Museum
Stiftung
Schloss Grillenburg

Das Jagdschloss Grillenburg befindet sich im Tharandter Wald. Es liegt im gleichnamigen Ortsteil von Kurort Hartha bei Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen, an der heutigen Ferienstraße Silberstraße zwischen Dresden und Freiberg. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen verzeichnet das Ensemble innerhalb der umgebenden drei Teiche als Kulturdenkmal einschließlich archäologischem Bodendenkmalschutz.
Ursprung
Die Ursprünge der auf der so genannten Grillenburger Lichtung erbauten Jagdhausanlage reichen nachweislich bis in das 13. Jahrhundert zurück. Sie werden nach archäologischen Untersuchungen von 1935–37 (Walter Bachmann, Hans Nadler) und 1980–83 (Reinhard Spehr) sowie den noch vorhandenen Kellergewölben als Abtei/Grablege, staufische bzw. markmeißnische Jagdpfalz bzw. Pilgerhospiz am Heiligen Weg bzw. Weg der Jakobspilger gedeutet. Offensichtlich bestand ein enger Zusammenhang mit der benachbarten Burg Tharandt sowie den Meißner Markgrafen Dietrich und Heinrich. Eine frühe Siedlung wird auch dadurch belegt, dass u. a. die Goldene Pforte am Freiberger Dom St. Marien 1225 aus Grillenburger Sandstein hergestellt wurde, den man noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts für Mühlsteine abbaute, und die nahe Wüstung Warnsdorf, welche bereits auf das Jahr 1162 (dendro) zurückgeht.
Kurfürstliches Jagdhaus und Amtssitz
Mitte des 16. Jahrhunderts wurde auf Befehl des Kurfürsten Vater August von Sachsen unter anderem unter Leitung von Hans von Dehn-Rothfelser und Hans Irmisch eine kurfürstliche Jagdanlage, anstelle eines Netzhauses, auf den älteren Grundmauern errichtet, die neben der Jagd vor allem zur Entspannung des Kurfürsten (im Sinne von Grillen vertreiben) diente. Die unter anderem aus Fürstenhaus, Jägerhaus, Schösserei und dem Gesindewohnhaus Bärenhaut mit Stallungen bestehende Anlage stellte man zwischen 1554 und 1558 bzw. das Jägerhaus 1599 und die Fronfeste 1614 fertig. Dabei wurde auch Baumaterial von der Burg Tharandt verwendet. Um- und Erweiterungsbauten erfolgten im 17. und 18. Jahrhundert, insbesondere nach einem Brand 1654, unter anderem durch Baumeister Ezechiel Eckhardt. Von der Anlage blieben infolge von Kriegseinwirkungen, Bränden und Abrissarbeiten nur die Schösserei und die Umfassungsmauer mit dem Colmnitzer Tor erhalten. Das Jägerhaus wurde 1720 durch eine Feldscheune ersetzt und das Fürstenhaus (bis auf die Keller) und die Fronfeste 1828 (Baumaterial für Gasthof Grillenburg) abgebrochen. Das Areal war ursprünglich von vier Teichen umgeben, gespeist von der Schwarzen Pfütze sowie über einen Kanal von der ursprünglichen Triebisch (X-Bach / Kroatenbach bzw. Kroatenwasser), und über drei Tore und eine Holzbrücke erreichbar. 1730 wurde die Holzbrücke durch eine Sandsteinbogenbrücke nach Plänen des Oberlandbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann ersetzt. Nur der Teich mit der Steinbrücke vor dem heutigen Jagdschloss blieb original erhalten.
1568 wurde Grillenburg der Verwaltungssitz des Amtes und der Justiz von Grillenburg-Tharandt. Das bislang in Tharandt befindliche Amt wurde hierher verlegt und in Amt Grillenburg umbenannt. Die Oberforst- und Wildmeisterei befand sich 1586–1852 und 1873–1909 in Grillenburg. Sie umfasste in den Jahren 1728 bis 1813 die Ämter Dippoldiswalde, Freiberg, Grillenburg und Nossen. Ab 1787 wurde das Amt Grillenburg von Freiberg aus mitverwaltet und 1827 der Amtssitz zurück nach Tharandt verlegt. Die Aufgaben des Justizamtes Grillenburg übernahm 1856 das Gerichtsamt Tharandt. Das Rentamt, das seit etwa 1784 als eigenes Ressort bzw. seit 1831 als eigene Behörde neben dem Justizamt bestand, wurde 1856 mit dem Rentamt Dippoldiswalde mit Amtssitz in Tharandt zusammengelegt. Seine Aufgaben übernahm 1865 das Forstrentamt Tharandt.
