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Schloss Gangkofen

Das Schloss wurde im Jahr 1278/79 von Graf Wernhard II. von Leonberg erbaut. Er gegründete als Kommende des Deutschen Ordens eine der südlichsten Niederlassung dieses geistlichen Ritterordens nördlich der Alpen. Das Herrschaftsgefüge im Markt und im weiten ländlichen Umfeld wurde entscheidend durch dieses Ordenshaus mitgeprägt, das nach außen hin wie die Klöster durch grundherrliche Hoheit auf Grund zahlreicher Güterstiftungen in Erscheinung trat, verwaltet durch einen Vorsteher der Kommende aus dem Ritterstand, den Komtur, und im pfarrlichen Leben durch die dem Ordenshaus zugeteilten Ordensgeistlichen.
Der Überlieferung nach kam es zur Ansiedlung dieses Ritterordens in Gangkofen auf Grund der Teilnahme Wernhards II. an einem Kreuzzug und der dabei offensichtlich mit dem an sich in Preußen und Litauen ansässigen Deutschen Orden an dessen Gründungsstätte in Akkon in Palästina geknüpften Verbindung. Bis weit in das Rottal und an den Gäuboden hin reichten die Güter, welche dem Ordenshaus vor allem im 13. und 14. Jahrhundert gestiftet wurden. Die Kommende Gangkofen liegt räumlich sehr dicht am Marktkern. Sie wurde 1599 durch einen verheerenden Brand zusammen mit dem halben Marktflecken vernichtet, während eines weiteren Schadensereignisses im Jahr 1666, dem der ganze Markt vollkommen zum Opfer fiel, nur angegriffen. So zeigt sich dem Betrachter heute eine weite bauliche Anlage des angehenden 17. Jahrhunderts, vereint mit der Pfarrkirche “St. Mariä Himmelfahrt”, erbaut nach den Plänen des Deutschordensbaumeisters Franz Keller der vorstehenden Landkomturei Ellingen in Franken. Gerade dieser gestalterische Einfluss und die durchaus eigene architektonische Note des Ordens ließ einen Kirchenraum entstehen, der von Anlage und Gestaltung her gesehen nicht vergleichbar ist mit den Kirchenbauten der weiteren Umgebung. Mit zum Ordenshaus und unter sein geistliches Patronat gehörten zahlreiche kleinere Pfarr- beziehungsweie Filialkirchlein, auch die ehemalige Wallfahrtskirche “St. Salvator” zu Heiligenstadt vor den Toren Gangkofens, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1279 als “capella nova” und seit etwa 1830 auch Friedhofskirche. Dieser Kirchenraum birgt im Chor eine der bedeutendsten gotischen Schöpfungen des südostbayerischen Raumes, einen gotischen Schreinaltar mit dem Entstehungsjahr 1480, gestiftet von dem Deutschordenskomtur Perchtold von Sachsenheim.
Ungefähr zwei Kilometer nördlich Gangkofens entstand im Jahr 1255 ein anderes geistliches Zentrum, ein Kloster der Wilhelmiten, gegründet von dem Regensburger Erzdiakon Henricus Seman von Mangern. Im Rahmen der in dieser Gründungszeit von Rom aus betriebenen Union der Eremitenkongregationen wurde das Kloster letztlich, im Jahr 1267 urkundlich bekräftigt, in einen Konvent der Augustinereremiten umgewandelt. Dieser Konvent wurde in den nachfolgenden zwei Jahrhunderten mit weitreichenden Gütern ausgestattet und erhielt zudem zahlreiche Privilegien durch Herzöge und Kaiser. Der aus dem vormaligen Schloss Pöllnkofen entstandene Klosterbau wurde vor allem im 15. und 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut, wich jedoch in den Jahren 1712 bis 1715 einem von Prior Angelus Höggmair betriebenen grundlegenden Neubau der gesamten Anlage. Mit der Säkularisation wurde das Augustinereremitenkloster Seemannshausen im Jahr 1803 endgültig aufgelöst, die Deutschordenskommende Gangkofen in den Jahren 1805/06. Während die Kommende Gangkofen durch ihre zentrale und unmittelbare Lage an der weiterhin bestehenden Pfarrkirche fast vollkommen erhalten wurde, gingen die ganz wesentlichen baulichen Teile des Klosters Seemannshausen nach der Versteigerung für immer verloren, mit ihnen aber auch wertvollste Ausstattungstücke der Kirche, über deren Inneres alle Informationen gänzlich verloren sind. Heute steht in Seemannshausen noch der West- und Nordflügel des Klostergebäudes. Er beherbergt nun seit über 150 Jahren eine private Brauerei, ganz im Zeichen der vorher gepflegten klösterlichen Braukunst. Nach eigenen Rezepten wird hier neben den handelsüblichen Biersorten auch ein trübes Bier hoher Stammwürze hergestellt, das wie die ansprechende bauliche Anlage mit dem gemütlichen Biergarten jährlich viele Besucher anlockt.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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Lage: 48.4371, 12.5617