Der Reichsburgrest kann besichtigt werden
Reichsburgrest Landskron

Die Burg Landskron, auch Ruine Landskrone genannt, ist die Ruine einer hochmittelalterlichen Höhenburg bei der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz (Deutschland). Die Höhenburg ist Stammsitz der Burggrafen von Are und hat eine bedeutende Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen gespielt.
Die Ruine steht auf dem weithin sichtbaren Basaltkegel Landskrone (271,7 m ü. NHN), der sich am unteren Ahrtal östlich von Bad Neuenahr zwischen Gimmigen im Nordnordwesten, Heppingen im Westen, Heimersheim im Süden und Lohrsdorf im Osten erhebt. Der Berg hieß früher „mons Gimiche, (Gimmiger Berg)“ und wird heute nach der ehemaligen Burg „Landskrone“ genannt.
Die römische Warte
Nach der Funktion als germanische Thingstätte diente der dominante Basaltkegel den Römern als Warte und militärischem Stützpunkt. Durch die Nähe zum Kastell Rigomagnus damit dauerhaft verbunden. Nach dem Fall des Limes um 300 n. Chr. zählte die Landskron zu einer Kette von Höhenbefestigungen um das römische Hinterland zu schützen. Zahlreiche römische Funde wurden 1910 beim Neubau von einem Gasthaus auf den Ruinen der Landskron gemacht. Daraufhin erfolgten Grabungen und archäologische Untersuchungen der gesamten Unterburg durch das Landesmuseum der Rheinprovinz in Bonn. Die umfangreiche Sammlung, des Gastronom und Heimatforschers, Heinrich Josef Möhren ist leider durch die Zerstörung von dem Gasthaus im Zweiten Weltkrieg und späterem Hausbrand verloren gegangen.
Die mittelalterliche Burg
Die mittelalterliche Geschichte der Reichsburg Landskron beschreibt der Historiker Valentin Ferdinand Gudenus eingehend, der das Landskroner Archiv 1747 im zweiten Band seines Codex diplomaticus (S. 929−1368) vollständig abdrucken ließ.
Die Reichsburg Landiscrone wurde im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den Welfen um Otto IV. und den Staufern um Philipp von Schwaben um die Herrschaft im Deutschen Reich errichtet. Beide wurden nach dem Tode des Barbarossa-Sohnes Heinrich VI. 1198 zu deutschen Königen gekrönt. Am 21. Juni 1208 wurde Philipp in Bamberg vom bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach aus persönlicher Rache erdolcht. 1206 wurde zur Absicherung der damals wichtigsten und verkehrsreichsten Straße, der Krönungsstraße Frankfurt-Aachen, im Auftrag des Königs Philipp von Schwaben mit dem Bau der Reichsburg Landskron begonnen. Vor der Errichtung der Höhenburg musste der Bergkegel abgeflacht werden. Die Burg diente zugleich als Befestigung für das damalige kaiserliche Territorium um Sinzig, Remagen, Heimersheim. König Philipp von Schwaben setzte den Trierer Ministerialen Gerhard („Gerischwin") von Sinzig zum ersten Burgverwalter ein; 1207 wurde Gerhard erstmals im Gefolge des Königs Philipp genannt. Nach dessen Ermordung übertrug Otto IV., der das Königtum übernommen hatte, den Weiterbau Weihnachten 1208 wieder an den Burggrafen Gerhard. Ottos Nachfolger, der Staufer Friedrich II., übernahm Gerhard nach Ottos Tod in seinem Amt.
Gerhard I. von Sinzig wurde der Stammvater einer burggräflichen Linie der Gerharde. Fünfmal hintereinander erhielten von 1202 an die Söhne der männlichen Burggrafen-Linie den gleichen Vornamen, wobei nicht die Geburtsjahre, sondern nur die Daten der jeweiligen urkundlichen Ersterwähnungen und die Todesdaten feststellbar sind: Gerhard I. 1202−1237, Gerhard II. 1238−1273, Gerhard III. 1276−1296, Gerhard IV. 1298−1369 und Gerhard V. 1333−1344. In diesen Jahrzehnten waren die Gerharde vielfach in die deutsche Reichs- und Kaiserpolitik verflochten. So unterhielt Gerhard IV. als Vasall lehnsrechtliche Beziehungen zu vier der sieben deutschen Kurfürstentümer, namentlich zu den rheinischen Erzbischöfen von Köln, Mainz und Trier sowie zum Pfalzgrafen bei Rhein.
