Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden
Römisches Kastell (Ostkastell) Neckarburken

Die römischen Kastelle von Neckarburken befinden sich auf dem Gebiet der gleichnamigen Ortschaft Neckarburken, einem Ortsteil der Gemeinde Elztal im Neckar-Odenwald-Kreis. Auch wenn in der Literatur und auf diversen Webseiten des Öfteren von dem (einen) Kastell Neckarburken die Rede ist, handelt es sich gleichwohl um zwei verschiedene und räumlich getrennte Kastelle derselben Zeitstellung, das Westkastell und das Ostkastell. Beide gehören zur älteren Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes und waren von etwa dem Jahr 100 unserer Zeitrechnung bis spätestens 159 belegt, das Ostkastell möglicherweise etwas länger.
Ein Vicus befand sich zwischen den zwei Kastellen bzw. westlich des Kohortenkastells. Von ihm ist heute nichts mehr zu sehen. Die Gräberfelder konnten bislang nicht sicher lokalisiert werden.
Forschungsgeschichte+
Die Pioniere der Archäologie und Altertumsforschung wie Karl Wilhelmi hatten schon früh ein Kastell in Neckarburken vermuteten. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war eine überdurchschnittliche Häufung von Oberflächenfunden römischer Provenienz im Bereich des Ortes Neckarburken aufgefallen. 1808 waren ein von den Schreibern der Kohorte für Minerva und den Kaiser errichteter Weihestein sowie silberne Münzen gefunden worden. 1810 war umfangreiches römisches Mauerwerk zu Tage getreten, von der unwissenden Bevölkerung in Stücke zerschlagen und in der Elz „entsorgt“ worden. 1850 wurde ein Relief mit einer geflügelten, nackten, weiblichen Figur gefunden. Erste Ausgrabungen wurden 1881 am Ostkastell durch den Mannheimer Altertumsverein durchgeführt. Systematische Untersuchungen beider Kastelle erfolgten durch die Reichs-Limes-Kommission zwischen 1892 und 1894. Weitere archäologische Aktivitäten fanden, oft als Notgrabungen im Zusammenhang mit städte- oder straßenbaulichen Maßnahmen, im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.
Ostkastell (Numeruskastell)+
Kastell
Beim Ostkastell von Neckarburken handelt es sich um ein etwa 6400 m² großes, dreitoriges Numeruskastell in Form eines unregelmäßigen Vierecks. Die Porta Praetoria war nach Norden auf die Elz hin ausgerichtet. Die ältesten Befunde sprechen für eine Erbauung des Kastells in trajanischer Zeit. Es dürfte alle für die Numeruslager des Odenwaldlimes typischen Bauphasen durchlaufen haben, wie sie beispielsweise auch für die Kastelle Würzberg und Hesselbach nachgewiesen wurden. Auf die Zeit zwischen 145 und 161 datierbar ist eine Bauinschrift der Porta Principalis Sinistra (Osttor), mit der ein dort stationierte Numerus, der Numerus Brittonum Elantiensium (Numerus der Elzbrittonen) sicher nachgewiesen ist. Möglicherweise war auch nach der Verschiebung des Limes um das Jahr 159 das Numeruskastell Neckarburken noch einige Zeit weiter belegt und erfüllte logistische Funktionen im Hinterland der Grenze. Nach der Auflassung des Kastells wurde ein Zivilgebäude, wohl eine Villa Rustica in das Areal gesetzt.
Das Westtor des Neckarburkener Ostkastells ist konserviert und kann, unmittelbar an der B27 liegend, besichtigt werden.
Kastellbad
Etwa 70 m nordwestlich der NW-Ecke des Numeruskastells befindet sich das zugehörige Kastellbad. Es wurde erst 1982 bei Kanalbauarbeiten entdeckt. Das Bad erfuhr unter der Bauaufsicht des damaligen Centurios der Elzbrittonen, Veranius Saturninus, noch im Jahre 158 eine erhebliche Erweiterung, was für eine militärische Nutzung des Kastells über das Jahr 159 hinaus sprechen könnte. Von dem Badegebäude ist nichts mehr im Gelände zu erkennen.
Zusammenhang+
Die Kombination von zwei Lagern, einem größeren mit einer Kohorte oder Ala und einem kleinerem mit einem Numerus oder einer Exploratio, ist kein Einzelfall an den deutschen Limites. Ähnliche Kombinationen gibt es beispielsweise in Murrhardt und Osterburken. Während die größeren Auxiliareinheiten ja auch Bestandteil des römischen Bewegungsheeres waren und sich somit während der Dauer von Feldzügen gegebenenfalls anderenorts aufhielten, standen die kleineren Numeruseinheiten dauerhaft vor Ort, so dass auch in Kriegszeiten eine permanente Überwachung des Limes gewährleistet war.
Museum am Odenwaldlimes+
Im ehemaligen Rathaus von Neckarburken ist das Museum am Odenwaldlimes untergebracht. Neben der Informationen und Fundstücken zur allgemeinen Geschichte des Odenwaldlimes sind hier natürlich auch die Neckarburkener Kastelle präsentiert. Das kleine Museum ist nur zwischen April und Oktober, sonntäglich nachmittags geöffnet. Besucher des Museums haben auch die Möglichkeit, die benachbarte Kirche zu besichtigen.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:ORL53_Kastell_Neckarburken_6.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
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