SchlossHolle - Derneburg

Schloss Derneburg

Schloss Derneburg

Privatbesitz

Ursprünglich stand in Derneburg ein Herrenhof, den die Brüder Hermann und Heinrich von Assel von Burchard I. von Loccum zum Lehen hatten. Hermann ermordete 1130 seinen Lehnsherren. Daraufhin übergaben die Brüder Derneburg 1143 als Sühne dem Bistum Hildesheim mit der Maßgabe, ein Nonnenkloster zu gründen. Dies entstand wegen fehlender finanzieller Mittel erst 1213, als der Konvent der Augustiner-Nonnen von Holle nach Derneburg verlegt wurde. So entstand im castrum Sanctae virginis Derneburgense („befestigtes Haus der heiligen Jungfrau von Derneburg“) das Augustiner-Chorfrauenstift Derneburg.

In den darauf folgenden 10 Jahren erweiterte das Kloster seinen Besitz und fügte diesem unzählige Grundstücke und Zehntabgaben der umliegenden Dörfer hinzu. Auch übergab Bischof Konrad II. 1223 die Haupt- und Taufkirche St. Martin in Sottrum dem Propst des Derneburger Klosters. Eine Urkunde über die Inkorporation der Sottrumer Kirche in das Kloster ist nicht vorhanden. Bei einer Untersuchung auf dem Konzil von Basel im Jahre 1436, welche die Rechtmäßigkeit dieser Übertragung an das Kloster prüfen sollte, konnte der urkundliche Nachweis der Inkorporation nicht erbracht werden, da laut Angaben des Klosters die Urkunden verbrannt seien. Die Untersuchung muss jedoch letztlich zugunsten des Klosters ausgefallen sein, da sich im 16. Jahrhundert das gesamte Vermögen der Sottrumer Kirche im Besitz des Klosters befand.

Anfang des 14. Jahrhunderts verarmte das Kloster, und die klösterlichen Sitten wurden von den Schwestern immer weniger eingehalten. 1370 erfolgte eine Exkommunikation. Der Abt Heinrich Barnten aus dem Kloster Marienrode ließ 1443 kurzerhand das Kloster von den unfolgsamen Nonnen räumen und übergab die Ordenseinrichtung den Zisterziensern. Diese schickten Nonnen aus Kloster Wöltingerode nach Derneburg.

Im Jahr 1523 stellte sich die Klosterpfarrei St. Andreas im Rahmen der Hildesheimer Stiftsfehde unter den Schutz Erichs I. von Calenberg, weil immer wieder Plünderungen durch Reiter Herzog Heinrichs II. stattfanden. Kloster Derneburg - als Exklave Calenbergs - wurde deshalb erst 1543 durch die Kirchenvisitation der Markgräfin Elisabeth von Brandenburg, Fürstin von Calenberg-Göttingen, reformiert.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde das Kloster in ein lutherisches Jungfrauenstift umgewandelt, das sich bis ins 17. Jahrhundert im Besitz der Herzöge von Braunschweig befand. 1643, nach der Wiederherstellung des Bistums Hildesheim in Vorbereitung des Westfälischen Friedens, wurde das Kloster rekatholisiert und 1651 als Filiation von Zisterziensermönchen aus der rheinischen Abtei Altenberg unter Abt Jodokus Rebroik besiedelt. Durch mehrfache Plünderungen und Kontributionen während des Dreißigjährigen Krieges waren die Gebäude zerrüttet; die Mönche trafen noch drei alte Stiftsdamen an.

Die Zisterzienser begannen mit einer regen Bautätigkeit, ergriffen Maßnahmen zur Landschaftsverbesserung rund um den Klosterstandort und legten so den Grundstein für den noch heute sichtbaren Reichtum Derneburgs. Mit der erprobten, bis heute erkennbaren zisterziensischen Wasserbaukunst regulierten sie die Gewässer und gewannen Äcker und Weideland, die sie effektiv landwirtschaftlich bewirtschafteten. Sie erschlossen einen Sandsteinbruch, wo sie das Baumaterial für die Wirtschaftsgebäude und die im 18. Jahrhundert erneuerten Konventsgebäude gewannen. Von 1735 bis 1749 schufen die Zisterzienser die barocke Klosterkirche (Baumeister Johann Daniel Köppel) und die Gebäude der Domäne. 1803 wurde die Abtei säkularisiert.

