. Hans stirbt 1701.
  • 1701 - Carl Quintin Graf von Herberstein durch Erbschaft von seinem Bruder Hans Anton. Carl stirbt 1719.
  • 1719 - Ehrenreich Graf von Sonnau durch Erbschaft von seiner Mutter, geb. Gräfin Herberstein.
  • 1747 - Philipp Ferdinand Graf von Sonnau durch Erbschaft von seinem Halbbruder Ehrenreich. Philipp stirbt 1749.
  • 1749 - Alois Graf von Sonnau durch Erbschaft von seinem Bruder, dem Vorigen. Alois stirbt 1763.
  • 1766 - Carolina Gräfin von Sonnau von ihrem Gemahl Alois.
  • 1769 - Anton Graf von Lamberg-Spinzenstein durch Kauf von Voriger.
  • 1771 - Joh.Bapt. von Lichtenstein.
  • 1799 - Die Vormundschaft seiner Kinder, Joseph Gotthardt von Schwandtner.
  • 1827 - Erzherzog Rainer, ein Sohn Kaiser Leopolds II., vereinigt die Hft. Raggendorf mit der Hft. Schönkirchen.
  • 1853 - Fallen die beiden Güter durch Erbschaft an Erzherzog Ernst.
  • 1871 - Gustav Freiherr von Heine-Geldern kauft beide Güter.
  • 1886 - Graf Sizzo und Gustav Freiherr von Heine jun. werden die Besitzer.
  • 1907 - Die Hft. Raggendorf wird von einem Konsortium polnischer Gütergeschlechter aufgekauft, im selben Jahr parzelliert und weiterverkauft. Den größten Teil erstehen die Raggendorfer Bauern.
  • 1908 - Matthias Klenkhart, Jg. 1882, von 1919-1938 Bürgermeister von Raggendorf, kauft die Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. Im Jahr 1745 ist das Geschlecht Klenkhart von Matzen kommend durch Heirat erstmals im Raggendorf genannt.
  • 1910 - Der Verein der Gärtner und Gartenfreunde in Wien – Hietzing kauft das Schloss und lässt dieses als Heim für invalide Gärtner umbauen. Die Kosten für diese Adaptierung haben 33.681 Goldkronen und 62 Heller betragen.
  • 1913 - Die in der Schlosskapelle angebrachte Erinnerungstafel hat folgenden Wortlaut: Der unter dem Höchsten Protektorat Sr.k.u.k. Hoheit, des durchl. Erzherzogs Franz Ferdinand, stehenden „Verein der Gärtner und Gartenfreunde in Wien-Hietzing“ hat dieses Heim invaliden Gärtnern gewidmet. MCMXIII. Der Schlossgarten wird umgestaltet.
  • 1956 - Das Schloss geht durch Kauf in den Besitz des Ehrenbürgers und Bürgermeisters von Raggendorf Erwin Klenkhart (Jg. 1914) und seiner Gemahlin Magdalena, geb. Nikendei, über. Erwin Klenkhart beginnt im Schloss mit dem Aufbau einer Sekterzeugungsanlage, die er ständig erweitert. Er ist der Begründer der Sektdynastie Klenkhart. Nach seinem Tod erbt
  • 1970 - sein Sohn das Schloss. Der junge Schlossbesitzer forciert den qualitativen Ausbau der Sektkellerei. Mit dem richtigen Gefühl für Sektkultur, gepaart mit modernen Kellereimethoden, hat er den überragenden Standard der Sektkellerei Klenkhart geschaffen.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Raggendorf_Schlo%C3%9F_3.jpg?uselang=de

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