Museum
Schloss Lauenstein
Über die der Stadtentwicklung wohl um 1200 vorausgehende Gründung der Burg Lauenstein herrscht in der Geschichtsschreibung Unsicherheit. Eine Reihe von Autoren (Schmidt 1927; Hammermüller 1964; Blaschke 1966) schreibt die Anlage der Burg den Markgrafen von Meißen zu, während ADAM (1994) böhmische Adlige als Gründungsväter sieht. Sollte der erste Fall zutreffen, dann diente die Anlage wohl dem Schutz der Ende des 12. Jahrhunderts entdeckten Erzlagerstätten nahe Freiberg und Dippoldiswalde. Wenn die Gründung dagegen von der böhmischen Familie der Hrabischitzer initiiert wurde, war Lauenstein wohl eher ein Vorposten der Burgen in Graupen und Kulm.
Fest steht, dass sich die Burg zum Zeitpunkt ihrer Ersterwähnung (1289 als castrum Levensteyn) im Besitz der Markgrafen von Meißen befand. Sie wurde in einer Frühphase der Erschließung des oberen Osterzgebirges auf einem steilen Bergsporn über dem Müglitztal als Grenzburg errichtet. Da sie nur von der schmalen Bergseite aus zugänglich war, konnte sie besonders wirksam befestigt und geschützt werden. Die Burg war maßgeblicher Ausgangs- und Stützpunkt der ritterlich-bäuerlichen Kolonisation der umliegenden Region, die von hier aus bis in die Kammlagen des Osterzgebirges getrieben wurde. Aus dieser Kolonisation gingen die Dörfer Liebenau, Löwenhain, Fürstenau und Fürstenwalde hervor. Die Burg Lauenstein schützte diese Siedlungen und die östlich von ihr verlaufenden Wege des Kulmer Steiges nach Böhmen und sicherte gleichzeitig die Herrschafts- und Besitzansprüche der Markgrafen von Meißen auf den an Bodenschätzen reichen Grenzwald ab.
In der Entstehungszeit verfügte die Anlage wahrscheinlich nur über eine vergleichsweise einfache Bauform (dreieckige Kernburg ohne Bergfried mit Torturm). Da Lauenstein aber bereits 1340 als Schloss erwähnt wird, kann von einer raschen Erweiterung der baulichen Anlagen und von einer Entwicklung hin zu einer typisch mittelalterlichen Burg ausgegangen werden. Von der eigentlichen Burg sind heute allerdings nur noch Reste erhalten, da die Anlage nach einem verheerenden Stadtbrand am 2. Mai 1594 niederbrannte und an ihrer Stelle bis ins 17. Jahrhundert hinein ein Renaissancebau als Wohnschloss errichtet wurde. Dabei erfolgte die Anlage einiger reich mit Bildhauer-, Stuck- und Malerarbeiten ausgestatteter Räume, die das Schloss noch heute sehenswert machen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Schloss und Stadt Lauenstein auch Mittelpunkte der ausgedehnten gleichnamigen Grundherrschaft, die bereits im 15. Jahrhundert bis auf den Erzgebirgskamm nahe Zinnwald reichte. 1835 umfasste diese Herrschaft eine Fläche von 94 km² mit der Stadt Neugeising, 15 Dörfern bzw. kleineren Siedlungen, darunter Börnersdorf, Breitenau, Fürstenau, Fürstenwalde, Hennersbach, Liebenau, Löwenhain, Oelsengrund und Zinnwald mit insgesamt 5.219 Bewohnern.
