Die römische Therme kann besichtigt werden
Römische Therme Hüfingen

Die Therme gehörte zu dem Kastell Hüfingen (Brigobannis). Das Kastell ist ein ehemaliges römisches Grenzkastell an der älteren Donaulinie des Raetischen Limes. Es liegt mit dem zugehörigen Vicus als Bodendenkmal auf dem Gebiet des heutigen Hüfingens, einer Stadt des Schwarzwald-Baar-Kreises in Baden-Württemberg.
Das Kastellgelände von Hüfingen befindet sich als oberflächlich nicht sichtbares Bodendenkmal südwestlich der heutigen Stadt, zwischen dem Ortsrand und der Bundesstraße 31.
Bereits in vorrömischer Zeit war das Hüfinger Gebiet besiedelt. So befand sich an dem späteren Kastellstandort auf dem „Galgenberg“ am so genannten „Höhlenstein“ bis zur Mitte des 1. vorchristlichen Jahrhunderts eine La-Tène-zeitliche Siedlung. Der „Galgenberg“ ist ein sich spornartig bis zu 20 m über die Breg erhebender Hügel, der nur von Süden her sanft, aus allen anderen Richtungen jedoch relativ schroff ansteigt.
In antiker Zeit drängte sich diese markante Erhebung mit weitem Rundblick als Kastellstandort geradezu auf. In unmittelbarer Nähe traf die vom Legionslager Vindonissa kommende römische Straße auf die Donausüdstraße, die mit der älteren Donaulinie des Raetischen Limes hier ihren westlichen Anfang nahm. Eine ältere, von Westen durch das Wagensteintal und über den „Turner“ hier herführende Trasse wird vermutet und eine Verlängerung der Strecke von Vindonissa weiter in nördliche Richtung bis nach Arae Flaviae (Rottweil) gilt spätestens ab flavischer Zeit als wahrscheinlich, so dass an dieser Stelle eine nicht unbedeutende Kreuzung römischer Straßen entstanden ist.
Forschungsgeschichte+
Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden durch den damaligen Grundherren Hüfingens, den Reichsritter Hans von Schellenberg (1551/52 bis 1609), am „Galgenberg“ Sondierungsgrabungen vorgenommen und Funde geborgen. Nach dessen Tod geriet der Fundort als solcher aber wieder für mehr als anderthalb Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst 1768 werden in den Oberamtsakten wieder römische Relikte erwähnt.
Einen raschen Aufschwung nahm die Erforschung der römischen Vergangenheit Hüfingens mit der Erstarkung des gebildeten Bürgertums im 19. Jahrhundert und dessen Interesse für die Antike. 1820 wurde der Ort als das auf der Tabula Peutingeriana verzeichnete Brigobanne identifiziert. Noch im selben Jahr veranlasste der für seine Zeit als liberal und aufgeklärt geltende Karl Egon II. zu Fürstenberg (1796-1854), die Durchführung von Ausgrabungen im Bereich des Kastellbads. Nach dem Ende der Grabungstätigkeit wurde das vollständig freigelegte Balineum 1821 mit einem der ersten Museumsschutzbauten in Deutschland versehen. Aus dieser Zeit, konkret aus dem Jahre 1824, stammt auch die erste systematische Beschreibung der römischen Hinterlassenschaften. Der damals achtzehnjährige Schüler des „Badischen Großherzoglichen Gymnasiums zu Freiburg“, Joseph Frick (1806–1875), verfasste sie in den Osterferien im Auftrag seines Lehrers Heinrich Schreiber (1791–1872) in lateinischer Sprache .
Während der folgenden Jahrzehnte fanden immer wieder kleinere Ausgrabungen und Sondierungen statt, bei denen unter anderem das Horreum (Getreidespeicher) des Kastells freigelegt und, mit den Kenntnissen der Zeit, zunächst als Tempel fehlinterpretiert wurde. 1913 schließlich begannen die archäologischen Untersuchungen der Reichs-Limes-Kommission, die, mit kriegs- und nachkriegsbedingten Unterbrechungen, bis 1932 andauerten. Die Untersuchungsergebnisse, die 1937 publiziert wurden, bilden die Grundlage des heutigen Wissens über die römische Vergangenheit Hüfingens. Mit dieser Publikation ist Hüfingen auch das einzige römische Militärlager der älteren Donaulinie des Raetischen Limes, das von der Kommission erfasst wurde.
Therme+
Der am frühesten freigelegte, am gründlichsten erforschte und schließlich unter einem Schutzbau konservierte Bestandteil der römischen Hinterlassenschaften in Hüfingen ist sicherlich die Therme, das Balineum, welches bei jedem römischen Kastell anzutreffen ist. Die Thermen wurden außerhalb des rein militärischen Kastellbereichs errichtet und standen auch der Zivilbevölkerung zur Verfügung. Letztere musste, im Gegensatz zu den Soldaten, ein geringes Entgelt für die Benutzung der Bäder entrichten.
