Privatbesitz
Schloss Hirschberg

Schloss Hirschberg liegt am Haarsee im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Das Schoss im „Jugendstilbarock“ wurde von 1907 bis 1909 nach Plänen von Carl Hocheder für die Familie von Hirschberg bei Weilheim in Oberbayern errichtet.
Familie von Hirschberg
Friederike Albertine Sophie von Faber (* 7. November 1878 in Stein; † 14. September 1951 in Hirschberg am Haarsee) heiratete am 26. März 1906 Karl Rudolf von Hirschberg (* 7. Dezember 1855 in Ingolstadt; † 12. Juni 1927 in Gossenhofen bei Weilheim) königlichen Kämmerer und Generalmajor, Kommandeur der 4. Königlich Bayerische Kavallerie-Brigade. 1906 erwarben sie Güter in Haarsee, Gossenhofen und Rothsee. Am 18. August 1907 wurde der Grundstein für ein Schloss am Haarsee gelegt, welches als ihr Familiensitz vorgesehen war und das Vermögen von etwa einer Million Goldmark kostete. Der Bau dauerte zwei Jahre, das Gebäude wurde dabei mit damals modernster Technik ausgestattet. Dazu gehörten eine Zentralheizung, ein Personenaufzug und ein Schwimmbad im Keller.
1923 kam die Familie von Hirschberg unter anderem infolge von Hyperinflation und wertlos gewordenen Kriegsanleihen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und konnte das Schloss wegen hoher Unterhaltungskosten nicht mehr selbst bewohnen. Es wurde an die jüdische Berliner Bankiersfamilie von Bleichröder vermietet. Vor allem Alwine Maria Emma von Bleichröder, geb. Soydt (* 1894; † 1981), Ehefrau von James von Bleichröder, wohnte darin. 1927 starb Karl Rudolf von Hirschberg. Seine Witwe zog 1933 wieder in einen Teil des Schlosses ein.
Ihre Tochter Sophie Dorothee von Podewils heiratete am 26. September 1932 in Rothsee bei Weilheim Clemens von Podewils. Ihr Sohn Rüdiger von Hirschberg heiratete am 12. Januar 1938 in Rothsee Marina von Ditmar.
Staatsbesitz
Während des Zweiten Weltkrieges wurde das abgelegene Schloss beschlagnahmt und als „Gästehaus des Reichsaußenministeriums“ genutzt. Es bekam den Tarnnamen Waldbichl. Im weiteren Verlauf wurde mit der Familie von Hirschberg ein Verkauf an das „Großdeutsche Reich“ für 1,5 Millionen Reichsmark vereinbart, wobei 1,3 Millionen Mark auf eingetauschte Immobilien entfielen. Der Verkauf wurde allerdings erst nach dem Krieg im Jahr 1953 endgültig rechtswirksam.
Gästehaus des Reichsaußenministeriums
Am 14. September 1943 um 14:30 Uhr nach dem Unternehmen Eiche, trafen sich Benito Mussolini und Adolf Hitler in der Wolfsschanze. Am 19. September 1943 zogen Benito Mussolini, seine Frau Rachele, Romano Mussolini, Anna Maria Mussolini und Filippo Anfuso im Schloss Hirschberg ein. Mussolinis Tochter Edda Ciano, ihr Mann Galeazzo Ciano und Kinder waren in einer Villa in Allmannshausen am Starnberger See untergebracht und beabsichtigten nach Argentinien auszuwandern. Am 23. September 1943 brachte Karl Wolff Mussolini mit dem Auto zu einem Flughafen in München. Von München flog teilweise Musolini am Steuer zum Aeroporto di Forlì. Von Forlì fuhren Wolff und Mussolini nach Rocca delle Caminate in Meldola. Wolff flog weiter nach Rom, wo er in der Botschaft des Deutschen Reichs Rodolfo Graziani als Verteidigungsminister für Salò in der Italienischen Sozialrepublik engagierte. Edda Ciano fuhr am 27. September 1943 mit dem Zug nach Salò. Am 17. Oktober 1943 brachte der SS-Mann Wilhelm Höttl Galeazzo Ciano und Kinder nach Salò.
Vom 18. Oktober 1944 bis 1. Mai 1945 war Miklós Horthy mit Frau und Schwiegertochter unter Betreuung von Walter Hellenthal im Schloss Hirschberg untergebracht. Zum 8. Mai 1945 wurde Horty nach Augsburg gebracht und einem General Patch in Göppingen vorgestellt. Am 11. Mai wurde er nach Manoir de Lébioles geflogen, wo er mit Franz von Papen und Walther Darré Text in die Rosetten um die Deckenlampen einsprach. Vom 21. Mai bis 17. Dezember 1945 war er im Vorfeld der Nürnberger Prozesse in einem Hotel gegenüber von Camp Ashcan in Bad Mondorf unter Burton C. Andrus interniert. Am 25. Juni 1945 sprach er mit Gustav Adolf Steengracht von Moyland und Friedrich von Boetticher Text.
Vom Dezember 1945 bis September 1948 wohnten die Horthys in der Pollinger Straße 25 in Weilheim. Am 7. Dezember 1946 beantragte die Familie Horthy deutsche Kennkarten.
Ukrainisches Priesterseminar und Spätberufenenschule
Vom 1. Mai 1946 bis 1961 oblag die Gebäudenutzung der US-Regierung. Von Februar 1946 bis 1948 studierten auf Initiative des apostolischen Vistitators Mykola Vojakovs'kyj auf dem Schloss 72 ukrainische Studenten Katholische Theologie. Aus finanziellen Gründen und wegen der beginnenden Abwanderung der Ukrainer siedelte man es in die Niederlande um.
Am 26. April 1948 zog die neu gegründete Spätberufenenschule St. Josef der Oblaten des Hl. Franz von Sales in das Gebäude, die bis zum Frühjahr 1960 dort blieb.
Bundesnachrichtendienst
Von 1961 bis Juni 2000 nutzte der Bundesnachrichtendienst das Gebäude zur Fortbildung. Das Bundesvermögensamt bot das Schloss danach zum Verkauf an. Verschiedene Nutzungen waren im Gespräch. Ein Käufer fand sich allerdings erst 2004.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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