Städtische Musikschule
Schloss Handschuhsheim

Das Schlösschen in Handschuhsheim geht auf einen kleineren spätmittelalterlichen Adelssitz in direkter Nachbarschaft zur Handschuhheimer Tiefburg zurück. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde vielfach umgebaut und hat eine wechselhafte Besitzgeschichte. Ältester Bauteil ist der markante Treppenturm aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das Gebäude ist seit dem Ersten Weltkrieg im Besitz der Stadt Heidelberg und dient heute kulturellen Zwecken. Die Orangerie des Schlösschens wurde nach dem in Handschuhsheim geborenen Maler Carl Rottmann benannt, dessen Großvater einst im Besitz des Anwesens war.
Das Anwesen neben der Tiefburg wurde im 15. Jahrhundert als Knebelhof erstmals erwähnt. Die Familie Knebel zählte zum regionalen niederen Adel. Heinrich V. von Handschuhsheim (1405–1431) war mit Margarete Knebel verheiratet. Barbara von Handschuhsheim († 1588) heiratete Dam Knebel († 1579), der Besitzer des Hofes war. Von diesem kam der Hof an Philipp Knebel, der mit Elisabeth von Helmstatt verheiratet war. Deren Sohn Dam Philipp Knebel († 1613) ließ das Herrenhaus des Hofes 1609 erneuern. Von diesem Neubau blieb der Treppenturm bis in unsere Zeit erhalten. Von Dam Philipp Knebel kam der Hof an dessen Schwager Pleickard XIV. Landschad von Steinach und von diesem durch Erbgang an seine Schwester Agnes. Nach dem Aussterben der Herren Landschad von Steinach im Mannesstamm kam der Hof an Pleikards XIV. Tochter Ursula Christina, die mit Philipp Ernst von Venningen verheiratet war. Die Herren von Venningen veräußerten den Besitz 1659 an Friedrich von Landas. 1674 wurde der Hof zerstört. 1677 kam das Gut an Landas' Schwiegersohn, einen Herrn von Lenthe, der das Herrenhaus wieder instand setzte. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Herrenhaus erneut zerstört, wobei abermals der Turm stand hielt. Um 1700 wurde das Haus in seiner heutigen Gestalt wiederhergestellt. 1701 erwarb der Obrist Johann Friedrich Strup von Gelnhausen das Anwesen und ließ das Herrenhaus um eine Orangerie erweitern. Durch Erbgang kam das Anwesen an die Grafen von Waxenstein, die es 1725 an den Regierungsrat Josef Benedikt von Jungwirth verkauften. Dessen Nachkommen verkauften das Gut an den Administrationsrat Johann Ludwig Harscher, dieser verkaufte es an seinen Vetter Nikolaus Hummel. Von 1769 bis 1778 war Stephan Gugenmus (1740–1778) Pächter des Anwesens. Er reformierte die Landwirtschaft in Handschuhsheim durch Abschaffung der Dreifelderwirtschaft und machte Handschuhsheim zu einem bedeutenden Gemüsebaustandort. 1783 erwarb der Waisenhausschaffner Carl Franz Josef Rottmann das Anwesen. Sein Enkel Carl Rottmann (1797–1850) war bedeutender Maler. 1837 erwarb Carl Adolf Uhde (1792–1856) das Anwesen. Als Sammler von Antiquitäten und Naturalien nutzte er das Gebäude zur Unterbringung seiner Sammlungen und ließ auch den Park um das Schlösschen anlegen. 1861 erwarb der Minenbesitzer John Benjamin Graham (1813–1876) das Anwesen. Er vererbte es seinem sich meist in England aufhaltenden Sohn, dem Parlamentarier Harry Robert Graham († 1933). Die Stadt Heidelberg bemühte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg um den Erwerb des Schlösschens, der Kriegsausbruch brachte die Verhandlungen jedoch zu Erliegen. Da die Beschlagnahme des in englischem Besitz befindlichen Anwesens drohte, erwarb der Graham'sche Verwalter Jakob Pollich das Anwesen während des Krieges. 1916 führte er erneute Kaufverhandlungen mit der Stadt Heidelberg, die schließlich erfolgreich waren. Die Stadt nutzte das Gebäude von 1919 an als Jugendherberge. 1928 wurden einige Nebengebäude erneuert, anschließend wurde das Schlösschen zur Sonderschule umgenutzt. Seit einer umfassenden Sanierung 1974/75 dient das Schlösschen als Musikschule, 1984/85 wurde das Gebäude baulich um moderne Veranstaltungsräume erweitert.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://www.wehrbauten.de/thread.php?threadid=976
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