Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden
Römisches Kastell Holzhausen

Das Kastell Holzhausen ist ein ehemaliges römisches Grenzkastell des Obergermanischen Limes, der seit 2005 den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes besitzt. Das frühere Kohortenkastell liegt heute als Bodendenkmal in den Wäldern von Holzhausen an der Haide (Verbandsgemeinde Nastätten), einer Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis. Es zählt zu den am besten erhaltenen Limeskastellen Deutschlands.
In der heutigen Topographie befindet sich das Bodendenkmal nördlich der Bundesstraße 260, der so genannten „Bäderstraße Taunus“, zwischen Holzhausen an der Haide (Rheinland-Pfalz) und Laufenselden (Hessen) in einem weitläufigen Waldgebiet. Dort liegt es auf durchschnittlich 495 Höhenmetern am nordwestlichen Hang des Grauen Kopfs, des mit 543,4 m ü. NN zweithöchsten Berges im westlichen Hintertaunus.
Im Limesverlauf ist die Fortifikation von Holzhausen das südlichste und letzte Kastell auf dem Gebiet des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Die Grenze zu Hessen verläuft in nur gut 120 m nordöstlicher Entfernung. Schon der nächstfolgende Wachturm (Wp 2/35) befindet sich auf hessischem Gebiet.
Forschungsgeschichte+
Dank ihrer abgeschiedenen Lage blieben die Ruinen des Kastells lange Zeit unberührt. Erst im Zusammenhang mit dem Bau der so genannten Bäderstraße zu Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zu umfangreicheren Beschädigungen, da man sich die Kastellmauern als wohlfeilen Steinbruch für die Anlage der Chaussee zu Nutze machte. Eine erste ausführlichere Beschreibung des Kastellplatzes erschien 1859 in den Nassauischen Annalen. Umfangreichere archäologische Untersuchungen erfolgten dann durch Karl August von Cohausen in den Jahren 1874 und 1882, bevor schließlich von der Reichs-Limes-Kommission (RLK) unter Leitung des Streckenkommissars Ludwig Pallat zwischen 1897 und 1903 großflächige Ausgrabungen vorgenommen wurden. Die vorläufig letzten wissenschaftlichen Grabungen führte Karl Nass 1932 durch.
Befunde+
Kastell
Das Kastell Holzhausen gehört zu den kleinsten Garnisonen des obergermanischen Limes. Mit seinen Maßen von 135,4 m mal 105,6 m bedeckte es eine Fläche von nur gut 1,4 Hektar. Mit seiner Prätorialfront war es – abweichend vom Standard – nicht zum im Nordwesten das Kastell in einem Abstand von 70 m bis 100 m passierenden Limes hin ausgerichtet, sondern nach Nordosten. Dieser Umstand mag den topographischen Gegebenheiten geschuldet sein, die am Hang des „Grauen Kopfs“ eine solche Ausrichtung erforderlich machten, wollte man denn ein zu starkes Geländegefälle innerhalb des Kastellareals vermeiden. Auch so ist der Höhenunterschied zwischen der Porta principalis dextra (rechtes Seitentor) und der Porta principalis sinistra (linkes Seitentor) mit mehr als neun Metern noch beträchtlich. Die Verlängerung der Via praetoria führte in etwa 350 m Entfernung zu einem Limesübergang.
Die Wehrmauer besaß eine Stärke von 1,50 m, das Fundament war 90 cm eingetieft und 1,50 m bis 1,65 m breit. Sie war mit der am Ort vorkommenden Grauwacke an den Außenseiten in regelmäßiger, annähernd waagerecht verlaufender Mauerung ausgeführt, an der Innenseite waren die Steine weniger sorgfältig und unregelmäßiger unter Verwendung großer Mengen Kalkmörtels gesetzt. An der Außenseite war die Kastellmauer gelblich-weiß verputzt und mit unregelmäßig verlaufenden, roten Scheinfugen versehen. Vor der Mauer verlief ein Spitzgraben, der nur vor der zum Limes hin ausgerichteten Porta principalis sinistra aussetzte. Er hatte eine Breite von 5,50 m bis 6,00 m und erreichte eine Maximaltiefe von 2,00 m (neben der Porta decumana) bei durchschnittlich 1,40 m bis 1,60 m. Abgesetzt von der Mauer war der Graben durch eine Berme unterschiedlicher Breite, die zwischen 1,50 m und 2,00 m längs der Mauer und 1,00 m und 3,50 m an den Toren differierte. Auf der Lagerinnenseite erhob sich ein an seiner Basis 9,50 m bis 10,50 m breiter Erdwall, der den Wehrgang trug.