Die Hüfinger Therme befindet sich westlich des Kastells in einem Taleinschnitt unterhalb des „Galgenbergs“. Es handelt sich bei ihr um ein Balineum des Blocktyps, bei dem alle Räume möglichst kompakt zusammengefasst wurden. Es nimmt – ohne Anbauten – eine Fläche von rund 570 m² ein, wovon alleine knapp 280 m² auf das großzügig angelegt Apodyterium (Umkleide- und Ruheraum) entfallen. An das Apodyterium schließen sich südlich zwei Raumfluchten an, von denen die westliche mit einer Hypokaustanlage versehen ist, mit der das Caldarium und das Tepidarium beheizt wurden. In der östlichen Raumflucht befand sich neben dem unbeheizten Frigidarium mit seinem separaten Kaltwasserbecken das Praefurnium, von dem aus der östliche Teil des Gebäudes beheizt wurde. Ein an der nordwestlichen Ecke des Gebäudes befindliches, kreisrundes Sudatorium wurde wohl separat beheizt. Ob über ein eigenes Praefurnium, wofür der Fund eines einzelnen Tubulus (Heizkachel) spräche, oder über ein einfaches, im Raum aufgestelltes Kohlebecken, ließ sich nicht mehr ermitteln, da der Bereich zum Zeitpunkt der Ausgrabungen bereits stark zerstört war. Der an der nordöstlichen Ecke des Gebäudeblocks angesetzte Raum dürfte wohl dem Personal der Therme als Aufenthalts- und Arbeitsraum gedient haben.
In Abweichung zum Kastell wurde das Balineum ausweislich des datierbaren Fundmaterials vermutlich erst in frühvespasianischer Zeit um das Jahr 70 n. Chr. erbaut. Ein Vorgängerbau ist jedoch nicht bekannt. Nach dem Abzug der Garnison wurde das Bad von den Vicusbewohnern weiterbenutzt.
Kastell+
Die genaue Datierung des Hüfinger Militärlagers wurde in der provinzialrömischen Archäologie lange Zeit diskutiert und ist auch heute noch nicht gänzlich gesichert. Seinen Anfang dürfte das Kastell in frühclaudischer Zeit zwischen 41 und 45 n. Chr. genommen haben. Ein erster Ausbau des Lagers wird im Allgemeinen in spätclaudischer/frühneronischer, ein letzter Ausbau in frühflavisch-vespasianischer Zeit zwischen 70 und 75 n. Chr. angenommen. Letzterer muss in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Feldzug des Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens im Dekumatland und des von ihm betriebenen Ausbaus der Kinzigtalstraße gesehen werden. Mit der Vorverlegung des Limes auf die Alblinie dürfte sich um die Jahre 80/85 n. Chr. die militärische Bedeutung des Hüfinger Kastells erledigt haben, wenngleich vereinzelt seine Existenz bis ins früheste 2. Jahrhundert vermutet wird.
Bei dem Hüfinger Kastell handelt es sich um das komplexe System einer mehrphasigen Anlage mit nach Art einer Vorburg vorgenommenen Erweiterungen, das von einem ebenso komplexen Grabensystem mit mindestens 18 einzelnen Gräben in drei- bis vierfacher Grabenstaffelung umgeben ist. Es besitzt einen unregelmäßigen Grundriss, der sich den topographischen Gegebenheiten des Bergsporns angepasst hatte, und nimmt für die Anfangsphase eine Fläche von knapp 2,5 Hektar , in seiner letzten Ausbauphase eine Fläche von 3,4 bis 3,6 Hektar in Anspruch.
Aufgrund seiner Größe und des Fundmaterials kann – zumindest für die letzte Ausbauphase – eine namentlich nicht bekannte Ala, eine Kavallerieeinheit, als Besatzung angenommen werden.
Das Kastell war in allen Bauphasen von einer Holz-Erde-Mauer umwehrt. Auch bei den Innenbauten, von denen einige Mannschaftsbaracken und die Principia (Stabsgebäude) nachgewiesen werden konnten, handelte es sich überwiegend um Holz- oder Fachwerkgebäude. Das einzige Gebäude, das über steinerne Fundamente verfügte, war das von den ersten Ausgräbern als „Tempel“ fehlinterpretierte Horreum (Speichergebäude).
Das Lager war mit seiner Prätorialfront nach Süden hin ausgerichtet. Nur diese Seite war flach abfallend genug, um einer berittenen Einheit als Ausfallebene zu dienen.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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