Gegenüber diesen Untertanen verfügte der Lauensteiner Burg- und Grundherr über zahlreiche Rechte und Privilegien, darunter das Bergregal auf niedere Metalle, die Binnenfischerei in allen Bächen und Flüssen, den Mahlzwang in den Mühlen der Grundherrschaft, die Entrichtung von Lehngeldern bei Besitzveränderungen, Erbzinsen, Grundsteuer sowie die niedere und hohe Gerichtsbarkeit. Letzteres umfasste auch Verurteilungen zum Tode, vollstreckt z. B. am 21. Dezember 1602: ...den 21. Decembr. ist zu Launstein auf dem Marckte der gewesene Bürgermeister Phillipp Schelle nebst Stephan Richters Eheweibe Ehebruchs wegen enthauptet, Thomas Schmatzens Eheweib aber, mit der jener auch zugehalten, verwiesen worden. Zwischen 1607 und 1730 wurden auf dem Marktplatz vor dem Schloss sechs Todesurteile u. a. wegen Ehebruch, Kindestötung und Mord vollstreckt. Die wirtschaftliche Bedeutung der grundherrschaftlichen Privilegien verdeutlichen folgende Zahlen: Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte der Grundherr aus seiner Herrschaft jährlich 1.371 Taler Geldzinsen, 161 Scheffel Zinskorn, 715 Scheffel Zinshafer, 410 Hühner und Gänse, über 2.500 Eier sowie über 2.300 Tage mit Dienstverpflichtungen (Feldarbeit, Ernte, Handwerksleistungen) für sich beanspruchen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die grundherrlichen Forderungen allmählich außer Gebrauch. Sie wurden teils durch neue Gesetze ersetzt, die Naturalleistungen durch Geldrenten abgelöst. Mit dem Regalbergbaugesetz von 1851 verlor die Herrschaft Lauenstein das niedere Bergregal und das Vasallenbergamt, das seinen Sitz in Neugeising hatte und zu dessen Revier die seit dem 16. Jahrhundert erschlossenen reichen Zinnerzlagerstätten auf dem Zinnwald gehörten, wurde aufgelöst. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die damaligen Grundherren von Hohenthal-Püchau im Rahmen der Bodenreform enteignet. Im Schloss und seinen Nebengebäuden kamen kurzfristig sudetendeutsche Vertriebene unter. Seit 1980 wird die Anlage als Museum (heute Osterzgebirgsmuseum) genutzt.
Das Schloss und die Stadtkirche Lauenstein sind ausgewählte Stätten für die vorgesehene Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.
Im Rahmen der jahrhundertealten Geschichte traten u. a. folgende Besitzer über Burg und Herrschaft Lauenstein auf (unvollständig):
- 1320: Albert der Ältere, Burggraf in Leisnig verpfändet Schloss Lauenstein an Markgraf Friedrich I. (Meißen).
- 1340: Burggrafen von Bergau
- 1372: Lauenstein wird böhmisches Lehen (bis 1459).
- 1374–1436: Die Familie von Kürbitz residiert als Vasall derer von Bergau auf Lauenstein.
- 1436: Kurfürst Friedrich II. belehnt Nikolaus, Hans und Günther von Planitz mit Lauenstein.
- 1449: Kurfürst Friedrich II. erwirbt Lauenstein, um einen Anteil an den aufkommenden Zinnbergbau von Altenberg zu erlangen. Er lässt Lauenstein von Vögten verwalten. Einer der ersten Verwalter war Kaspar von Schönberg auf Rechenberg.
- 1462: kurfürstliches Amt unter Franz von Körbitz
- 1464: Kurfürst Friedrich II. verkauft Lauenstein an Hans Münzer, einen reichen Bergwerksbesitzer und Ratsherren aus Freiberg. Der Kaufpreis betrug 700 Schock Groschen. Münzer war maßgeblich an der bergbaulichen Erschließung der Lauensteiner Region beteiligt. In die Zeit seiner Grundherrschaft fallen wahrscheinlich die ersten Zinnfunde und der Beginn des Zinnbergbaus in und um Lauenstein. Sein Sohn Erhard verkauft Lauenstein 1490.
- 1490: Stephan Alnpeck der Jüngere, Landeshauptmann zu Freiberg, erwirbt Lauenstein. Er verschafft dem Ort städtische Vorrechte.
- 1497 (nach anderen Quellen 1505): Friedrich von Saalhausen
- 1517: Die Familie von Bünau (verwandt mit den von Saalhausen) erwirbt Lauenstein. Die Bünaus waren ein weitverzweigtes sächsisches Adelsgeschlecht, die in Deutschland und Böhmen mit 15 Hauptstämmen und 28 Nebenlinien vertreten waren. Für die Region des Osterzgebirges übten sie einen maßgeblichen Einfluss auf die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung aus. Sie waren u.a. auch Burg- und Grundherren auf Weesenstein und auf Schloss Kuckuckstein in Liebstadt. 1821 ist die Familie aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs infolge des Siebenjährigen Krieges, des bayerischen Erbfolgekrieges und der napoleonischen Befreiungskriege zum Verkauf der Herrschaft Lauenstein gezwungen.
- 1821: Lauenstein gelangt für einen Preis von 175.000 Reichstalern in den Besitz von Carl Ludwig August Graf von Hohenthal auf Schloss Dölkau.
- 1826: Nach nur fünf Jahren übernahm die Familie von Hohenthal auf Schloss Püchau die Anlage samt den Besitzungen. Die von Hohenthals blieben bis zur Enteignung und Vertreibung durch die Kommunisten 1945 Schlossbesitzer.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Thomas Eichler
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