Die Reste des römischen Bades können besichtigt werden
Römisches Kastell Buch-Bad

Das Kastell Buch ist ein ehemaliges römisches Militärlager, das nahe am Rätischen Limes, einem UNESCO-Weltkulturerbe, zur Grenzsicherung errichtet wurde und dessen Reste auf der Gemarkung des zur Gemeinde Rainau gehörenden Weilers Buch im Ostalbkreis, Baden-Württemberg, liegen. Das Kastell bildet seit 1972 zusammen mit seiner antiken Zivilsiedlung (Vicus), dem Abschnitt des dort entlangführenden Limes sowie dem Limestor Dalkingen den Limes-Park Rainau. Bekannt wurde Buch neben dem Limestor besonders durch seine kostbaren Funde.
Kastellbad+
Die zum Lager gehörende Therme befand sich rund 100 Meter nordöstlich der Nordost-Kastellecke nahe der Ahlbachmündung in die Jagst. Diese Anlage wurde auch von der Zivilbevölkerung mitgenutzt. Mit vier Bauphasen konnten die Forscher eine komplexe Baugeschichte nachzeichnen. Das Bad, fast genau in Nord-Südausrichtung errichtet und mit ungefähr spiegelgleicher Raumanordnung, gehörte zum Reihentypus. In seiner räumlichen Ausrichtung folgte es nicht dem meist am Rätischen Limes vorgefundenen Bauschema, da der Eingang in Buch im Westen bzw. im Süden lag. Normalerweise wurden die Bäder von Norden kommend betreten. Die ursprüngliche Stirnseitenbreite der zentralen Gebäudeeinheit, die über die Zeiten weitgehend eingehalten wurde, betrug rund 10 Meter. Bei den Grabungen konnten nur noch geringe Reste des eigentlichen Fußbodens aufgedeckt werden.
Phase I
Da das Kastell wohl um 130/140 n. Chr. errichtet wurde, dürfte auch der Thermenbau nicht wesentlich später erfolgt sein. Der Ausgräber Planck könnte sich anhand der Funde die Erbauung in späthadrianischer Zeit vorstellen. Es war wahrscheinlich das erste Bauwerk außerhalb der Umwehrung, da der Vicus erst in den sechziger Jahren des 2. Jahrhunderts zusammen mit dem Bau der Holzpalisade des Limes entstand.
Man betrat den rechteckigen, unbeheizten Auskleideraum (Apodyterium) des Bades von Westen her. Danach gingen die Besucher in die östlich gelegene, ebenfalls rechteckige, Versammlungshalle (Basilica), den größten Raum der Anlage, der ebenfalls nicht beheizt war. In der Ostmauer der Halle befand sich rechts ein Kaltbad (Frigidarium), das die ungefähren Ausmaße des Apodyteriums besaß. Im Norden lag der Zugang zum kleinen und zum größeren Laubad (Tepidarium), die in der gleichen Raumflucht wie das darauffolgende Warmbad (Caldarium) lagen. Von dort konnte ein an die Westmauer angebautes kleines rechteckiges Badebecken betreten werden. Beheizt wurde die Therme von Norden.
Phase II
Mit der Errichtung des Lagerdorfes wurde das Bad in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts repräsentativ ausgebaut und vergrößert. Apodyterium, Basilica und Frigidarium brach man ab. An deren Stelle entstand quer zum eigentlichen Gebäudekomplex in Ost-West-Ausrichtung ein auf einem Steinfundament ruhender, rund 22 Meter langer Versammlungsraum, der wohl auch für die Kleiderablage benutzt wurde. Als südlicher Abschluss des Gebäudes lag davor ein sich über die gesamte Länge der Basilica erstreckender Portikus. Von dort aus betrat man das Bad. Nördlich der Basilica entstand ein großes, rund zehn Meter breites Frigidarium in der nordsüdlichen Flucht der älteren, unverändert gebliebenen Räume. Östlich des Kaltbads befand sich als Neubau ein kleines Schwitzbad (Sudatorium) und westlich ein fast spiegelgleiches Frigidarium. In den Phasen II und III, die in einigen Beschreibungen zusammengefasst werden, erreichte die Therme mit einer Ausdehnung von rund 44 Metern ihre größte Länge.
Phase III
Die Hypokaustenheizung im Sudatorium wurde stillgelegt und der Raum als Frigidarium genutzt. Die Westmauer im bisherigen großen Frigidarium wurde nach Osten gerückt und das Bad damit verkleinert. Das gleichzeitig vergrößerte kleine Frigidarium wurde nach seiner Hypokaustierung als neues Sudatorium eingerichtet.
Phase IV
Da für einen Alamannenangriff zwischen 233 und 234 die Belege fehlen, wurde der Nord- und Südteil des Balineums wahrscheinlich erst beim im Frühsommer 254 n. Chr. vermuteten germanischen Überfall zerstört. Damals ging das Lagerdorf in einer Brandkatastrophe unter. Nur die Mauern im mittleren Bereich scheinen reparabel gewesen zu sein oder reichten einer vielleicht dezimierten Bevölkerung für den Wiederaufbau aus. Es gab auch Überlegungen, dass die Verkleinerung des Bades vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen notwendig war. Die bisherige Heizanlage, das Caldarium, und das kleine Badebecken gab es nicht mehr; ebenso die Basilica und den Porticus. Der übrige Bau wurde wie bisher weiterverwendet. Als neuer Auskleideraum entstand, an die Südfassade angelehnt, ein rund 10×10 Meter großer hölzerner Anbau. Als Letztes dieser Phase wurde etwas später auch das Sudatorium aufgegeben. In der stark verkleinerten, provisorisch wirkenden Form bestand die Therme mindestens bis zum Ende der römischen Herrschaft im Jahr 260 (Limesfall). Das Fundmaterial im Lagerdorf gibt Hinweise darauf, dass das Kastellbad möglicherweise sogar bis ins frühe 4. Jahrhundert benutzt wurde.
Funde
Das Bad barg eine Vielzahl interessanter Fundstücke: Fingerringe, Münzen, Gemmen, Haarnadeln, Tonscherben und Glasgefäße. Letztere sind ein häufiges Fundgut in römischen Badeanlagen, da in kleineren Salbgefäßen üblicherweise Parfüme und vor allem Öle zur Benutzung mit einem strigilis aufbewahrt wurden.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Rainau_Buch_Badegebaeude01.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 48.9109, 10.1474