Museum
Schloss Aschach
Das Schloss Aschach steht im unterfränkischen Aschach, einem Ortsteil des Marktes Bad Bocklet, im bayerischen Landkreis Bad Kissingen.
Der Bau des Schlosses, das ursprünglich als Burg konzipiert war, begann im Jahr 1165 unter dem Henneberger Poppo VI. und wurde nach seinem Tod von seinem Sohn Poppo VII. fortgesetzt. Nach dessen Tod im Jahr 1245 ging das Anwesen an seinen Neffen Heinrich. Nach dessen Tod im Jahr 1274 teilten seine drei Söhne ihr Erbe in die Linien Aschach, Hartenburg und Schleusingen auf.
Im 14. Jahrhundert wurde das Schloss Aschach auf Grund der finanziellen Notlage der Henneberger um 20.000 Gulden verpfändet und im Jahr 1391, als die Auslösung scheiterte, an den Gläubiger Dietrich von Bibra verkauft. Im Jahr 1401 wurde das Schloss vom Würzburger Fürstbischof Johann I. von Egloffstein erworben, der es ab 1409 drei Jahre lang an Hildebrandt von Thüngen verpfändete. Unter Johanns Nachfolger ging das Schloss für einen Kaufpreis von 24.000 Gulden an Graf Georg von Henneberg. Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg nutzte das damit verbundene Rückkaufsrecht und brachte das Schloss Aschach wieder in fürstbischöflichen Besitz, in dem es für die folgenden 300 Jahre blieb.
Schloss Aschach als Residenz der Würzburger Fürstbischöfe
Zerstörung im Bauernaufstand von 1525
Im Jahr 1525 wurde das Schloss Aschach im Zuge des Bauernaufstandes von 1525 von den Bauern besetzt und in Brand gesteckt. Schlossherr Eiring von Rotenhan, der Amtsmann von Aschach, wurde nach Schweinfurt verschleppt. Nach Niederschlagung des Aufstandes führte Fürstbischof Konrad II. von Thüngen ein Strafgericht im gesamten Hochstift Würzburg durch. Mehr als 400 Untertanen des Amtes Aschach wurden mit Geldbußen belegt sowie die Bauern von Trimberg zum Wiederaufbau der Burgen Aschach, Botenlaube und Trimberg verpflichtet. Im Fall des Schlosses Aschach war der Wiederaufbau im Jahr 1527 vollendet, wovon ein Wappen aus dem Jahr 1530 an der Hoffront des Schlosses berichtet.
In der Folgezeit übernachteten regelmäßig Würzburger Fürstbischöfe während ihrer Reisen auf dem Schloss Aschach. Ab 1542 war das Schloss zwei Jahre lang Amtssitz des Fürstbischofs Konrad III. von Bibra, als dieser vor einem Massensterben in Würzburg floh.
Erneute Zerstörung im Markgräflerkrieg
Im November 1553 wurde das Schloss Aschach im von Albrecht II. Alcibiades initiierten Markgräflerkrieg durch Brandstiftung in den Kampfhandlungen zerstört. Nach 20 Jahren war der Neubau des Schlosses unter Fürstbischof Friedrich von Wirsberg vollendet. Beim Wiederaufbau bekam das Schloss seine heutige Gestalt.
In der Folgezeit wurde das Schloss regelmäßig von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn aufgesucht, der dort auch seine Kuraufenthalte verbrachte. Im Jahr 1575 bekam er von einer Deputation der Schweinfurter Bürgschaft einen 180 Pfund schweren Stör geschenkt, der kurz zuvor im Main gefangen worden war und von dem der Fürstbischof ein Konterfei anfertigen und über der Tür zur Hofküche anbringen ließ. Im Schloss traf Julius Echter auch regelmäßig seinen Bruder Valentin Echter von Mespelbrunn, der 45 Jahre lang die ihm vom Fürstbischof verliehenen Ämter Aschach und Kissingen verwaltete.
Schloss Aschach im Dreißigjährigen Krieg
Im Oktober 1631 wurde das Hochstift Würzburg während des Dreißigjährigen Krieges vom schwedischen König Gustav II. Adolf erobert, der das Schloss Aschach an seinen Oberst Graf Brandenstein verschenkte. Im Jahr 1633 verloren die Schweden das Hochstift Würzburg und damit das Schloss wieder an die kaiserlichen Truppen. In der Zeit nach dem Krieg veranstalteten die Fürstbischöfe diverse gesellschaftliche Ereignisse auf dem Schloss und nahmen kleine Umbauarbeiten vor. So wurde beispielsweise die enge und alte Wendeltreppe am Portal durch eine geräumige Freitreppe ersetzt. Durch das von Balthasar Neumann unter Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim errichtete Sommerschloss Werneck einerseits und durch die europaweiten Wirren der Französischen Revolution andererseits verlor das Schloss Aschach im Lauf der Zeit seinen Status als fürstbischöfliche Residenz.