Vor 1252 verpfändete der Graf von Neuenahr das Dorf Gimmigen an Gerhard Burggraf zur Landskron. Später erscheint Gimmigen mit Kirchdaun als gemeinschaftlicher Besitz der Grafschaft Neuenahr und der Herrschaft Landskron, Green bei Lohrsdorf wurde 1333 von Gerhard von Landskron gekauft. Spätestens 1341 gehörte Lohrsdorf zur Reichsritterschaft Landskron. Ebenfalls zur Herrschaft Landskron gehörten die Dörfer Nierendorf und Oedingen sowie zeitweise die Herrschaft Königsfeld mit Dedenbach und Schalkenbach und Vinxt sowie Heckenbach in den kaiserlichen Wäldern südlich entlang der unteren Ahr und weiterhin zeitweise die Herrschaft Oberwinter mit Birgel und Bandorf. Nach dem Tode Gerhards IV. im Jahr 1369 endete die männliche Nachkommenschaft der Reichsritter von Landskron. Sein Schwiegersohn Friedrich von Tomburg und dessen Frau Kunigunde erbten nun die reichsunmittelbare Herrschaft; die weitverzweigte weibliche Linie wurde in der Folge Erbe von Landskron. Es begegnen uns folgende Besitzer: von Tomburg, von Sombreffe, ab 1450 bis 1622 die Quadt von Landskron, ferner die von Eynenburg, von Plettenberg, von Harff, von Eltz-Pyrmont, Waldbott von Bassenheim, von der Leyen, von Forst-Lombeck, von Rheineck, von Manderscheid, von Brempt, von Nesselrode, 1775 sind es die Freiherren von Clodt. Um 1800 war Freiherr vom Stein Mitbesitzer der Burg, der ein Nachkomme der von Quadt war. Wegen der französischen Fremdherrschaft verkaufte er seinen Anteil an den Grafen Boos von Waldeck.
1441 wurde die Herrlichkeit Oberwinter geteilt. Die eine Hälfte ging als Mitgift an die Herren von Saffenburg, die andere Hälfte an die Herren Quadt von Landskron. 1478 kam noch Bodendorf, das zunächst zum Reichsgut Sinzig gehört hatte und seit 1246 eine Exklave der Herrschaft Saffenburg war, in den Besitz der Herren der Herrschaft Landskron.
1659 kam es zu einem Tausch von Rechten und Territorien: Phillip Wilhelm von Pfalz Neuburg vollzog als Herzog von Jülich mit Genehmigung des Kaisers Leopold I. (HRR) als oberster Lehnsherr mit dem Trierer Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen und der Witwe Maria Waldbott von Bassenheim zu Gudenau und deren Sohn Otto Werner einen Tausch. Jülich erhielt den Waldbott'schen Anteil am Reichslehen Landskron und die Dörfer Vinxt und Schalkenbach mit den dortigen Wiesen, Wäldern, dem Landskroner Hof mit dem adeligen Sitz zu Sinzig, dem Gudenau'schen Anteil an den Dörfern Lohrsdorf, Lantershofen und Heppingen. Dagegen gab Jülich dem Erzbischof und seinem Standesgenossen Freiherr von der Leyen zu Adendorf seine Dingstühle Adendorf und Eckendorf, der Witwe Waldbott von Bassenheim und ihrem Sohn zu Gudenau seinen Dingstuhl Villip, bisher im Jülich'schen Amt Neuenahr. Adendorf mit Arzdorf und Eckendorf wurde dadurch reichsunmittelbare Herrschaft der Familie von der Leyen zu Adendorf. Villip mit der Wasserburg Burg Gudenau wird ebenfalls eine reichsunmittelbare Herrschaft. Die Burg Landskron gehörte allerdings nur zu einem Drittel dem Herzog von Jülich, diesen Teil belegte er mit einer Garnison, was zu erheblichen Streitigkeiten mit dem Freiherrn Johann von Bremt dem Eigentümer der anderen zwei Drittel aus dem Einenberger Anteil führte. Wohl unter dem Einfluss von Kaiser Leopold I. hat der Herzog von Jülich die Schuld gegenüber dem Freiherrn von Bremt anerkannt. Am 16. Februar 1669 verpfändet er dem Freiherrn Wilhelm von Bremt den Einenberger, nun mehr jülicher Anteil an Haus und Herrschaft Landskron.
