Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden
Römisches Kastell Kleiner Feldberg
Das ehemalige römische Kastell Kleiner Feldberg, in der Literatur zumeist auch nur Feldbergkastell oder Kastell Feldberg genannt, liegt am Nordhang der zweithöchsten Erhebung im Taunus, dem Kleinen Feldberg, und in der Nähe der Weil-Quelle. Das Limes-Kastell befindet sich im Hochtaunuskreis unterhalb der Hochtaunusstraße mit seiner Nordmauer auf der Grenze zwischen Glashütten und dem Schmittener Ortsteil Niederreifenberg. Mit seiner Höhenlage von mehr als 700 Metern über dem Meeresspiegel ist es das höchstgelegene Kastell am gesamten Obergermanisch-Raetischen Limes.
Unter den Bewohnern der Region waren die Überreste des Kastellbads bereits vor dem Beginn der wissenschaftlichen Erforschung bekannt und wurden „Heidenkirche“ genannt. Spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie als römische Baureste identifiziert. Erste archäologische Ausgrabungen am Feldbergkastell fanden kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts statt, systematische wissenschaftliche Untersuchungen folgten ab 1892, zunächst durch die Reichs-Limes-Kommission, später durch das Saalburgmuseum.
Zuletzt wurde das Kastell in den Jahren 2004/2005 vor dem Hintergrund der damals zu erwartenden und inzwischen erfolgten Anerkennung des Limes als UNESCO-Weltkulturerbe umfassend restauriert.
Das Feldbergkastell wurde um das Jahr 150 unserer Zeitrechnung erbaut. Darauf weisen die Kleinfunde und die Dendrodatierung einer Quellfassung im Vicus hin. Die Münzreihe weist ein erstes Maximum um 160 n. Chr. auf.
Das Kastell diente einem Numerus, einer Auxiliartruppen-Einheit von etwa 160 Mann, als Unterkunft. Hierbei handelte es sich um die teilberittene Exploratio Halicanensium („Aufklärungseinheit aus Halicanum“), die vermutlich in dem pannonischen Ort Halicanum, dem heutigen Dorf Szerdahely in Ungarn, rekrutiert worden war. Sie hatte die Aufgabe, den benachbarten Feldbergpass am Roten Kreuz (688 m ü. NN) zu sichern, einen alten Straßenübergang über den Taunus. Der Verlauf des Limes kreuzte etwa einen Kilometer westlich des Kastells die Straße. Das Kastell wurde jedoch aus Gründen der Wasserversorgung nicht direkt an der Passstraße, sondern nahe der Quelle der Weil errichtet. Eine längs des Limes verlaufende Handelsstraße führte in Nordost-Südwest-Richtung quer durch das Kastell, das so auch den Verkehr auf dieser Verbindung kontrollierte.
Das Kastell am kleinen Feldberg bestand bis in die Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts (Limesfall).
Befunde+
Das rechteckige Kastell besaß mit den Abmessungen von 78 mal 93 Metern eine Größe von gut 0,7 Hektar. Die Wehrmauer wurde aus unregelmäßigen, vermörtelten Quadersteinen errichtet und danach verputzt sowie mit einem roten Scheinfugenanstrich versehen. Die Mauer war von einem einfachen Spitzgraben umgeben, alle vier abgerundeten Ecken der Mauer waren mit Wachtürmen besetzt. Innen befand sich an der Mauer der agger, ein aufgeschütteter Erdwall, der als Wehrgang diente. Das Lager war mit der Porta praetoria (Haupttor) nach Nordwesten hin ausgerichtet, wo in ungefähr 100 m Entfernung der Limes das Lager passiert. Alle vier Tore waren mit Doppeltürmen bewehrt.
Das Feldbergkastell umschloss innerhalb des Festungsviereckes einige gemauerte Gebäude, darunter das Fahnenheiligtum (Aedes) der zentral angelegten Principia (Stabsgebäude) und ein Horreum (Getreidespeicher) im Westen sowie ein weiteres Steingebäude östlich des Stabsgebäudes, das möglicherweise als Praetorium (Kommandantenwohnhaus) anzusprechen ist. Die meisten Bauten des Lagerinneren bestanden jedoch aus Holz- und Fachwerkbauten und sind nicht mehr erhalten. Die Mannschaften waren in einem solchen Bau im Südviertel untergebracht, verschiedene Werkstätten und Stallungen im Nordviertel. Weitere Fundamente entlang der Querstraße könnten zum Terrassieren des abfallenden Geländes gedient haben. Darüber hinaus waren Brunnen und Zisternen vorhanden. Aus dem Kastellareal stammen Haarfragmente einer Großbronze, welche in die Zeit um 230 n. Chr. datieren.