Jagdschloss
Die heutige Biedermeierfassade der Anlage geht überwiegend auf eine Rekonstruktion nach Plänen von Landbaukondukteur Rothe im Jahr 1855 zurück, als die Schösserei zum königlichen Jagdschloss umgebaut wurde. Etwa zeitgleich verfüllte man die südlich der Anlage gelegenen drei Teiche als landwirtschaftliche Nutzfläche. Im Umfeld des Jagd- und Verwaltungssitzes siedelten sich neben dem Gasthof, der Schmiede und der Mühle Grillenburg nach 1780 auf Betreiben des damaligen Oberforstmeisters Friedrich Wilhelm von Hopfgarten einige Häusler an, deren Behausungen später die Gemeinde Grillenburg bildeten, welche 1973 nach Kurort Hartha (seit 1999 Ortschaft der Stadt Tharandt) eingemeindet wurde. 1935/36 wurde das seit 1918 verpachtete und u. a. als Herberge des Ev.-luth. Jungmännerbundes Sachsen (Hieckeheim, benannt nach Bundeswart Friedrich Hiecke) und Café mit öffentlichem Gondelbetrieb bzw. 1925 als Sächsische Bauernhochschule genutzte Jagdschloss zum Sächsischen Jägerhof (1936–45) umgebaut, wobei die Biedermeierausstattung im Innern verschwand. Den Jagdsaal stattete man mit einem Wandfries aus, der als Nachbildung den Aufzug der kursächsischen Jägerei darstellt (Original in der Waldschänke Moritzburg bei Dresden).
Museum und Sitz der Landesstiftung Natur und Umwelt
Nach 1945 diente das Schloss u.a. kurzzeitig als FDGB-Schulungsheim. Ab 1953 nutzte es die Technische Hochschule (TH) Dresden (seit 1961 Technische Universität Dresden) – Fachrichtung Forstwissenschaften Tharandt, die darin 1966 eine Forstliche und Jagdkundliche Lehrschau eröffnete, welche bis heute als Museum des Waldes besteht. Das Waldmuseum wurde seit 2004 von der Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt mit Sitz im Schloss betrieben. Die Akademie zog am 16. Juni 2009 zunächst für zwei Jahre wegen notwendiger Bauarbeiten am Schloss komplett in den Nobbe-Bau der TU Dresden in Tharandt um und das Museum des Waldes wurde geschlossen und ausgelagert. Am 25. Januar 2011 beschloss das sächsische Kabinett den Umzug der gesamten Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt nach Grillenburg zum 1. Januar 2014, der nun jedoch erst zum 1. Januar 2017 erfolgt. Nach der Entkernung des Dachgeschosses im Jahr 2010 erfolgten 2011 die Sanierungsarbeiten am Schlossdach, das als Kaltdach neu ausgeführt wurde, seine massiven Gauben von 1855 im Schlosshof verlor und auf dem erneuerten Turm eine Nachbildung der Wetterfahne von 1730 erhielt. Weitere Arbeiten am Schloss, das derzeit leer steht und zwangsgelüftet wird, sind erst 2015/16 geplant. Zudem wird eine Einbeziehung des Neuen Jägerhauses bzw. der Forstlichen Ausbildungsstätte in Grillenburg geprüft.
