SchlossHerrnhut-Berthelsdorf

Schloss Berthelsdorf

Schloss Berthelsdorf

Kulturzentrum

Das Schloss Berthelsdorf bei Herrnhut geht zurück auf Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf. Der gottesfürchtige Mann gehörte einer niederösterreichischen Grafenfamilie an, die im 17. Jahrhundert auf Grund ihres evangelischen Glaubens nach Kursachsen konvertiert war. Hier heiratete sein Vater, Georg Ludwig, in zweite Ehe die Tochter des Landvogts der Oberlausitz, Charlotte Justine Freifrau von Gersdorff. Doch sein Vater verstarb früh. So wuchs der Graf bei seiner frommen Großmutter, Henriette Katharina von Gersdorff, geborene von Friesen, auf. Schon bald wurde der junge Zinzendorf vom Pietismus geprägt. Auf Bildungsreisen durch die Niederlande und Frankreich gewann er Freundschaften von Menschen anderer Konfessionen. Der Graf gehörte zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Pietismus im 18. Jahrhundert.

Obwohl Zinzendorf zur damaligen Zeit kaum über eigene finanzielle Mittel verfügte, verkaufte ihm seine Großmutter 1722 das Rittergut Mittelberthelsdorf. Mit knappen finanziellen Mittel versucht er, das heruntergekommene Rittergut in den nachfolgenden Jahren zu sanieren. Dabei baute er das Schloss zum Wohnhaus aus, nachdem es den Vorbesitzern lediglich als Verwaltungssitz diente. So ließ er die Wände im ersten Obergeschoss vom Fachwerk befreien und neu aufmauern. Im Innern blieb die Fachwerkkonstruktion jedoch erhalten. Auch der Einbau mehrerer Schornsteine fiel in diese Zeit. Schon ein Jahr später zog Zinzendorf mit seiner Ehefau Erdmuthe Dorothea Gräfin Reuß-Ebersdorf, die er im Jahr zuvor ehelichte, in das Herrenhaus ein.

Das Berthelsdorfer Schloss steht auf quadratischem Grundriss. Mit einfachen architektonischen Mitteln, wie Putzquaderungen an den Ecken und ein schlichtes, zentral angeordnetes Sandsteinportal, gelang es dem Bauherrn, seinem Herrenhaus einen vornehmen Eindruck zu verleihen. Das hohe Mansardendach wird durch drei Reihen Dachgauben belebt und unterstreicht damit den herrschaftlichen Eindruck. Im Innern teilt eine geräumige Diele das Erdgeschoss. Eine Holztreppe führt in die Wohnräume des Obergeschosses. Dem Schloss vorgelagert ist ein rechteckiger Gutshof.

Noch im Jahr 1722 nahm Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf auf seinem Rittergut eine kleine Gruppe evangelischer Glaubensflüchtlinge aus Mähren auf, die ständigen Verfolgungen ausgesetzt waren. Diese siedelten sich auf der Rittergutsflur nahe dem Hutberg bei Berthelsdorf an und stellten sich unter die Obhut des Herrn - Herrnhut entstand. Unter Zinzendorf fanden hier überzeugte Christen aus verschiedenen Konfessionen zu einer Lebens- und Glaubensgemeinschaft zusammen. Mit dem neuen lutherischen Pfarrer Andreas Rothe hielt er als theologischer Autodidakt Biebel- und Erbauungsstunden. Doch seine Aktivitäten erregten bald die Aufmerksamkeit der Behörden in Dresden - Zinzendorf wurde 1736 aus Sachsen ausgewiesen. Zuvor hatte er seinen Grundbesitz schon 1732 seiner Frau Erdmuthe Dorothea übertragen.

Rastlos zog Zinzendorf umher. Als Prediger bereiste er die deutschen Länder, England und Nordamerika. Im Jahre 1747 wurde ihm die Rückkehr nach Sachsen gestattet, aber erst 1755 - zwischenzeitlich zum Bischof geweiht - kehrte er endgültig nach Berthelsdorf zurück. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf starb im Mai 1760, kurz vor seinem 60. Geburtstag, in Herrnhut.

Das Schloss verblieb noch einige Zeit bei der Familie. Schließlich ging es in den Besitz der Herrnhuter Brüderunität über. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das Gut dann dem Remonteamt (Pferdezucht) der Deutschen Wehrmacht angegliedert. Die Brüderunität erhielt ihr Gut zwar nach dem 2. Weltkrieg wieder zurück, verlor es jedoch bald darauf im Zuge der Zwangsenteigung durch die Kommunisten. Als Volksgut "Thomas Müntzer" nutzte man die Gebäude bis 1990. Dann standen sie leer. Erst mit der Übernahme durch den "Freundeskreis Zinzendorf-Schloss Berthelsdorf e.V." 2001 kehrte wieder Leben ein.

Das mittlerweile aufwändig sanierte Schloss wird im Sinne Zinzendorfs genutzt und bietet u. a. Führungen, Ausstellungen zu Glaubensfragen, geistliche Konzerte und eine Begegnungsstätte.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berthelsdorfer_Schloss_Restaurierung.jpg?uselang=de

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 51.0270, 14.7602