SchlossMarktoberdorf

Schloss Marktoberdorf

Schloss Marktoberdorf

Bayerischen Musikakademie

Zum erstenmal ist von einem Schloss in Oberdorf im Jahre 1424 die Rede. In den Jahren 1515-1517 führte der Augsburger Fürstbischof Heinrich von Lichtenau einen spätgotischen Neubau auf, für den uns leider sowohl Bildmaterial als auch Beschreibungen fehlen. Seine Erweiterung fiel in die Jahre 1598/99. In erster Linie war es ein Jagdschloß, in dem auch Kaiser Max I. (1493-1519), ein leidenschaftlicher Jäger, mehrmals und gerne zu Gast war. Dieses Schloß stand bis zum Jahre 1722. Der streng gotische Bau paßte nichte mehr in die Zeit des heiteren Barocks, und so ließ Fürstbischof Alexander Sigismund, Pfalzgraf bei Rhein (1690-1737) die Burg abtragen und das heutigen Barockschloss ausführen. Mit dem Neubau wurde Johann Georg Fischer, der in Oberdorf geborene Füssener Baumeister beauftragt. Damals wurde der Westbau mit dem Hauptportal und 9 Fensterachsen, der Südflügel mit 26 und der Ostflügel mit 12 Achsen errichtet. ...

Im Jahre 1761 wurde der Bau von Fürstbischof Joseph, Landgraf von Hessen (1740-1768) erweitert, indem Gästewohnungen hinzugefügt wurden, der nach Norden noch offenstehende Hof geschlossen und an der Ostseite ein einfaches Tor angelegt. Das Schloss hatte nunmehr 72 Zimmer.

Sowohl der Erbauer des Schlosses als auch sein Nachfolger weilten bekanntlich recht gerne im Schloss zu Oberdorf. Eine besondere Vorliebe für den Markt und sein Schloss hatte der letzte der Fürstbischöfe, Kurfürst Clemens Wenzelaus, der auf Schloss Hubertusburg in Sachsen geborene Prinz zu Polen und Litauen und Herzog von Sachsen. Von ihm stammt die 1774 angelegte, prächtige Lindenallee, deren Erhaltung sich die Stadtverwaltung sehr angelegen sein läßt. Spätere Forschungen ergaben, daß die Allee wahrscheinlich auf klassischen Boden entstanden ist und hier die Römerstraße Kempten - Epfach durchging.

Nach seiner Vertreibung aus dem Erzstift Trier in den Wirren der Französischen Revolution und dem Verlust seines Kurfürstentums zog sich Clemens Wenzelaus auf sein Fürstbistum Augsburg zurück. Die Sommermonate verbrachte er bis zu seinem  Lebensende hier im Schloss, wohin ihn seine jüngste Schwester Prinzessin Maria Kunigunde Dorothea stets begleitete und dort die Stelle einer Kurfürstin vertrat. Sie war es auch, die mit ihm im Asyl nach Oberdorf ging und elf Jahre nach seinem Tode mit ihrer Nichte Maria Amalia, der verwitweten Pfalzgräfin von Pfalz-Zweibrücken am Ostchor der Oberdorfer Pfarrkirche eine Grabkapelle im klassizistischen Stil errichten ließ [siehe östlich der Kirche auf dem Foto], die heute noch steht.

Auch Schloss Oberdorf fiel der Säkularisation 1802 zum Opfer, wo Clemens Wenzelaus auch seine Landeshoheit im Hochstift beraubt wurde. Zwar wurde ihm das Schloss bis zu seinem Lebensende zur freien Benutzung belassen und ihm zugleich die niedere Gerichtsbarkeit im Markte eingeräumt, aber schon im Jahre 1812 übernahm der bayerische Staat das Schloss von Markt Oberdorf und richtete dort seine königlichen Behörden - Landgericht und 1820 das Rentamt ein. 1862 wurde es auch Sitz des Bezirksamtes.

Das Schloss, hoch über der Stadt, bleibt weiterhin sein Wahrzeichen und ist durch die Einrichtung der Bayerischen Musikakademie wieder einem sinnvollen Zweck zugeführt worden, zu deren Gründung der Stadt nur gratuliert werden kann.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0

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