Privatbesitz
Schloss Gamig
Gamig liegt einen reichlichen Kilometer nordwestlich der Dohnaer Altstadt. Der Ortsteil Gamig besteht aus einem großen Einzelgut mit mehreren Nebengebäuden.
Die Urform des aus dem Altsorbischen stammenden Ortsnamen dürfte *Kameńk gelautet haben. Der Ortsname Gamig geht somit ebenso wie z. B. Chemnitz und Kamenz das Wort *kameń, deutsch Stein, zurück und bedeutet somit „Siedlung in steiniger Gegend“. Die Deutung deckt sich mit der Lage des Ortes auf einer felsigen Anhöhe. Erstmals erwähnt wurde der Ort 1411 als „Kamenig“. In den folgenden Jahrhunderten waren zahlreiche weitere Schreibweisen in Gebrauch, darunter „Camegk“, „Camen“, „Kamig“, „Gamigk“ und „Gamich“.
Ungewiss ist, ob Gamig als Vorposten der Burggrafen von Dohna entstand und später zum Kloster Altzella gehörte. Belegt ist hingegen, dass 1445/47 in Gamig ein Vorwerk bestand, aus dem sich spätestens 1512 ein Rittergut entwickelt hatte. Dessen Besitzer übten die Grundherrschaft in den Dörfern der Umgebung aus, darunter in der heutigen Wüstung Blochwitz, in Bosewitz, Gommern und Meuscha sowie in den heutigen Dresdner Stadtteilen Niedersedlitz und Zschieren. Eingepfarrt war und ist Gamig nach Dohna in die Marienkirche. Im 16. Jahrhundert war das Rittergut im Besitz der Herren von Schönberg (Frauensteiner Linie). Sie ließen um 1575 das Schloss errichten. Im 17. Jahrhundert wechselten die Besitzverhältnisse häufig; zu den Gutsherren gehörten Angehörige der Geschlechter von Bärenstein, von Hofkirchen und von Hanau. Die Kapelle wurde 1656 eingeweiht.
Im Jahre 1664 kaufte der Geheimrat von Heinicke (Hünicke) das Rittergut, das bis 1720 in Familienbesitz blieb. Schon in dieser Zeit war der große, im Wesentliche noch existierende Baubestand des Gutes vorhanden. Es bestand damals aus dem zentral gelegenen Wohnhaus (heutiges Schloss), dem Brauhaus, diversen Ställen und Scheunen sowie der Kapelle. Ab 1720 unterstand das Gut für etwa ein Jahrhundert den Grafen von Bose (darunter Carl Graf Bose), ab etwa 1830 dann den Grafen von Vitzthum. Diese ließen das Rittergut umgestalten. In den Jahren 1834/1835 entwarf der Architekt Woldemar Hermann Planungen für den Schlossumbau auf dem Gut des Kammerherrn von Lüttichau. Unter Mitwirkung des durch die Dresdner Semperoper bekannten Architekten Gottfried Semper erfolgte in der gleichen Zeit der Ausbau des heute als Semperturm bezeichneten Wohnturmes. Das Schloss erhielt um 1840 ein spätklassizistisches Aussehen, die Kapelle romanisierende Anklänge. Auf Grundlage der Landgemeindeordnung von 1838 erlangte Bosewitz Selbständigkeit als Landgemeinde, zu der auch der Ortsteil Gamig zählte, das somit nie als Gemeinde eigenständig war.
Die Gutsblockflur, die den Gutsweiler umgab, hatte im Jahre 1842 eine Fläche von 173 Hektar. Im Jahre 1875 hatte Gamig 66 Einwohner, 1900 gab es zehn bewohnte Gebäude und 57 Einwohner. Um 1900 erwarb der Dresdner Fabrikant Höntsch das Gut, das bis zur Zwangsenteigung und Vertreibung durch die Kommunisten 1945 im Besitz von dessen Familie blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Gutes abgerissen; aus dem Rittergut wurde zunächst ein Versorgungsgut der Roten Armee, dann ein Volksgut. Als Teil der Gemeinde Bosewitz wurde Gamig am 1. Juli 1950 nach Gorknitz eingemeindet und zählte mit diesem ab 1952 zum Kreis Pirna. Das VEG Obstproduktion Borthen ließ 1980 die Innenräume und den Schlosspark umgestalten. Der Semperturm diente als Silo und nach einem Umbau ab 1985 als Wohnturm. Bis 1990 wurde das Gut Gamig landwirtschaftlich genutzt.
Die Erbengemeinschaft der Familie Höntsch trat nach der Wende von ihrem Rückübertragungsanspruch zurück. Im Jahre 1991 kaufte der Freistaat Sachsen die Gutsgebäude mit den etwa 170 Hektar umfassenden Ländereien und stellte den Komplex dem Verein Gut Gamig e. V. zur Verfügung. Dieser etablierte in Gamig eine Begegnungsstätte und Rehabilitationseinrichtung zur Behandlung psychisch kranker Menschen. Ende 1998 wurden die Stallgebäude abgerissen und neu errichtet. Am 1. Januar 1993 fusionierte die Gemeinde Gorknitz, zu der auch Gamig gehörte, mit Borthen und Röhrsdorf zur neuen Gemeinde Röhrsdorf. Seit deren Eingemeindung in die Stadt Dohna zum 1. Januar 1999 gehört Gamig zu Dohna. Das Gut wird heute ökologisch bewirtschaftet und erzeugt landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte. Eine alte Scheune dient heute als Vereins- und Werkstattgebäude. Außerdem gibt es im Gut das Renaissancehaus, einen Schafstall, die Kapelle sowie die sozialtherapeutische Wohnstätte „Haus an der Kapelle“.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Thomas Eichler
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.9616, 13.8417