Neues Jägerhaus
Auf einer Anhöhe hinter dem Jagdschloss wurde über dem romanischen Gewölbe 1937–1939 das staatliche Gästehaus Neues Jägerhaus für den Sächsischen Jägerhof errichtet (u.a. mit Luftschutzbunker, Jagdhütte, Bade- und Gondelteich mit Bootshaus, Kegelbahn, Garagen und Hundezwinger). Es wird im Volksmund fälschlicherweise als Mutschmannvilla bezeichnet, da es vom Sächsischen Reichsstatthalter, Ministerpräsidenten und Landesjägermeister Martin Mutschmann z. T. auch privat genutzt worden war. Architekten des Neorenaissancebaus waren der Rektor der Technischen Hochschule Dresden, Prof. Wilhelm Jost (1887–1948), und im Innern Prof. Oswin Hempel (1876–1965). Ausgeführt wurden die Planungen durch den Tharandter Baumeister Burkhardt und die Deutschen Werkstätten Hellerau. Es enthielt unter anderem die wohl größte Intarsienwand Europas nach Entwürfen des Künstlers Max Wendl (1904–1984), die zum Teil im Mai 2009 gestohlen und deren Reste ausgelagert wurden. Eine Waffentruhe der Originalausstattung von Theodor Artur Winde (1886–1965), dessen Werke interessanterweise von den Nationalsozialisten als so genannte entartete Kunst anderswo genauso entfernt wurden, wie die von Max Wendl, steht heute im Dresdner Kunstgewerbemuseum in Schloss Pillnitz. Zur Verbesserung der Fischzucht und als Hochwasserschutz wurde 1937 zudem ein Kanal westlich der drei Teiche, von der Schwarzen Pfütze zur Triebisch, mit Rückhaltebecken Faule Pfütze, Kalkmühle und Kalkstaustufen angelegt. Während der DDR-Jahre wurde das Neue Jägerhaus bis 1990 als VdN-Kurheim Elsa Fenske genutzt, diente der Unterbringung der sowjetischen Delegation mit Leonid Breschnew, Alexei Kossygin, Nikolai Baibakow und Pjotr Abrassimow beim geheimen Dresdner Treffen der Staaten des Warschauer Pakts Ende März 1968 zum Prager Frühling und im Juni 1972 Fidel Castro bei einem DDR-Besuch als Quartier. Bis 1993 wurde es noch als Pension Jägerhof von der Gemeinde Kurort Hartha genutzt. Nachdem der Freistaat Sachsen das Objekt 1994 zugesprochen bekam und 1999 privatisierte, ist es seit 2006 Eigentum der Stadt Tharandt, die es 2006–2011 an die Stiftung Musik Kunst Natur aus Bannewitz verpachtet hatte. 2012 beschloss der Stadtrat Tharandt die Abgabe der derzeit ungenutzten Immobilie an den Freistaat Sachsen. Die Grillenburger Einwohnerschaft reichte zudem 2013 eine Petition bei den zuständigen sächsischen Staatsministerien und beim Sächsischen Landtag ein, deren Sachstand seit 2014 an der öffentlichen Bekanntmachungstafel des Ortes aushängt.
Schlosspark
Die derzeitige Gartenform geht auf den Landschaftsarchitekten Hermann Schüttauf, Direktor der Staatlichen Gärten Sachsens, zurück, der die bis in das 16. Jahrhundert zurückgehende Anlage 1937-38 im Einklang mit den Neubauten gestaltete. Drei Bronzeplastiken im Schlosspark wurden 1938 nach Entwürfen der Künstler Otto Rost (1887–1970; Meisterschüler von Georg Wrba) – Plastiken Wildschwein (2000 gestohlen) und Bär (eingelagert) – und Johannes Darsow (1877–1946; Bildhauer aus Berlin) – Plastik Hubertushirsch (2013 auf den Kurplatz in Kurort Hartha umgesetzt) – in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer gegossen. Drei Jägerfiguren aus Sandstein, geschaffen um 1645 von Conrad Buchau († 1657) oder schon um 1602 von Christoph Walther IV (um 1572–1626) bzw. nach anderen Angaben um 1620 für den Jägerhof (1569–1830) in Dresden-Neustadt, waren von etwa 1900 bis 1952 am Schloss in Grillenburg aufgestellt. Sie befinden sich heute im Foyer vom Museum für Sächsische Volkskunst bzw. am Eingang zum Museum für Jagdtier- und Vogelkunde im Jagdschloss Augustusburg. In einer beispiellosen gemeinnützigen Aktion begann die Einwohnerschaft von Grillenburg im Frühjahr 2014 mit Arbeitseinsätzen im kommunalen Teil des Schlossparks, um die über 20 Jahre nicht mehr gepflegte Anlage für eine öffentliche Nutzung wiederherzurichten. Im Herbst 2014 wurden im Pflaumengarten, neben einem alten Apfelbaum unbekannter Sorte, nach einem gartendenkmalpflegerischen Plan wieder neue Bäume der Sorten Alte Deutsche Hauspflaume und Borsdorfer Apfel gepflanzt.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Thomas Eichler
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