Außerhalb des eigentlichen Kastells in Richtung zum Limes befand sich das Kastellbad. Die Grundmauern dieses Balineums wurden im Rahmen der 2004/2005 durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen wiederhergestellt. Die Wasserversorgung der Soldatentherme erfolgte durch Holzröhrenleitungen, die durch Deuchelringe nachgewiesen werden konnten, aus der in der Nähe entspringenden Weilquelle.
Der zum Kastell gehörende Vicus (Zivilsiedlung) mit den Familienangehörigen der Soldaten sowie romanisierten Einheimischen befand sich in zwei getrennten Siedlungskernen südwestlich und südöstlich des Wehrbaus an den von den jeweiligen Toren ausgehenden Straßen. Er bestand vor allem aus lang gestreckten und dicht aneinander gebauten Häusern. Ackerbau war wegen der ungünstigen Klima- und Bodenbedingungen in dieser Gegend nicht möglich. Neben handwerklichen Dienstleistungen für das Kastell betrieben die Bewohner wohl vor allem Handel, Viehzucht, Jagd und Holzfällerei. Heute sind keine Überreste des Vicus mehr zu sehen. Ein Gräberfeld konnte südwestlich des Kastells lokalisiert werden.
Umgebung+
Der Limes hat sich vom Kastell Kleiner Feldberg bis zur benachbarten Saalburg im Osten durch seine abseitige Lage in den Wäldern des Taunus sehr gut erhalten können, auf vielen Kilometern kann dem Verlauf von Wall und Graben gefolgt werden. Hier befinden sich auch noch einige kleinere Limesbauwerke, die teilweise in ihren Fundamenten konserviert wurden, zumindest aber im Gelände wahrnehmbar sind. Darunter ist auch das Kleinkastell Altes Jagdhaus, ein eintoriges Steinkastell aus der Mitte des 2. Jahrhunderts von etwa 630 Quadratmetern Größe.
Die Quelle der Weil liegt 200 m südöstlich des Kastells aufwärts im Fichtenwald. Das Relikt einer vor Ort gefundenen hölzernen Wasserleitung (Deuchel) wurde mittels Dendrochronologie auf etwa 170 n. Chr. datiert.
Die Römer erreichten das Limeskastell über die Feldbergstraße, den so genannten Pflasterweg, eine Verbindung über den Taunuskamm zum Fuchstanz, am Altkönig-Hang vorbei (Haderweg) über die Hünerwiese und dann über die Stierstädter Gemarkung nach Niederursel zur Saalburgstraße, die das römische Nida am Nordtor verließ.
Die als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Reifenberger Wiesen nordwestlich des Kastells sind die höchstgelegenen ihrer Art im Taunus. Hier lagen zur Römerzeit die Weiden zur Versorgung des Vicus. Heute bilden sie Lebensräume für 183 verschiedene Nutz-, Heil- und Blütenpflanzen sowie Farne. Typische Gewächse sind die ursprünglich im Mittelmeerraum beheimateten Kreuzblumen und Sonnenröschen, an Feuchtstellen Ohrweide und Karpatenbirke; im Frühsommer dominiert das Gelb von Flügelginster und Arnika. Vom Wanderweg zwischen Feldbergkastell und Parkplatz Rotes Kreuz öffnet sich über diese Wiesen hinweg ein weiter Ausblick auf Oberreifenberg mit seiner Burgruine.
Grundmauern einer Glashütte aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stehen etwa 1 km steil bergab südöstlich des Passes auf dem Talboden des Emsbaches. Auf dem 300 m² großen Areal befanden sich den Ausgrabungsbefunden zufolge ein Haupt- und vier Nebenöfen als gemauerte Kuppelbauten. Hergestellt wurde für das Mittelalter typisches, wegen seines Eisenoxidgehalts grünes Gebrauchsglas, das auf Grund seiner Produktionsbedingungen Waldglas genannt wird. Im Ortsnamen des von hier aus nur noch 1,5 km entfernten Glashütten ist diese wirtschaftshistorische Komponente noch erhalten.
Nimm Mobile Geschichte mit auf die Reise
Diesen Text liest du gerade kostenlos. Mit Premium kommt dazu, was unterwegs zählt: Beschreibungen vorlesen lassen, Objekte durch die Kamera finden, Regionen offline mitnehmen.
- Alle Beschreibungstexte, auch die der ~17.700 Premium-Objekte
- Audio-Guide: Beschreibungen unterwegs vorlesen lassen
- AR-Sucher: Objekte durch die Kamera sehen, mit Entfernung und Richtung
- Unbegrenzte Merkliste
14 Tage kostenlos testen, danach ab 2,99 € im Monat. Jederzeit kündbar.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:FeldbergKastellPortaDecumanaRestauriert.JPG
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.2272, 8.4447