Schloss Aschach unter der Fabrikantenfamilie Sattler
Nachdem durch die Säkularisation von 1803 viele Bauwerke, die in Besitz des bayerischen Königs kamen, ihre sakrale Funktion verloren hatten und daraufhin veräußert oder abgerissen wurden, wurde das Schloss Aschach im Jahr 1829 für 5.000 Gulden an den Schweinfurter Industriellen Wilhelm Sattler verkauft, der die Einrichtung einer Steingut- oder Englisch-Porzellan-Fabrik in dem Anwesen plante. Das Finanzministerium befürwortete dieses Vorhaben zur Förderung der Rhöner Industrie und bat König Ludwig I. erfolgreich um den Verkauf des Schlosses an Sattler. Ihm wurde vom kunstverständigen König lediglich zur Auflage gemacht, das Äußere des Schlosses nicht zu verändern. Wilhelm Sattler wurde in der Leitung der Porzellanfabrik von seiner Ehefrau, der gelernten Malerin Katharina Sattler geb. Geiger, unterstützt, die die Geschäftsbücher führte und die Porzellanprodukte künstlerisch gestaltete. In diesem Zusammenhang entwarf sie zahlreiche Veduten von Aschach und Umgebung.
Die Umsätze gingen jedoch auf Grund der Konkurrenz billigerer Massenartikel aus England stetig zurück, so dass im Jahr 1860, ein Jahr nach Sattlers Tod, der Betrieb stillgelegt und das Inventar versteigert wurde. Zunächst hatte Fichtel aus Schweinfurt, einer von Sattlers Schwiegersöhnen und Erben, eine Spinnereifabrik im Schloss Aschach einrichten wollen, ließ dann aber seinem Schwager Anton Sattler den Vortritt, der eine Wiederherstellung des Schlosses im „ursprünglichen Stile“ vornahm und eine umfangreiche Kunstsammlung anlegte. Aus unbekannten Gründen versteigerte Anton Sattler bereits 1868 die Kunstsammlung und das Inventar des Schlosses und verkaufte das Schloss drei Jahre später an seinen Bruder Ernst Sattler aus Coburg für 32.000 Gulden.
Schloss Aschach unter Friedrich von Luxburg
Im Frühjahr 1873 fand sich schließlich in Friedrich von Luxburg, dem königlich-bayerischen Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg, für einen Kaufpreis von 72.000 Goldmark sowie weitere 56.000 Goldmark für Umbau, Wiederherstellung und Einrichtung, ein neuer Eigentümer für das Schloss Aschach. Er engagierte sich mit der Unterstützung von Jens Sattler, einem Sohn von Walter Sattler, für eine künstlerische Erneuerung des Schlosses, die vom Würzburger Stadtbaumeister Scherpf durchgeführt wurde. Auch unter Graf von Luxburg entstand, unterstützt vom Kissinger Kunstsammler Karl Streit, im Schloss Aschach eine umfangreiche Kunstsammlung. Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck stattete zwischen 1876 und 1893 fast jedes Jahr während seiner Kuraufenthalte, die er in der Oberen Saline in Hausen (heute Stadtteil von Bad Kissingen) verbrachte, dem Schloss Aschach einen Besuch ab und verbrachte dort den einen oder anderen Mittagsschlaf. Bismarck fand in Graf Luxburg, einem ehemaligen Mitglied des Reichstages, einen guten Gesprächspartner.
Nach dem Tod von Graf Luxburg im Jahr 1905 kümmerten sich sein zweiter Sohn, Karl von Luxburg, und dessen Ehefrau Carola um das Schloss Aschach und dessen Kunstsammlung. Während des Zweiten Weltkrieges – Karl Graf von Luxburg und seine Ehefrau hielten sich zu Kriegsbeginn im Jahr 1939 in den Vereinigten Staaten auf und konnten kriegsbedingt erst 1949 zurückkehren – beherbergte das Schloss mehrere hundert US-Soldaten und wurde gegen Kriegsende vorübergehend zum Hauptquartier von Feldmarschall Ewald von Kleist. Die Bausubstanz des Schlosses überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden.
