Das Kastell kann besichtigt werden
Römisches Kastell

Das Kleinkastell Burgsalach ist ein ehemaliges römisches Militärlager, das nahe der zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Rätischen Mauer errichtet wurde und südlich des Dorfes Burgsalach im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern liegt. Die höchstwahrscheinlich für eine Hundertschaft (Centurie) errichtete steinerne Fortifikation ist eine der jüngsten Anlagen am obergermanisch-rätischen Limes und wurde im 3. Jahrhundert gegründet. Ihre Architektur ist für deutsche Kastelle einzigartig.
Der Nachweis eines Fahnenheiligtums (Aedes) zeigt, dass die dort liegende Centurie ein eigenes Feldzeichen besessen hat und als eigenständige taktische Einheit operierte.
Das Kleinkastell Burgsalach liegt auf der gleichnamigen Flur „Harlach“, südwestlich des Dorfes Burgsalach. Es wurde rund 1,3 km hinter dem Limes direkt an der damals wichtigen Verbindungsstraße zwischen den Kastellen Weißenburg und Pfünz angelegt. Diese römische Straßentrasse befindet sich streckenweise noch in einem ausgezeichnetem Zustand.
Forschungsgeschichte+
1790 waren nach einer Notiz des Pappenheimer Dechanten und Konsistorialrats Michael Redenbacher (1764–1816) die baulichen Überreste – damals unter dem Namen „Altes Schlösschen“ bekannt – noch „vortrefflich erhaltenen“. Darüber hinaus sah er mehrere, dem Kaiser Septimius Severus (193–211) geweihte Altäre. Im Jahr 1800 führte der Geistliche Rat und Professor der Mathematik, Ignaz Pickel (1736–1818) aus Eichstätt, die erste bekannt gewordene Grabung durch, die jedoch keine wesentlichen Erkenntnisse brachte „weil seine Untersuchung zu flüchtig war“, wie der Archäologiepionier Franz Anton Mayer (1773–1854) 1835 schrieb. Trotzdem überlieferte Pickel eine erste Grundrißskizze. 1805 erfolgte eine Nachgrabung durch Redenbacher. Von dieser Grabung sind viele vorgefundene, bauliche Details überliefert, die später, aufgrund des immer stärkeren Verfalls des Bauwerks, verloren gingen.
Mayer hielt die Anlage aufgrund ihrer Bauweise und des fehlenden Grabens – den Redenbacher 1790 allerdings noch gesehen haben will – für eine Herberge (Mansio). Dieser Meinung schloß sich 2011 der Archäologe Andreas A. Schaflitzl an, wobei eine letztendliche Bewertung nicht möglich ist.
Eine anhaltende Zerstörung des Areals setzte erst nach den frühen Grabungen fort. Insbesondere die Mär von einem Schatz, der beim Schlössel vergraben sein sollte, ermutigten Raub- und Schatzgräber die Ruinen immer wieder umzugraben. Offensichtlich bei einem von Bauern veranstalteten Raubzug kam 1831 ein römischer Schlüssel zutage, den Mayer in seine Sammlung bekam und als Schlüssel vom Haupttor der Herberge interpretierte. Aufgrund seiner Popularität wurde der Burgus überregional bekannt. 1861 ließ der bayerische König Maximilian II. Joseph eine noch heute erhaltene Gedenkstele bei den Ruinen aufstellen, welche den Ort fälschlicherweise als Colonia tituliert.
In den Kriegsjahren 1916 und 1917 konnte während zweier Kampagnen unter der Leitung von Friedrich Winkelmann (1852–1934), einem Streckenkommissar der Reichs-Limes-Kommission (RLK), das zu dieser Zeit trotz allem noch sehr gut erhaltene, bis zu zwei Meter hohe Gemäuer systematisch ergraben und untersucht werden. 1916 legte er die Nord- und Südfront sowie den Lichthof frei, im darauffolgenden Jahr widmete er sich den beiden anderen Flügeln. Winkelmanns Grabungen waren die ersten und letzten im 20. Jahrhundert. Nach Abschluss der Untersuchungen wurden die Baureste zur Konservierung der teilweise empfindlichen Befunde bis auf die Höhe von einem Meter wieder zugeschüttet.
