Antike BautenMudau-Schloßau

Römischer Wachturm 10/37

Römischer Wachturm 10/37

Die Reste des römischen Wachturms können besichtigt werden



Der Obergermanisch-Raetische Limes ist mit einer Länge 550 km, von Eining bei Regensburg bis Rheinbrohl am Rhein, das größte Bodendenkmal in Deutschland und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Mit Limes (lat. Grenzweg/-wall) werden dabei die Grenzanlagen des römischen Imperiums bezeichnet, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet wurden.

Diese Grenze wurde durch mehr als 900 Türme überwacht, die in der Entstehungsphase etwa ab 80 n. Chr. in Holzbauweise errichtet wurden. Es folgten Steintürme, die ab 150 n. Chr. verputzt wurden. Durch Ausgrabungen ist bekannt, dass der weiße Verputz oft eingerissene Fugen aufwies, die in Terrakotta ausgemalt waren. Dadurch entstand der Eindruck eines schönen Quadermauerwerks.

Der Wachposten 10/37 ist unter allen Limestürmen einer der ungewöhnlichsten Befunde und gibt der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Gefunden wurde eine Holzturmstelle mit einem Gesamtdurchmesser von 20 m sowie zwei Steinturmstellen. Beide Steinturmfundamente sind rekonstruiert. Der westlich gelegene hat mit 6 × 6 m gewöhnliche Ausmaße. Ungewöhnlich am östlich gelegenen, 6,60 × 6,60 m großen Turm ist eine an die Nordseite später angefügte Treppe. Eine Weihinschrift an Jupiter befand sich in die Freitreppe eingemauert. Sie wurde gesetzt für die Einlösung eines Gelübdes für die Fertigstellung des burgus und bezieht sich wahrscheinlich auf den westlichen Turm.

Lateinischer Text:         
I·O·M
VEXIL
COH·I
SEQ·ET·RAVR
EQ·SVB·CVR
ANTON·NATA
LIS·LEG XXII·P
P·F·OB·BURG·EX
PLIC·V·S·L·L·M    

Lesung:
Iovi Optimo Maximo
vexillatio
cohortis I
Sequanorum et Rauracorum
equitatae sub cura
Antonii Nata-
lis (centurionis) legionis XXII Primigeniae
Piae Fidelis ob burgum ex-
plicitum votum solvit laetus libens merito    

Übersetzung:
Jupiter dem Besten und Größten vom Baukommando der berittenen 1. Kohorte der Sequaner und Rauraker unter dem Kommando des Antonius Natalis, centurio der 22. Legion Primigenia pia fidelis wegen der Fertigstellung des burgus (Turm). Es hat sein Gelübde gern, freudig und nach Verdienst eingelöst.

Vor dem westlichen Turm befindet sich heute eine Nachbildung der Inschrift. Wandverputz und Bemalungen mit roter, gelber und grüner Farbe fanden sich im Schutt des östlichen Turmes und dürften aus dem Inneren stammen. Besonders bedeutsam ist aber der Fund von drei nicht ganz lebensgroßen (über 1 m) kopflosen Götterstatuen aus rotem Sandstein. Sie befinden sich heute mit der Originalinschrift im Römermuseum Osterburken, Kopien sind seit 2009 auch vor Ort aufgestellt. Dargestellt sind Victoria, Mars und Salus in recht guter Qualität einer einheimischen Werkstatt. Die Zusammenstellung der Gottheiten (Siegesgöttin, Kriegsgott und Göttin der Gesundheit und des Wohlbefindens) lassen zusammen mit der Zweckentfremdung des Turms an ein kriegerisches Ereignis denken, doch dürften die Götter bei Soldaten auch insgesamt sehr beliebt gewesen sein. Keilförmige Steinfunde legen nahe, dass die Statuengruppe in einer bogenförmigen Nische aufgestellt war. Am Turm fanden sich ebenfalls die einzigen Belege für eine Ziegelbedachung einer Turmstelle am Odenwaldlimes. Einen Hinweis auf die Datierung liefert ein Bruchstück des Schildes der Victoria, das im Kastell Oberscheidental gefunden wurde. Zusammen mit der Bauinschrift bestätigt das eine Datierung des Heiligtums vor den Abzug der coh. I Sequanorum et Rauracorum nach Miltenberg um 159 n. Chr.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schlossau_Schneidershecke_Turm_Ost.jpg

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 49.5500, 9.1289