Die Burg Landskron mit der Herrschaft Landskron kam damit zu einem großen Teil an das angrenzende Herzogtum Jülich, das seit 1337 immer größere Rechte im vorher rein kaiserlichen Sinzig und Remagen von den Kaisern Ludwig der Bayer und Karl IV. erlangen und seit 1546 die an der anderen Seite angrenzende Grafschaft Neuenahr einverleiben konnte.
Die jüliche Festung und Garnison
In den Jahren 1659 bis 1682 wurde die Burg Landskron mit einer Garnison belegt, die Truppe gehörte zu einer Kompanie, die unter dem Befehl des Generalwachtmeisters und Gubernators zu Jülich, Freiherrn von Pallandt stand. In diesem Zeitraum gab es drei Kommandanten auf Burg Landskron: Kapitänleutnant Gottfried Grunter (1659–1674), Obristwachtmeister Hans Heinrich de Grane (1674–1676) und Hauptmann Wilhelm Oswald von Pampus (1676–1682). Die Mannschaft bestand zunächst aus zehn Soldaten, während dem Holländischen Krieg im Jahr 1672 wurde sie durch Musterung und Aushebung auf 50 Mann verstärkt. Nach der großen Feuersbrunst in der Nacht vom 20. zum 21. September 1677, ausgelöst durch einen Blitzeinschlag, erfolgten notdürftige Reparaturen der Außenmauern zur Erhaltung der Wehrfähigkeit.
Die Zerstörung der Burg
Der neue Besitzer Philipp von Pfalz-Neuburg (und als solcher seit dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit seit 1614 auch Herzog von Jülich) ließ 1682 seine bereits durch eine Feuersbrunst im Jahre 1677 beschädigte Burg Landskron schleifen. Zunächst gab es Kostenvoranschläge zur Instandsetzung der Burg Landskron in Höhe von 973 Reichstalern. Während der Pfalzgraf Philipp Wilhelm immer noch an einem Erhalt der Reichsburg Landskron festhielt, gab sein Sohn Johann Wilhelm (Jan Wellem) als Nachfolger zum Neujahrstag 1682 zwei Befehle zur Ausführung von einem Zerstörungsplan. Die umliegenden Ortschaften mussten dafür Männer mit Arbeitsgerät stellen. Am 8. Januar kamen 17 jülicher Facharbeiter zur Sprengung von dem Kronenturm, innerhalb von drei Wochen erfolgte die Zerstörung, bereits am 30. Januar rückte die Garnison ab nach Düsseldorf. Des Weiteren, sie durch mögliches Festsetzen von feindlichen Truppen wohl mehr zur Bedrohung als zur Absicherung der zu seinem Herzogtum Jülich gehörigen Ämter Neuenahr sowie Remagen-Sinzig geworden war. Nach der Schleifung erfolgte noch eine Klage auf Schadenersatz durch den Freiherrn von Bremt als Miteigentümer über 16000 Reichstaler zum Wiederaufbau seiner Gebäude. Im Jahr 1693 versprach Herzog Johann Wilhelm die Auszahlung von einem Schadenersatz von 6000 Reichstalern in jährlichen Raten von 500 Reichstalern. Wenig später kam es zum Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697), bei dem weitere Burgen wie Burgbrohl, die Burg Olbrück, die Burg Rheineck und Städte wie Sinzig und Ahrweiler in der Umgebung zerstört wurden.
Nimm Mobile Geschichte mit auf die Reise
Diesen Text liest du gerade kostenlos. Mit Premium kommt dazu, was unterwegs zählt: Beschreibungen vorlesen lassen, Objekte durch die Kamera finden, Regionen offline mitnehmen.
- Alle Beschreibungstexte, auch die der ~17.700 Premium-Objekte
- Audio-Guide: Beschreibungen unterwegs vorlesen lassen
- AR-Sucher: Objekte durch die Kamera sehen, mit Entfernung und Richtung
- Unbegrenzte Merkliste
14 Tage kostenlos testen, danach ab 2,99 € im Monat. Jederzeit kündbar.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Axel Hindemith / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
Lage: 50.5514, 7.1723