Antike BautenRheinbrohl

Römischer Wachturm 1/8

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Die Reste des römischen Wachturms können besichtigt werden


Der Obergermanisch-Raetische Limes ist mit einer Länge 550 km, von Eining bei Regensburg bis Rheinbrohl am Rhein, das größte Bodendenkmal in Deutschland und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Mit Limes (lat. Grenzweg/-wall) werden dabei die Grenzanlagen des römischen Imperiums bezeichnet, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet wurden.

Diese Grenze wurde durch mehr als 900 Türme überwacht, die in der Entstehungsphase etwa ab 80 n. Chr. in Holzbauweise errichtet wurden. Es folgten Steintürme, die ab 150 n. Chr. verputzt wurden. Durch Ausgrabungen ist bekannt, dass der weiße Verputz oft eingerissene Fugen aufwies, die in Terrakotta ausgemalt waren. Dadurch entstand der Eindruck eines schönen Quadermauerwerks.

Römischer Wachturm 1/8+

Konservierte Stelle zweier Steintürme und eines Holzturms. Die Turmstelle wurde 1894 von der Reichs-Limeskommission entdeckt und unter der Leitung des Streckenkommissars Georg Loeschcke ergraben. Über ein Jahrhundert später, in den Jahren 2005 und 2006, nahm die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in insgesamt drei Kampagnen eine archäologisch Nachuntersuchung und anschließende Konservierung des Fundplatzes vor. Dies war erforderlich geworden, da die Grabungsschnitte mit den Befunden von den frühen Ausgräbern nicht wieder verfüllt worden waren, so dass sie durch die folgende, 110 Jahre andauernde Erosion stark angegriffen wurden. Erschwerend hinzu kamen seit Anfang der 1970er Jahre erfolgende, wiederholte unsachgemäße Freilegungen, sowie insbesondere eine massive Zerstörung durch den Raubbau von Steinmaterial, welches man 1974 zur Pseudo-Rekonstruktion der Turmstelle Wp 1/10 verwendete.

Holzturm

Unter dem westlichen Steinturm konnte aufgrund zweier Pfostenlöcher, von denen eines noch die Pfostenstandspur enthielt ein hölzerner Vorgängerturm nachgewiesen werden. Der Holzturm besaß einen quadratischen Grundriss von 4,25 m Seitenlänge. Er war von einem unterbrechungsfreien Graben von 2,0 m bis 2,4 m Breite umgeben, der einen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken besaß und über eine erhaltenen Resttiefe von 70 bis 94 Zentimetern verfügte. Die Seitenlängen betrugen - von Grabenmitte zu Grabenmitte gemessen - rund neun Meter. Die Verfüllung bestand aus sandigem Lehm mit Schutt von Grauwacke und Sandschiefer. Im obersten Bereich der Verfüllung fanden sich Keramikscherben, die vermutlich im Kontext mit dem Brandschutt des nachfolgenden Steinturms stehen. Die unteren Schichten des Grabens waren mit verziegeltem Lehm und Holkohlepartikeln durchmengt.

Westlicher, älterer Steinturm

Dieser Steinturm wurde nach der Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts genau an der Stelle des Holzturms errichtet, nachdem dieser einem Brand zum Opfer gefallen war. Er hatte einen rechteckigen Grundriss mit Seitenlängen von 4,4 m und 4,3 m. Seine Mauerdicke betrug im Aufgehenden durchschnittlich 90 cm, so dass sich eine relativ kleine Innenfläche von rund 2,5 m mal 2,5 m ergab. Der Fundamentsockel sprang um fünf bis zehn Zentimeter vor und war 30 cm tief in den Boden eingebracht. Bei einer Entfernung von nur gut vier Metern von der Sohle des Wallgrabens und rund sieben Metern vom Palisadengraben war der Turm mit seinen Seiten parallel bzw. rechtwinklig zum Limesverlauf ausgerichtet. Die Turmkonstruktion bestand aus mit Lehm-/Kalkmörtel verbundenen Steinen aus Grauwacke, die wahrscheinlich später sekundär zur Errichtung des jüngeren Steinturms Verwendung fanden. Auf der nordöstlichen Seite des Turmes konnten die Pfostenspuren eines möglichen Baugerüstes festgestellt werden, das entweder zur Konstruktion oder zur Instandhaltung gedient haben kann.