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bau endgültig ein Opfer der Witterung und offensichtlich insbesondere des Steinraubs. Das Areal geriet aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und wurde von der Natur zurückerobert. Erst 1962 wurden die inzwischen auf dem Gelände gewachsenen Bäume gefällt und das Mauerwerk offensichtlich nur oberflächlich repariert. Daher wurden 1965/1966 Schüler und Lehrkräfte des Christian-von-Bomhard-Gymnasiums Uffenheim eingesetzt, um unter der Anleitung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und mit Unterstützung des amerikanischen Militärs die übrig gebliebenen Mauerstümpfe erneut zu sanieren, aufzumauern und mit einer dicken Schicht Zement abzudecken. Bei diesen Arbeiten wurde auch schweres Gerät, darunter Bagger, eingesetzt. Aus dem im Kastellareal liegenden Schutt wurde der heute vor dem Haupttor liegende Aussichtshügel errichtet. Das Gymnasium übernahm anschließend die Patenschaft für die laufende Pflege an dem Bauwerk. In diesem Zustand verblieb der Burgus bis 2008. Damals fanden mit der Anlage von drei kleinen Sondagen erstmals seit 1917 wieder wissenschaftliche Untersuchungen statt. Zudem wurde mit der mehrere Jahre dauernden Neukonservierung begonnen.
Die früher für diese Anlage meist gewählte Bezeichnung „Burgus“ bezeichnet eigentlich kleinere spätantike Kastellplätze im Grenzgebiet. Das von den Römern aus dem Germanischen entlehnte Wort ist erst seit dem Ende des 4. Jahrhunderts bei Flavius Vegetius Renatus nachweisbar.
Baugeschichte+
In seiner architektonischen Gestaltung wurden am gesamten obergermanisch-rätischen Limes bisher keine vergleichbaren Fortifikationen beobachtet. Wie der Archäologe Wilhelm Schleiermacher (1904–1977) 1962 feststellte, war der karreeförmige Grundriss der Burgsalacher Anlage „schon immer“ mit spätrömischen Befestigungsbauten in Kleinasien oder Nordafrika verglichen worden, wobei speziell die nordafrikanischen Parallelen stets hervorgehoben wurden. Dort entdeckte man römische Militärlager, die in vergleichbarer Bauweise aus dem späten 3. Jahrhundert stammen. Außerdem ist von dort auch der lateinische Name dieses Wehranlagentyps inschriftlich überliefert: Er wird Centenarium genannt.
Man geht heute davon aus, dass das Kleinkastell aufgrund seiner architektonischen Eigenheiten in die letzte Sicherungs- und Ausbauphase des Limes gehört, die in die Regierungszeit Kaiser Caracallas (211–217 n. Chr.) fällt, der 213 den Limes und seine Kastelle an vielen Stellen persönlich in Augenschein nahm.
Umwehrung und Tor
Nach Redenbacher war der Bau von einem damals noch sichtbaren Graben als Annäherungshindernis umgeben. Die Seitenlängen des leicht unregelmäßigen, fast quadratischen Grundrisses von 32,60 (SW) × 32,40 (NW) × 31,90 (NO) × 32,60 (SO) Metern entsprechen 100 römischen Fuß. Die neuere Forschung geht zumeist von einem voll ausgebauten zweiten Geschoss aus, das von den starken Mauern und Fundamente getragen werden konnte. Die Besatzung soll einer Centurie mit einem befehlshabenden Centurio entsprochen haben. Die Innenbebauung des Gevierts nimmt die Gestaltung spätantiker Befestigungen vorweg. Wohn- und Verwaltungsräume gliedern sich um einen quadratischen Innenhof und sind direkt an die Umfassungsmauer gebaut. Diese besitzt an ihrer Südwestseite einen singulären, 3,5 Meter breiten eintorigen Einlass, der sich halbkreisförmig nach innen wölbt. Winkelmann konnte noch die Schwellen und Anschläge von zwei Torflügeln feststellen. Ein solcher sich trichterförmig zum Torverschluss verengender Zugang wurde auch beim Südtor, der Porta decumana des bayerischen Kastells Theilenhofen, an der Porta decumana des Kastells Faimingen, und am Westtor des Legionslagers Vindonissa entdeckt werden.
