Antike BautenBuchen-Hettingen

Römisches Kastell Hönehaus

Römisches Kastell Hönehaus

Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden



Das Kleinkastell Hönehaus, auch unter dem Namen Kleinkastell Rehberg bekannt, ist ein ehemaliges römisches Militärlager am sogenannten „Vorderen Limes“ des Obergermanisch-Rätischen Limes. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Anlage befindet sich auf dem „Rehberg“ im „Großen Wald“ bei Hettingen, Gemeinde Buchen im Neckar-Odenwald-Kreis. Die bei der Auffindung noch bestens erhaltenen Fundamente sind konserviert und frei zugänglich.

Lage und Forschungsgeschichte+

Topographisch günstig, in einem hügeligen, von tiefen Taleinschnitten durchzogenen Landstrich wurde das auf dem anstehenden Muschelkalk errichtete Kleinkastell südlich eines deutlichen Limesknicks postiert. Die Palisade war von hier aus 78 m entfernt. Den Soldaten bot sich vom flachen Geländesporn des „Rehbergs“ aus sowohl in südöstliche Richtung ein ausgezeichneter Blick ins Freie Germanien als auch zu den nördlich und südlich liegenden Wachtürmen. Die Höhe fiel auf dem zur römischen Provinz Germania superior gehörenden Gelände nach Westen deutlich in den „Rehgrund“ ab. Nur 350 m nordwestlich lag das nicht viel ältere, wohl nur kurzfristig oder überhaupt nicht belegte Kleinkastell „An der Altheimer Straße“. Am genannten Limesknick beginnt ein rund 80 km langes schnurgerades Stück des „Vorderen Limes“ bis zum Wachturm bei dem Weiler Haghof, der zur Gemeinde Alfdorf gehört.

1892 wurde an diesem Platz erstmals durch die Reichs-Limes-Kommission (RLK) unter dem Streckenkommissar Wilhelm Conrady (1829 bis 1903) gegraben. 1968 und 1969 hat man die Mauern im „Großen Wald“ erneut freigelegt und mauerte sie nach den Untersuchungen auf einheitliche Höhe auf. Seither gilt die kleine Anlage als am besten erhaltene auf ihrer Strecke.

Baugeschichte+

Die Forschung nimmt an, dass das nahe Kleinkastell „An der Altheimer Straße“ eine Vorgängeranlage gewesen ist, die nach dem Bau des topographisch günstigeren rund 39,5 × 46 Meter (= 0,2 Hektar) großen Kleinkastells Hönehaus aufgegeben worden ist. Eine weitere Überlegung geht dahin, das Lager als gut gelegenen Hauptvermessungspunkt für die dort beginnende lange gerade Limesstrecke anzusprechen. Mit Feuerzeichen konnte man vom nahegelegenen Limeswachturm aus den rund 75 km südlich gelegenen Wp 9/116 beim Kleinkastell Ebnisee erreichen.

Die 1 bis 1,1 Meter breiten und 1892 noch fünf bis sechs Lagen hoch erhaltene Umfassungsmauer der mit runden Ecken ausgestatteten Befestigung besaßen einspurige Zufahrten mit einspringenden, nicht sehr qualitätvoll ausgeführten Wangen an der West- und Ostseite. Ähnliche Befunde wurden auch beim Kleinkastell Haselburg aufgefunden. Im Bereich des östlichen Einlasses, am Ende der Wangen, fanden sich 40 × 40 Zentimeter große Pfostenlöcher. Sie trugen wahrscheinlich ein Dach oder waren zum Torverschluss angebracht. Das Osttor war 2,40 bis 2,50 Meter, das Westtor 2,60 bis 2,70 Meter breit. Gemauerte Schwellen fehlten.

Während der Neuuntersuchungen 1968/1969 wurde festgestellt, dass die ins Innere des Kastells ragenden Zungenmauern der Tore in einem getrennten Bauvorgang, möglicherweise sogar während einer späteren Bauphase, angesetzt worden sind. Auch die Techniken der Bauausführung unterschieden sich von jenen der Wehrmauer.

Die Mannschaftsunterkünfte im Inneren, von denen sich keine Spuren fanden, waren wohl aus Holz errichtet worden. Dies legen Stücke rot gebrannten Geflechtslehms nahe. Der Lehm wurde gebrannt, als die Baracken abbrannten. Man fand auch Decksteine der einstigen Zinnen, welche auf die aus örtlichen Kalksteinplatten errichtete Umwehrung aufgesetzt waren. Das Kastell besaß weder einen Wall noch einen umlaufenden Graben. Nur im Bereich dicht hinter der Umwehrung zeigte sich eine schwärzliche, 30 bis 40 Zentimeter starke und vier bis fünf Meter breite Schicht mit Werkzeugresten, Scherben, Gebrauchsgegenständen und Tierknochen. Ein Brunnen wurde nicht lokalisiert.

Nach dem vorliegenden Fundmaterial, wie besonders späte Rheinzaberner Terra Sigillata und Keramik mit herzförmigen Profilen, hat die kleine, nicht sehr sorgfältig errichtete Fortifikation nur kurzfristig im 3. Jahrhundert bis spätestens zum endgültigen Limesfall 259/260 bestand. Das Münzmaterial reichte von der Regierungszeit Kaiser Caracallas (211–217) bis Gordian III. (238–244). Insgesamt wurden 1892 vier Denare aus vier verschiedenen Kaiserherrschaften entdeckt.

Funde und Verbleib+

Während der Konservierung im Oktober 1967 wurde unweit der nördlichen Kastellinnenseite von Waldarbeitern ein kleines Votivhäuschen aus grauem Buntsandstein geborgen. Daneben kamen Sigillatenreste, Amphorenfragmente und Scherben anderer Gefäße zutage. Die Widmung auf dem Votivhäuschen lautet Bonis Casibus Quintinius l(ibertus) Lecto/r ex v(oto). Ein Freigelassener namens Quintinius l. Lector hatte diesen Stein den Göttern der „glücklichen Zufälle“ geweiht.

Viele Funde aus dem Kleinkastell, darunter auch Waffen, sind heute im Bezirksmuseum Buchen ausgestellt.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:HoenehausEingangW.jpg

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 49.5429, 9.3875