Privatbesitz
Schloss Nassenerfurth

Das Schloss Nassenerfurth, auch Baumbachsches Schloss genannt, befindet sich im Osten der Dorfanlage von Nassenerfurth, einem Stadtteil von Borken im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Es steht an der Stelle einer wohl im 14. Jahrhundert erbauten und 1485 zerstörten Wasserburg auf 183 m über NN und ist noch heute von (teilweise verlandeten) Wassergräben umgeben. Die Anlage besteht aus drei größeren Flügeln, die gewinkelt und grob halbkreisförmig einen nach Osten offenen Innenhof flankieren, einem Treppenturm und einer geräumigen Vorburg mit Wirtschafts- und Wohngebäuden.
Wann die ursprüngliche Wasserburg erbaut wurde, ist nicht bekannt. Sie wird erstmals im Jahre 1338 erwähnt, als die Brüder Eberhard, Widerold und Konrad von Hohenberg, genannt Holzadel, Söhne des Hermann gen. Holtzsatel aus „Erpherde“ (Erfurth), als Inhaber eines Homberger Burglehens in Nassenerfurth genannt werden. Im Jahre 1400 wird berichtet, dass den Holzsadel zu Nassenerfurth eine Kemenate und eine Wohnung verbrannt seien. Dies geschah offensichtlich im Zuge der langdauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kurmainz, das in Nassenerfurth ein Vorwerk besaß, und den Landgrafen von Hessen; Erzbischof Johann von Mainz nahm noch im gleichen Jahr die Brüder Heinrich und Henne Holzsadel als Burgmannen in Fritzlar mit 20 Gulden Burglehen auf, als Wiedergutmachung für den ihrer Familie entstandenen Schaden. Erneute Belehnungen der Holzsadel durch die Landgrafen mit Haus, Burgsitz und Grundbesitz in Nassenerfurth sind 1437 und bis 1491 urkundlich belegt.
1485 wurde das Haus der Holzsadel zu Nassenerfurth in den landgräflichen Kriegen erneut zerstört, und im Jahre 1516 verkaufte der Sinziger Amtmann Werner Holzsadel die Burg und Hofreite an die Familie derer von Wildungen, die daraufhin auch von Landgraf Philipp I. damit belehnt wurden. 1538 belehnte Landgraf Philipp seinen Ministerialen Hiob von Schrendeisen mit Burg und Dorf Nassenerfurth, die dieser über seine Mutter Elisabeth von Wildungen geerbt hatte. Dessen Söhne verkauften die Burg im Jahre 1590 an Philipp Wilhelm von Cornberg, außerehelichen Sohn des Landgrafen Wilhelm IV., der sie aber bereits 1594 an seinen Halbbruder, Landgraf Moritz, verkaufte. Dieser belehnte 1598 Asmus von Baumbach mit der Burg und dem Dorf. Die Belehnung an die Baumbachs wurde wiederholt erneuert, und bis in die frühen 1970er Jahre blieb das Schloss Privatbesitz der Familie.
Asmus von Baumbach ließ an der Stelle der alten Burg, unter Einbeziehung von deren Resten, ein neues Schloss mit einem dreigeschossigen massiven Hauptbau errichten und östlich dahinter einen Lustgarten anlegen. Der große Wirtschaftsbau wurde 1622 errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss am 7. September 1631 von Truppen der Katholischen Liga geplündert und verwüstet und im Jahre 1636 von polnischen Truppen ein zweites Mal heimgesucht. Nach dem Ende des Kriegs wurde die Anlage restauriert und im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte durch zusätzliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude erweitert.
Die Anlage+
Kern der Schlossanlage ist die aus drei miteinander verbundenen großen, dreistöckigen, gegeneinander grob halbkreisförmig verwinkelten Gebäuden bestehende Hauptburg. Sie wurde um 1600 erbaut und ist von ummauerten Wassergräben umgeben, die auf der Nordseite teilweise verlandet sind. Von der Vorburg im Westen führt eine zweibogige Steinbrücke über den Graben zum Haupttor in der Mitte der Westseite.
Die Tordurchfahrt mit dem Renaissance-Portal in dem schmalen, dreigeschossigen Torbau aus verputztem Bruchstein mit Eckquaderung ist rundbogig gewölbt in rechteckigem Rahmen. Die Gewände und Rahmenpilaster des Portals sind in Flachrustika ausgeführt, die Pilaster mit toskanischen Kapitellen und darüber Obelisken. Die Zwickel sind mit Medaillons verziert. Über dem Portal ist ein gekuppeltes Zwillingsfenster auf drei Konsolen; rechts und links davon befinden sich zwei das Portal bekrönende Ornamentsteine mit Beschlagwerk.
Südlich des Torbaus schließt sich der dreigeschossige massive Wohn- und Hauptflügel des Schlosses an. Er ist auf der (östlichen) Hofseite vier-, auf der südlichen Giebelseite dreiachsig gegliedert. An der unregelmäßig gegliederten Westseite dient nur die Fensteranordnung zur Gliederung. Die Fenster sind Einzel- oder gekuppelte Zwillingsfenster. Der nördlich an den Torbau anschließende dreigeschossige Nordflügel ist im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss in der südlichen Hälfte massiv, ansonsten aus Fachwerk. An ihn schließt in nahezu rechtem Winkel nach Nordosten der Nordostflügel an, mit massivem Erdgeschoss und zwei Obergeschossen aus Fachwerk. Die Fachwerkteile der beiden Flügel stammen aus der Zeit kurz nach 1800. An der Hofseite sind diese beiden Flügel mit Sockelgesims verziert.
Im Winkel von Nord- und Nordostflügel befindet sich auf der Hofseite ein viergeschossiger polygonaler Treppenturm mit Bruchsteinmauerwerk, Eckquaderungen und Sockelgesims, der mit drei Seiten eines Achtecks herauskragt und über seinen drei Obergeschossen durch umlaufendes Gesims mit Karniesprofil verziert ist. An der Südseite ist der Eingang mit der Jahreszahl 1600 zwischen zwei Puttenköpfen über dem gotisierenden Schulterbogenportal. Über dem Portal verläuft ein karniesprofiliertes Gesims mit Zahnschnitt; darauf befindet sich zwischen Hermenpilaster und Dreiecksgiebel und mit Voluten gerahmt ein Doppelwappen der von Baumbach und der Schutzbar genannt Milchling. Der Treppenturm und die beiden anschließenden Flügel gehören einem gemeinsamen Baukonzept an, und aus der Höhe des Treppenturms als Steinbau schließt man, dass auch die beiden Gebäudeflügel ursprünglich Obergeschosse aus Stein oder deutlich repräsentativerem Fachwerk gehabt haben dürften.
Der Eingang zur Vorburg im Westen ist ein Spitzbogenportal mit der Jahreszahl 1515 im Scheitel. Südlich davon steht ein 1662 errichtetes bzw. erneuertes Wohnhaus mit massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss, nördlich eine 50 m lange, massiv zweigeschossige Scheune mit Fachwerkobergeschoss und hofseitiger Holzgalerie. An einem Fenster der Außenseite findet sich die Jahreszahl 1622.
Heutige Nutzung+
Das Schloss stand seit den späten 1960er Jahren nahezu 40 Jahre leer, wurde dann renoviert und kann heute für verschiedene Anlässe wie Familienfeste gemietet werden.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://www.wehrbauten.de/thread.php?threadid=1367
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 51.0250, 9.2627