Vor allem aber konnte er bei nordafrikanischen Militärplätzen wie dem algerischen Legionslager Lambaesis und dem Kastell Bu Njem (222 n. Chr.) auf heute libyschem Boden, nachgewiesen werden. Die bauhistorische Zuordnung dieses Tortyps fällt in die Zeit des späten 2. Jahrhunderts. Über dem Torbogen wird im Kleinkastell „In der Harlach“ vielfach ein Turm angenommen. Rechts des Durchlasses vermuten die Forscher eine Offizierswohnung oder ein Magazin, links einen Treppenaufgang. Probleme bereitet der Wissenschaft die zeitliche bauhistorische Zuordnung und Interpretation der unter den Räumen links und rechts des Tores festgestellten, halbkreisförmig einspringenden Mauerung, die wie eine wesentlich weitere Ausführung des heute sichtbaren halbrunden Torverschusses erscheint. Möglicherweise wurde diese ältere Bauausführung schon während der Errichtung als zu groß empfunden und aufgegeben.
Innenbebauung
Gegenüber dem Tor befand sich auf der anderen Seite des Baukörpers eine an die nördliche Umfassungsmauer anstoßende, halbrunde Apsis, die als Fahnenheiligtum gedeutet wurde. Deren Boden lag rund 25 Zentimeter höher als das umgebende Laufniveau. Die Ausgestaltung des Heiligtums mit Apsiden war in den römischen Kastellen speziell im germanischen Raum seit Mitte des 2. Jahrhunderts üblich geworden. 1805 fanden sich hier noch drei Steine aus schlechtem Sandstein, deren Inschriften teils unleserlich waren. Links und rechts des Fahnenheiligtums wird die Wohnung des Centurios angenommen. Insgesamt konnten im Erdgeschoss zehn Räume mit je 20 Quadratmetern Grundfläche nachgewiesen werden, die größtenteils durch Holzfachwerk getrennt waren. Von diesen Trennwänden fanden sich im Boden noch horizontale Gräbchen sowie Abdrücke im Mörtel der Außenwände. In etlichen dieser Räume wurde auch je eine gemauerte Herdstellen vorgefunden, die stets nachträglich eingebaut worden waren, wie der erhaltene Wandverputz dahinter belegt. Der Größe nach waren diese Zimmer für acht bis zehn Personen bewohnbar.
Bei der 2008 abgeschlossenen Neuüberprüfung der alten Grabungsbefunde Winkelmanns durch die Archäologin Renate Schiwall stellte sich heraus, dass es möglicherweise einen Umbau oder eine während der Errichtung vorgenommene Planungsänderung der inneren Strukturen gegeben hat, zu der auch die bereits beschriebene Änderung an der südlichen Außenfassade gehört haben könnte. So waren die den Innenhof umfassenden Mauern doppelt so stark ausgeführt worden als ursprünglich vorgesehen. Letztendlich entsprach diese Doppelmauer mit einer Stärke von 1,20 Metern derjenigen der Außenmauer. Nur im Bereich der rückwärtigen Apsis bestand die hofseitige Mauer aus einem Guß. Diese Problematik war bereits Winkelmann aufgefallen, doch hatte er seinen ersten Bericht später korrigiert und von nur noch von einer Mauer geschrieben. Auch an der Umfassungsmauer der Anlage hat es nachträgliche Änderungen gegeben. So wurde die Innenseite – mit Ausnahme der Südwestseite – in regelmäßigen Abständen von rechteckigen Wandvorlagen gegliedert, die auf einer Höhe von rund einem Meter einen Absatz besaßen und anschließend nur noch halb so breit weiter nach oben strebten. Wie die Befunden zeigten waren einige diese Vorlagen, die im Übrigen keinerlei Bezug zu der ausgeführten Innenbebauung hatten, bereits in römischer Zeit abgeschlagen worden.
