Die Ruine kann besichtigt werden
Ruine Freienstein (Gammelsbach)

Die Burg Freienstein ist eine Burgruine bei Beerfelden hoch über dem Stadtteil Gammelsbach im Odenwaldkreis.
Die Burg lag in strategisch günstiger Position in Spornlage oberhalb des Gammelsbachs, eines Nebenflusses des Neckar. Durch das an dieser Stelle recht enge Tal verläuft heute noch mit der B 45 eine der wichtigsten regionalen Verkehrsverbindungen, die Burg Freienstein kontrollierte einst diese Route vom Neckargebiet nach Norden und in das Maintal. Gleichzeitig markierte sie den südlichsten Punkt des Erbacher Besitzes. Der Bergvorsprung, auf dem sich die Burg befindet, gehört zum Weckberg als Teil der Hirschhorner Höhe, eines annähernd in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Höhenrückens.
Das „Schloss Freienstein“ wurde 1297 erstmalig erwähnt. Ungeklärt sind die Erbauer der Burg. Sie dürfte in Folge der Auflösung der Reichsabtei Lorsch, in der Dreiecksbeziehung zwischen den Pfalzgrafen, den Schenken von Erbach und Kurmainz entstanden sein.
Verschiedene Indizien an der noch vorhandenen Bausubstanz deuten ebenfalls in diese Zeit. Zwei erhaltene, aber vermauerte gotische Spitzbogenfenster dürften der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehören. Weiterhin lässt sich in einer frühen Bauphase anstelle der späteren Schildmauer ein mächtiger Wohnturm rekonstruieren, der als Donjon anzusprechen ist.
Bereits seit 1280 sind die Herren von Freienstein belegt und später als Erbacher Burgmannen in der Burg nachgewiesen. Weiterhin sind die Echter, von Schöllenbach und möglicherweise die von Hochhausen zu erschließen, die als Ministeriale im Umfeld der Grafschaft Erbach häufiger anzutreffen sind.
In späterer Zeit diente sie den Erbacher Grafen zur Sicherung ihrer südlichen Herrschaftsgrenze, Überwachung des Verkehrs im Gammelsbachtal und als Sitz des Amtes Freienstein. Die Burg verblieb bis zu deren Aussterben im Jahr 1503 im ungeteilten Besitz der Erbacher Linie der Schenken, während die umliegende Zent Beerfelden sich im gemeinsamen Besitz der Erbacher Linie und der Linie Reichenberg-Fürstenau befand.
Mit dem Ende des Mittelalters war die Burg als Wehranlage nicht mehr zeitgemäß. Um 1550 folgte ein Umbau, der nun durch die gedrungenen Wohnbauten eher den repräsentativen Charakter der Anlage betonte. Die Burg wurde von den Erbacher Grafen zu gelegentlichen Jagdaufenthalten und als Nebenresidenz genutzt. Ab der Zeit des Dreißigjährigen Krieg begann die Anlage zu verfallen und wurde nur noch notdürftig instand gehalten. Trotzdem wurde sie im Mai 1622 von bayerischer Kavallerie geplündert. Eine Ansicht von 1629 zeigt sie noch in einigermaßen intaktem Zustand. Mit der Erbacher Erbteilung 1717 kam sie in den Besitz der Linie Erbach-Fürstenau, die auch heute noch Besitzer der Burg ist.
Ein Brand in Gammelsbach im Jahr 1810 veranlasste den Grafen Albert zu Erbach-Fürstenau, der Bevölkerung die Ziegel und das Bauholz aus der Burg zur Verfügung zu stellen. Seitdem konnte Wasser in das Sandsteinmauerwerk eindringen und es nachhaltig schädigen. Um 1890 wurde die Schildmauer mit einem Zuganker gesichert und 1938 um drei Meter abgetragen. Weitere Sicherungsmaßnahmen erfolgten 1906–14, dennoch stürzte die Mauer 1988 größtenteils ein, während die weitere Sicherung begonnen worden war, so dass sie das bereits aufgestellte Gerüst mit sich riss. 1990–94 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Außenmauern.
Anlage+
Besonders markant an der Burg Freienstein ist neben der Lage als Sperre des Gammelsbachtales zum Neckar hin die kompakte Bebauung der Kernburg und die ehemals vorhandene Schildmauer, welche die Kernburg vor Beschuss vom höher liegenden Berg aus schützen sollte. Obwohl sie größtenteils eingestürzt ist, sind noch bis zu 24 m hohe und 2,50 m dicke Reste zu sehen. Anstelle eines Bergfrieds erfüllte eine Wehrplattform auf der Schildmauer die Funktion des höchsten Turms, wie aus einer Ansicht von Eberhard Kieser aus dem Jahr 1629 hervorgeht.
Die Schildmauer entstand vermutlich nach einem Einsturz als Rest des ehemaligen Donjons unter Einbeziehung der drei Außenmauern. Die frühere Gestalt der Kernburg war mit drei Wohntürmen (Schildmauer sowie der kleinere Kapellenbau und ein Vorgängerbau des Palas) ungewöhnlich und entstand vermutlich aus dem Bedürfnis, klar abgegrenzten Wohnraum für die verschiedenen Burgmannenfamilien zu schaffen.
Der Bergsporn wurde im Westen durch einen tiefen Halsgraben und einen Zwinger von dem Höhenzug getrennt. An der Talseite befand sich eine doppelte Zwingeranlage mit Halbschalentürmen, ein größerer Rundturm könnte als Kerker gedient haben. Der Zugang befand sich an der Nordseite, ist aber nicht mehr zu sehen, da die Toranlage 1887 eingestürzt ist. Im Torbereich des Zwingers befanden sich einige Nebengebäude, von denen nichts sichtbar ist.
Links vom ehemaligen Zugang befindet sich der turmartige Palas auf fast quadratischem Grundriss. Im Mauerwerk sind noch Teile des 13. Jahrhunderts enthalten. Von den Gebäuden der Kernburg, neben dem Palas der ehemals vierstöckige Saalbau an der Südwestseite wohl an Stelle eines früheren Wohnturms und der Südostbau (vereinzelt auch Kapellenbau) sind nur noch Außenmauern sowie Fenster und Wandnischen erhalten, die größtenteils dem 16. Jahrhundert entstammen.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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