Die Reste des römischen Kastells können besichtigt werden
Römisches Kastell Hillscheid

Das Kleinkastell Hillscheid ist ein ehemaliges römisches Kastell des Obergermanischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das in seinen Grundmauern teilkonservierte und -rekonstruierte Bodendenkmal befindet sich in den Wäldern nordöstlich der heutigen Ortsgemeinde Hillscheid, die zum rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis gehört.
Die kleine Fortifikation liegt einen guten Kilometer Luftlinie von Hillscheid entfernt im Hillscheider Wald, auf der Hochterrasse eines sich nach Südwesten hin erstreckenden Ausläufers der Montabaurer Höhe.
In römischer Zeit befand es sich hier etwa 22 Meter hinter dem Limeswall an einer Stelle, an der sich zwei aus der Rheinebene zu den Höhenzügen des Westerwaldes aufsteigende alte Wege vereinigten und den Limes kreuzten. Einer dieser Wege kam aus südwestlicher Richtung, von der nächsten größeren Garnison, dem Kastell Niederberg, der zweite führte aus dem Raum Vallendar heran.
Forschungsgeschichte+
Noch 1833 stellte der Limes- und Römerstraßenforscher Friedrich Wilhelm Schmidt wohlerhaltene Wälle und Gräben sowie eine nicht unbeträchtliche Höhe aufgehenden Mauerwerks der Wehranlage im Hillscheider Wald fest. Bereits 1857 musste Carl August von Cohausen konstatieren, dass nur noch geringe Bestandteile der Anlage sichtbar waren. Die Steine des Mauerwerks waren zwischenzeitlich zum Zwecke des Wegebaus ausgebrochen und das Gelände weitgehend planiert worden. In der Folgezeit vollendeten Schatzsucher das Werk der Verwüstung, so dass die Reichs-Limes-Kommission bei der Aufnahme ihrer Untersuchungen mit stark gestörten Befunden konfrontiert wurde. Die archäologischen Ausgrabungen der Kommission wurden im Frühjahr 1894 unter der örtlichen Leitung des Streckenkommissars Otto Dahm durchgeführt.
Nach einer über einhundertjährigen Pause erfolgten 1999 erneute Untersuchungen durch die „Archäologische Denkmalpflege, Amt Koblenz“. Im Frühjahr 2003 schließlich wurden die Grundmauern des Kastells und des benachbarten Wachturms Wp 1/71 von der Gemeinde Hillscheid konserviert und teilrekonstruiert.
Befunde+
Bei dem Kleinkastell von Hillscheid handelt es sich um eine Doppelanlage, die aus einem größeren Außen- und einem kleineren Innenkastell besteht. Der hohe Zerstörungsgrad der Befunde bereitete einer gesicherten Interpretation von Beginn der Untersuchungen an erhebliche Schwierigkeiten. Auch die Befunddokumentation der Reichs-Limes-Kommission ist vor diesem Hintergrund nur mit gewissen Vorbehalten zu betrachten.
Die größere Anlage nimmt mit ihren Seitenlängen von 43,10 mal 36,60 Meter eine Fläche von knapp 0,16 Hektar ein, die Mauerstärke betrug durchschnittlich 1,20 Meter. Die an ihren Ecken abgerundete Mauer war nach heutigen Erkenntnissen nicht mit Wehrtürmen besetzt breiten Berme ein etwa sechs bis acht Meterbreiter Graben mit einer erhaltenen Resttiefe von 70 bis 100 Zentimeter.
Spuren einer Innenbebauung konnten nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise waren die Mannschaften in Zelten untergebracht.
Der innerhalb der Grundrisse des größeren Kastells befindliche Wehrbau wurde vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt errichtet. Er hatte mit seinen Seitenlängen von 15,90 mal 15,40 Meter einen annähernd quadratischen Grundriss und nahm eine Fläche von nur gut 0,025 Hektar ein. Die an ihren Ecken ebenfalls abgerundete Wehrmauer besaß eine Mächtigkeit von 1,20 Meter. Das einzige, etwa 2,50 Meter breite Tor wies nach Nordwesten. Gegen das Außenkastell hin war der kleinere Wehrbau mit einem Graben abgegrenzt. In seiner südlichen Ecke befand sich ein vielleicht zwei- bis dreistöckiger, turmartiger Bau mit einer inneren Nutzfläche von rund 25,5 Quadratmetern. An seine Nordostseite war ein vermutlich nur eingeschossiger Vorraum mit einer Innenfläche von gut 5,5 Quadratmetern gesetzt. Die Mauerstärke beider Bauwerke betrug 100 Zentimeter.
Auf etwa halber Strecke zwischen dem Kastell und dem Limes befand sich der Wachturm Wp 1/71, der wie das Kastell in seinen Grundmauern rekonstruiert wurde.
Über die Besatzung der Hillscheider Garnison ist nichts Genaues bekannt. Vermutlich hat es ich um die Vexillatio (Detachement) einer größeren und nahe gelegenen Auxiliareinheit gehandelt. Als Standort der Stammeinheit kommt das Kastell Niederberg in Frage.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hillscheid_4.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.4108, 7.7100