Die Umwehrung war an allen vier Seiten mit Toren versehen. Das Tor an der Prätorialfront war mit einer Breite von 8,40 m das größte. Es war als Doppeltor mit einem Mittelpfeiler ausgeführt. Über den vor diesem Tor nicht unterbrochenen Graben führte ausweislich der Ausgrabungsbefunde vermutlich eine Brücke. Die abgerundeten Ecken der Wehrmauer waren mit Türmen besetzt. In den Türmen befanden sich (in dreien nachweislich, in der Nordecke rekonstruiert) Einbauten, die als Konstruktionen für – möglicherweise drehbare – Geschützaufbauten angesprochen wurden.
Von der Innenbebauung konnten hauptsächlich Teile der Principia (Stabsgebäude) freigelegt werden. Insbesondere im rückwärtigen Teil der Principia waren die Grundmauern des als Apsis ausgeführten, nicht unterkellerten Fahnenheiligtums (Sacellum oder Aedes) noch bis zu einem Meter im Aufgehenden erhalten. Von den rechts und links des Fahnenheiligtums liegenden Dienst- und Versammlungsräumen war zumindest einer (der nordwestlich gelegene) mit einem Hypokaustum versehen. Die weiteren Innenbauten waren vermutlich aus Holz- oder Fachwerk errichtet worden und konnten mit den grabungstechnischen Methoden zur Zeit der Reichs-Limes-Kommission nicht erfasst werden. Erst bei der 1932er Ausgrabung gelang es, noch drei weitere Gebäude im Nordwesten der Principia nachzuweisen, von denen eines als Mannschaftsbaracke interpretiert wurde.
Kastellbad
Die Thermen konnten nordwestlich des Kastells, zwischen diesem und dem Limes lokalisiert werden, unweit der Quelle des Hasenbachs, der die Thermen vermutlich mit Wasser versorgte. Sie wurden 1882 durch Cohausen und später durch die Kommission untersucht, konnten aber in beiden Fällen aus Mangel an den notwendigen Geldmitteln nicht systematisch ausgegraben werden. Während von der RLK lediglich der Verlauf der zum Kastell weisenden Außenmauer untersucht wurde, hatte Cohausen zumindest einen Teil des Gebäudekomplexes näher untersuchen können. Die dabei festgestellte architektonische Form mit Apsiden sowie das hohe Fundaufkommen an Tegulae (Ziegeln) sprechen dafür, dass es sich bei diesem Teil des Gebäudes um das Caldarium (Warmbad) und das Tepidarium (Laubad) handeln könnte.
Vicus
Ebenfalls aus finanziellen Gründen konnte auch der Vicus, die bei jeder größeren römischen Garnison anzutreffende Zivilsiedlung, weder während der 1882er Kampagne noch während der Reichsgrabungen eingehender untersucht werden. Immerhin gelang es, Spuren nichtmilitärischer Besiedlung vor der Porta praetoria, vor der Porta principalis dextra und vor der Porta decumana nachzuweisen. Die Geländeverformungen im Wald sprechen für weitere zu erwartende, aber bisher nicht ergrabene Befunde.
Datierung und Belegung+
Das Holzhausener Kastell wurde nach bisheriger Ansicht unter Commodus, vermutlich zeitgleich mit dem Kastell Niederbieber um die Jahre 185/190 errichtet. Die Münzfunde stützen diese Anfangsdatierung nicht, da ihr Anfangsmaximum erst um 220 n. Chr. liegt. Münzen des Septimius Severus sind stark unterrepräsentiert. Spätester Datierungsansatz ist durch die Ehreninschrift für Kaiser Caracalla das Jahr 213 n. Chr.
Belegt war es von der Cohors II Treverorum („2. Kohorte der Treverer“), einer Schwestereinheit der im Kastell Zugmantel stationierten Cohors I Treverorum, die durch zahlreiche Inschriften bezeugt ist. Im Laufe der Zeit nahm diese reine Infanterieeinheit verschiedene Beinamen an. Zu Anfang des dritten Jahrhunderts nannte sie sich nach dem regierenden Kaiser Caracalla Cohors II Antoniniana Treverorum, wechselte aber wenige Jahre später ihren Namen in Cohors II Severiana Treverorum. Auch dieser Name bezog sich auf den regierenden Princeps, diesmal auf Severus Alexander. Das Kastell bestand bis zur Aufgabe des Limes in den Jahren 259/260.
Sonstiges+
Im Bereich des Kastells existiert ein Vorkommen des Kleinen Immergrüns. Es kann, wie bei zahlreichen anderen römischen Kastellbauten auch, auf eine römerzeitliche Anpflanzung zurückgeführt werden.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Holzhausen_an_der_Haide_Roemerkastell.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.2149, 7.9475