Umbau zum Schloss

Durch Säkularisation lösten die Preußen 1803 das Kloster mit 14 Mönchen auf und machten es zu einer preußischen Staatsdomäne. Vier Jahre später besetzten französische Truppen das Gut und plünderten es. 1815 fiel Derneburg als Teil des Hochstifts Hildesheim nach dem Wiener Kongress an das welfische Königreich. König Georg III. schenkte das verwahrloste ehemalige Kloster Derneburg und dessen Grundbesitz dem hannoverschen Minister Graf Ernst zu Münster (1766–1839) als Dank für dessen Verhandlungserfolge beim Kongress. Sein Sohn Georg Herbert wandelte 1846–1848 das Klostergebäude in ein Schloss um. Die Gebäude bekamen im Zuge von Um- und Neubauten eine architektonische Gestaltung im englisch-gotischen Tudorstil, der in Niedersachsen ungewöhnlich war, aber der Vorstellungswelt des in London aufgewachsenen Grafen entsprach.

Mit Hilfe des hannoverschen Architekten Georg Ludwig Friedrich Laves entstanden schon unter Graf Ernst zu Münster rund um das Schloss ein englischer Landschaftsgarten und in Schlossnähe die Einrichtungen:

  • „Tee-Tempel“ (1830) (im Volksmund). Tempelartiges Bauwerk im antiken griechischen Stil mit dorischen Säulen als Aussichtspunkt des Grafen, früher mit Kaminzimmer.
  • Lavesbrücke (1838). 1992 rekonstruierte Fußgängerbrücke über die Nette mit dem „Lavesbalken“, einem Fischbauchträger unterhalb. Die Bauweise ermöglicht eine zierliche Brücke beim Überspannen längerer Strecken.
  • Mausoleum (1839). Als ägyptische Steilpyramide von elf Metern Höhe errichtet. Im Inneren befindet sich das von-Münstersche Familiengrab für den Bauherren und zahlreiche weitere Familienangehörige.
  • Turmruine bei Astenbeck, die früher Teil der Sichtachse zum Tee-Tempel war. Heute ist die Sichtachse durch den Baumbewuchs verdeckt, der Turm ist jedoch von der Bundesstraße B 6 aus zu sehen.

Heute

Während des Zweiten Weltkriegs war das Schloss ein Lazarett der Wehrmacht, nach dem Krieg ein Lazarett der britischen Rheinarmee. Im Schloss suchten nach dem Krieg viele Heimatvertriebene Zuflucht, so dass ein Flüchtlingslager entstand. Darin lebten in einem Altenbereich fünf Jahre lang rund 250 ältere Menschen. Daraus entstand das St. Josef-Heim der Caritas, das 1952 nach Hildesheim verlegt wurde, da der nach England geflohene Graf zu Münster seine Schlossräume zurückforderte.

1955 erwarb das Land Niedersachsen den Grundbesitz des Schlosses für den Betrieb der früheren benachbarten Schlossdomäne. Das Schloss blieb weiter im Besitz der Familie Münster, die es nach fünf Generationen durch Peter Graf zu Münster 1975 an den Künstler Georg Baselitz veräußerte. 2006 erwarb schließlich der US-amerikanische Broker und Kunstsammler Andrew J. Hall die Immobilie. Das Schloss ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Es befindet sich – nach einer umfassenden Renovierung unter der Leitung des Architekten Tammo Prinz – ebenso wie die staatliche Domäne in einem guten baulichen Zustand.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Jörg Heldt

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 52.0957, 10.1320