In den nicht überdachten Ecken des Innenhofs fanden sich zwei schräg gegenüberliegende rechteckige Zisternen (Cisternae), mit denen die Bewohner des Burgus zumindest zeitweilig unabhängig von einer externen Wasserversorgung wurden. Das südöstliche dieser Becken war bei Winkelmanns Grabungen rund 1,55 Meter tief, das nordwestliche hatte bereits Redenbacher zerstört, der hier eine Treppe mutmaßte. Mithilfe der Nachgrabungen 2008 konnten einige der von Winkelmann zum Hof gemachten Beobachtungen kritisch überprüft werden. Es wurde deutlich, dass der Innenhof von rund 25 Zentimeter tief eingelassenen tragenden Holzpfeilern umgeben war, die ihn vermutlich peristylartig gliederten. Somit trugen sie wohl ein in den Hof geneigtes, nachweislich mit Ziegeln gedecktes Pult- oder Schleppdach, das einen witterungsgeschützten Umgang möglich machten. Von diesem Umgang aus erschlossen sich fast alle im Erdgeschoss befindlichen Räume. Die von Winkelmann angegebenen Mäuerchen zwischen den Holzpfeilern hat es aber offensichtlich nicht gegeben und werden nun als Fehlinterpretation gedeutet.
Ein Keller, der die Strukturen des älteren, weiteren Mauerbogens an der Südwestfront störte, konnte in dem Raum unmittelbar rechts am Toreingang festgestellt werden. Wie sich das zweite Geschoss des Bauwerks gestaltete, ist unklar. Aufgefundene Gesimsteile deuten jedoch eine äußere bauliche Gliederung an.
Ausstattung
Redenbacher berichtete über seine Grabung 1805, dass er die Wände im Inneren des Bauwerks verputzt und „marmorartig mit bunten, meistens aber mit rothen, und blendendweissen Farben überzogen“ vorgefunden hatte. Die Böden bestanden aus Gips und waren gleichfalls farbig gehalten. Der Ausgräber stellte im Bereich der Apsis fest, das der dortige, qualitativ hochwertiger Gipsfußboden, weiß und spiegelglatt war. Seine Oberfläche besaß noch einen matten Marmorglanz. Auch die Wände des Heiligtums waren in ähnlicher Weise ausgestattet. Von all diesen Befunden ist heute nichts mehr erhalten. Winkelmann konnte bei seinen Nachgrabungen über 100 Jahre später aber ebenfalls noch Verputzreste feststellen.
Truppe+
Durch die etwas abseitige Lage des Centenariums vom Limes und seiner eindeutigen Ausrichtung zur Römerstraße erklärt sich seine mögliche Funktion zur Straßenüberwachung. Die Kastellbesatzung könnte daher zur Straßenpolizei (Benefiziarier) gehört haben. Thomas Fischer stellte die Überlegung an, dass die Besatzung Teil der nach 238 aufgesplitterten und u.a. auch nach Rätien strafversetzten Unterabteilung der in Lambaesis gelegenen Legio III Augusta gewesen ist. Das könnte auch die bauliche Nähe des Kleinkastells zu den nordafrikanischen Lagern erklären.
Funde+
Neben den heute verschollenen Inschriftensteine die 1790 und 1805 noch genannt werden, erwähnt Redenbacher eine Statuette des Priapos. Von dem sehr spärlichen Fundgut haben sich noch zwei Terra Sigillata-Scherben sowie das Fragment einer rätischen Schüssel erhalten, die im 2. Jahrhundert n. Chr. hergestellt worden waren.
Ein weiteres Kastell im nahen Umkreis+
1978 wurde durch die Luftbildarchäologie 500 Meter südlich des Centenariums ein weiteres ein Hektar großes Lager mit abgerundeten Ecken entdeckt, das allem Anschein nach auf die dort laufende Römerstraße Rücksicht nimmt, was eine nähere zeitliche Stellung zulassen könnte. Ausgrabungen fanden bisher nicht statt. Der Größe nach wird es vorläufig als Numeruskastell interpretiert, wobei offen bleibt, ob es sich um ein Marschlager oder eine längerfristig belegte Anlage handelt, da es bisher nicht näher erforscht worden ist. Die Anlage scheint jedoch älter zu sein als das Centenarium.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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