Östlicher, jüngerer Steinturm

Der östliche Steinturm besaß einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 4,4 m (innen 2,6 m) bei einer Mauerstärke von 90 cm im Aufgehenden. Die 0,60%nbsp;m eingetieften Fundamente sprangen um sechs bis zehn Zentimeter vor. Wie sein Vorgänger bestand der Turm aus Grauwacke, die mit Lehm-/Kalkmörtel gebunden war. Ebenfalls wie bei seinem Vorgänger konnten keinerlei Reste von Verputz beobachtet werden. Ein rund 30 cm breiter und 20 cm tiefer, tonig-lehmiger Streifen, der auf der Südostseite des Turmes in 0,7 m Abstand parallel zum Mauerwerk verlief, wurde als mögliche Traufrinne angesprochen. In diesem Fall würde der geringe Abstand einen Dachüberstand zwischen 0,7 m und maximal 1,0 m erlauben, so dass ein außen umlaufender Gang mit ziemlicher Sicherheit auszuschließen wäre.

Limesdurchgang

Im unmittelbaren Bereich der Turmstelle war der Wallgraben und wahrscheinlich auch der Wall auf eine Länge von 9,25 m unterbrochen. Hier muss sich einer der zahlreichen, für die Limesstrecken des Westerwaldes und des Taunus typischen Limesdurchgänge befunden haben. Der eigentliche Übergang muss sich aber rund 100 m weiter in westnordwestlicher Richtung befunden haben, wo eine alte Wegtrasse den Limes kreuzt. Ein weiterer Durchlass wird dort vermutet, konnte und kann aber archäologisch nicht mehr nachgewiesen werden. Zwar waren Wall und Wallgraben unterbrochen, nicht jedoch die Palisade, was auf eine unterschiedliche Zeitstellung hinweist, wie sie sich ja durchaus mit dem Ausbauschema des Obergermanisch-raetischen Limes vereinbaren lässt. Interessant sind drei Gräbchen im Bereich der Grabenunterbrechung, von denen eins bereits von der Reichs-Limeskommission festgestellt und als Drainagerinne des Grabens interpretiert worden war. Aufgrund der zwei weiteren, während der Untersuchungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts festgestellten Gräbchen, an denen ferner die Verwendung von Keilsteinen konstatiert werden konnte, müssen die Befunde jedoch eher als Relikte verschiedener Sperrzäune zur Sicherung der Grabenunterbrechung angesprochen werden. Der zeitliche Zusammenhang zwischen den einzelnen Gräbchen sowie zwischen diesen und dem Palisadengraben ließ sich aufgrund sehr starker Störungen in dem Bereich nicht mehr klären.

Funde und Inschrift

Das Fundaufkommen an der Turmstelle setzte sich hauptsächlich aus gewöhnlicher Gebrauchskeramik des späten zweiten Jahrhunderts mit lediglich vier TS-Fragmenten zusammen. Positiv aus dem Rahmen fiel jedoch das Bruchstück eines Inschriftensteins aus dem Schutt des östlichen Steinturms, auf dem noch vier Textzeilen rudimentär erhalten waren:

4: [(---)L oder E]
5: [(.) Ulp(ius)]
6: [(..)sius]
7: [(Pr)aef(ectus)]

Auf Grund von Analogien zu einem Inschriftenfund aus dem Kastell Saalburg [18] interpretierte der Archäologe Thomas Becker den Fund als möglichen Weihestein für die Göttin Fortuna und schlug folgende, stark ergänzte Lesung vor:

1: [(Deae)]
2: [(Fort)]
3: [(una)e]
4: [M(arcus) Ulp(ius)]
5: [(..)sius]
6: [(Pr)aef(ectus)]
7: [(Coh VII)]
8: [Raet(orum)]
9: [V(otum) S(olvit) L(Libens) L(aetus) M(erito)]

Übersetzt: „Der Göttin Fortuna (hat) Marcus Ulpius (..)sius, Präfekt der 7. Kohorte der Räter, sein Gelübde gerne, freudig und nach Gebühr erfüllt.“ Die Cohors VII Raetorum (equitata) war seinerzeit im südöstlich gelegenen, rund neun Kilometer Luftlinie entfernten Kastell Niederberg stationiert.

Konservierung

Um das Ensemble des Wp 1/8 vor weiterem Vandalismus zu schützen, wurden die Befunde nach den jüngsten Untersuchungen vollständig mit Erde abgedeckt. Die Gemeinde Rheinbrohl erwarb das Gelände und ließ eine Rekonstruktion der Mauern unmittelbar über den Originalbefunden errichten. Der gesamte Bereich wurde in einen kleinen Park integriert.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 50.5132, 7.3658