SchlossJerichow-Karow

Schloss Karow

Schloss Karow

Privatbesitz



Der Ortsname ist slawischen Ursprungs, sodass die Siedlung bereits im 9. Jahrhundert n. Chr. bestanden haben dürfte. Die Besiedlung der Region durch germanische Zuwanderer fand im 12. Jahrhundert statt, für diese Zeit wird ein Bartholomäus de Chare als Ortsgründer genannt. Wie üblich wurden die germanischen Ansiedlungen in der Nachbarschaft bestehender slawischer Orte errichtet, die im Laufe der Zeit zusammenwuchsen. Als Kare wurde das Dorf 1191 (1193?) erstmals urkundlich erwähnt, im 15. und 16. Jahrhundert kamen auch die Ortsbezeichnungen Carov (1459), Chare (1600) oder Kara (1562) vor. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert gehörte Karow dem Erzbistum Magdeburg, dessen Lehensverzeichnis von 1370 führt es als zum Burgward Plaue zugehörig an. Schon im Mittelalter wurde Karow als Pfarrdorf bezeichnet, und es wurde die Existenz eines Rittergutes erwähnt.

Der erste namentlich bekannte Gutsherr war Anfang des 13. Jahrhunderts Friedrich von Caro. Später wirtschaftete auf dem Gut die Familie von Alvensleben, gefolgt 1455 von der die Familie von Bardeleben und von Joachim von Byern 1574. 1690 wurde der spätere brandenburgische Minister Friedrich Wilhelm von Grumbkow Miteigentümer des Gutes. Er gilt als Initiator des 1703 begonnenen Neubaus der Karower Kirche. 1708 erwarb der Oberhofmarschall und Geheime Rat Freiherr Marquard Ludwig von Printzen (1675-1725) das Gut Karow. Vom preußischen König Friedrich I. wurde ihm das Patronat über die Karower Kirche geschenkt. Von Printzen führte den Neubau der Kirche zu Ende, sie wurde 1712 fertiggestellt. 1708 hatte der Gutsherr mit der Errichtung eines zweigeschossigen Herrenhauses im barocken Baustil begonnen. Dem dreiflügligen Bau wurde ein 15 Hektar großer Park angefügt, zunächst in Form eines französischen Gartens. Dann erbte der Sohn des Oberhofmarschalls Friedrich Wilhelm von Printzen. Im Jahr 1774 erbte dessen einzige Tochter Elisabeth Luise Sophie (*1742 in Karow, †1811 in Potsdam) das Gut. Sie heiratete den Hofmarschall Wilhelm Friedrich Heinrich Ferdinand Graf von Wartensleben (*1740, †1776), dessen Familie das Gut bis 1945 besaß. Die nachfolgenden Gutsherren waren:

  • Schlosshauptmann Christian Ludwig Gr.v.W. (1767-1833),
  • Generalleutnant Gustav Graf von Wartensleben (1796-1886),
  • General der Kavallerie Hermann Wilhelm Graf Wartensleben-Carow (1826-1921),
  • Oberstleutnant Friedrich Wilhelm Gr. v.W. (1873-1954)

Mit der vom preußischen König Friedrich II. veranlassten Trockenlegung des Fiener Bruchs, dem Bau des Plauer Kanals und dem damit verbundenen Siedlungsprogramm ließen sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Bauern und Handwerker als neue Einwohner in Karow nieder. Das Dorf gehörte seit der Säkularisierung des Magdeburger Erzbistums von 1680 zum brandenburgischen Herzogtum Magdeburg und war dem Jerichower Kreis unterstellt. Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1815 kam Karow zum Kreis Jerichow II mit der Kreisstadt Genthin. Der in Karow ansässige Graf Hermann Wilhelm von Wartensleben war von 1872 bis 1901 Landrat in Genthin. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Infrastruktur von Karow. Mit der 1840 in Betrieb genommenen Branntweinbrennerei wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und die um 1890 fertiggestellte Chaussee Genthin-Karow-Zitz verbesserte die Verkehrsverhältnisse. Der Gutsbezirk Karow blieb bis zur Gemeindereform von 1928 eine selbständige Einheit. Er hatte 1910 117 Einwohner, während in der Landgemeinde Karow 814 Menschen lebten. Der vereinigte Ort wies 1939 849 Einwohner auf. Von 1912 bis 1951 besaß Karow über die Bahnstrecke Rogäsen–Karow Eisenbahnanschluss.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Gutsfamilie von Wartensleben mit der von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten Bodenreform noch im Jahre 1945 zwangsenteignet. Der Landbesitz wurde aufgesiedelt und an Neubauern aufgeteilt. Das Gutshaus wurde in kommunale Nutzung überführt und diente bis 1999 als Schule. Seine überregional bekannte reiche Ausstattung, zu der u. a. Gemälde von Antoine Pesne und der Berliner Malerschule gehörten, ging schon kurz nach Kriegsende verloren. Einige der Bilder und Teile des Hausrats fanden sich später im Genthiner Heimatmuseum wieder. An den Erbauer des Hauses, das in der DDR-Zeit auch wertmindernde Umbauten über sich ergehen lassen musste, erinnert nur noch das Wartenlebensche Familienwappen über dem Eingangsbereich. Der Anfang des 19. Jahrhundert im englischen Stil umgestaltete Gutspark wurde nicht mehr gepflegt, ein Teil des Geländes ist für einen Sportplatz in unmittelbarer Nähe des Gutshauses in Anspruch genommen worden. Die vollkommen verwüsteten Erbbegräbnisse der Familie, die Gruft unter der Kirche und der sogenannte Ruhegarten hinter dem Friedhof, wurden nach der Wende 1990 wieder in einen würdigen Zustand versetzt.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Roland Neubert, Halle (Saale)

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