Die Museen Schloss Aschach
Graf-Luxburg-Museum
Im Jahr 1955 beschloss der inzwischen 84-jährige Karl Graf von Luxburg, der keine direkten Nachkommen hatte, das Schloss Aschach mit seinem gesamten Inventar und allen Grundstücken dem Bezirk Unterfranken zu schenken. Mit dem am 14. November 1955 vollzogenen Eigentümerwechsel verpflichtete sich der Bezirk Unterfranken, das Schloss sowie dessen Kunstsammlung für die Nachwelt zu erhalten sowie der Allgemeinheit zu kulturellen und repräsentativen Zwecken zugänglich zu machen. Nach Luxburgs Tod im Jahr 1956 wurde das Schloss unter der Leitung des damaligen Direktors des Mainfränkischen Museums, Max Hermann von Freeden, behutsam zum Schlossmuseum umfunktioniert, das im Juni 1957 eröffnet wurde. Den Besuchern präsentieren sich seitdem 36, mit Möbeln und Kunstgegenständen ausgestattete Räume, deren familiärer Charakter gewahrt blieb. Zu den herausragenden Exponaten gehören u.a. die ostasiatische Sammlung und die Gemälde Judith mit dem Haupt des Helofernes von Lucas Cranach dem Älteren sowie Taufe Christi von Michael Wohlgemut.
Schulmuseum
Seit 1982 ist im ehemaligen Försterhaus auf dem Schlossgelände das Schulmuseum untergebracht. Das Material dafür wurde bereits seit 1972, hauptsächlich vom ehemaligen Einklasslehrer und späteren Rektor Rudolf Erben, zusammengetragen. Hauptattraktion ist der Schulsaal mit seiner Einrichtung aus der Zeit zwischen 1850 und 1900. Dazu kommen eine umfangreiche Sammlung alter Wandbilder und Landkarten sowie Utensilien für den Lese-, Schreib- und Rechenunterricht. Diese und zahlreiche weitere Exponate tragen dazu bei, der Nachwelt das Bild der alten Landschule zu erhalten.
Volkskundemuseum
Seit 1984 beherbergt das Gelände von Schloss Aschach auch ein Volkskundemuseum. Es befindet sich in der barocken Zehntscheune und in der Museumsscheune, bei der es sich um einen Fachwerkneubau handelt. Im Eingangsbereich der Zehntscheune wird der Besucher vom Mobiliar und von Verkaufsgegenständen eines alten Dorfladens empfangen. Danach trifft er im Erdgeschoss auf landwirtschaftliches Gerät, wie es im Laufe eines Jahres auf den Bauernhöfen Verwendung fand. Im Obergeschoss schließlich wird man mit der Wohnsituation der ländlichen Bevölkerung in früheren Zeiten konfrontiert. Zu guter Letzt kann man sich dann im Erdgeschoss der Museumsscheune über die Entwicklung moderner Landtechnik in der jüngeren Vergangenheit informieren und im Obergeschoss Sonderausstellungen zu wechselnden Themen besuchen.
Eigentümer und Besitzer des Schlosses+
Eigentümer und Besitzer des Schlosses Aschach von 1165 bis zur Gegenwart
- 1165 – 1391 Die Grafen von Henneberg
- 1391 – 1407 Die Herren von Bibra
- 1407 – 1409 Die Bischöfe von Würzburg
- 1409 – 1412 Die Herren von Thüngen
- 1412 – 1434 Die Bischöfe von Würzburg
- 1434 – 1491 Die Grafen von Henneberg
- 1491 – 1631 Die Bischöfe von Würzburg
- 1631 – 1632 Gustav II. Adolf, König von Schweden
- 1632 – 1634 Der Graf von Brandenstein
- 1634 – 1802 Die Bischöfe von Würzburg
- 1802 – 1805 Der Kurfürst von Kurpfalz-Bayern
- 1805 – 1814 Der Kurfürst, nachm. Großherzog von Würzburg
- 1814 – 1829 Die Könige von Bayern
- 1829 – 1873 Die Familie Sattler
- 1873 – 1955 Die Grafen von Luxburg
- Seit 1955 Der Bezirk Unterfranken
Nimm Mobile Geschichte mit auf die Reise
Diesen Text liest du gerade kostenlos. Mit Premium kommt dazu, was unterwegs zählt: Beschreibungen vorlesen lassen, Objekte durch die Kamera finden, Regionen offline mitnehmen.
- Alle Beschreibungstexte, auch die der ~17.700 Premium-Objekte
- Audio-Guide: Beschreibungen unterwegs vorlesen lassen
- AR-Sucher: Objekte durch die Kamera sehen, mit Entfernung und Richtung
- Unbegrenzte Merkliste
14 Tage kostenlos testen, danach ab 2,99 € im Monat. Jederzeit kündbar.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Jörg Heldt
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.2544, 10.0620