Musikzentrum
Hauswirtschaftsschule
Restaurant
Museum
Kloster Rheinau
Das Benediktinerkloster Rheinau in der heutigen Schweizer Gemeinde Rheinau im Kanton Zürich wurde etwa 778 gegründet und 1862 aufgehoben. Von 1867 bis 2000 war in den Klostergebäuden eine psychiatrische Klinik untergebracht.
Ab Sommer 2013 soll auf der Rheinau ein Musikzentrum betrieben werden, das Jugendlichen und Erwachsenen aus der ganzen Schweiz für Konzertvorbereitungen, musikalische Wettbewerbe und Seminare offen steht. Dieses Projekt, das von der Stiftung «Schweizer Musikinsel Rheinau» getragen wird, soll zu zwei Dritteln durch den Kanton und zu einem Drittel durch eine Privatspende finanziert werden. Ergänzend sollen auch eine Hauswirtschaftsschule, ein Restaurant, sowie ein Museum eingerichtet werden.
Die Gründung des Klosters Rheinau auf einer strategisch hervorragend geschützten Rheininsel die von einer Rheinschlaufe umflossen wird, soll ins Jahr 778 fallen. Von Deutschland aus erreicht man es über die alte Rheinbrücke Rheinau–Altenburg. In einer Urkunde erscheint das Kloster erstmals 844. Im Jahr 850 wird als erster Abt Anwarth genannt. Der zweite Abt, Abt Wolven (858-878) übergibt das von seinen Vorfahren gegründete Kloster dem König Ludwig der Deutsche er erhält es am 12. April 858 zu lebenslangen Besitz zurück. Zeitgenosse von Wolven I. ist der hl. Fintan von Rheinau. Bereits im 13. Jahrhundert bestand hier auch eine Klosterschule.
Bereits 1114 wurde eine romanische Basilika geweiht und 1120 die heute noch existierende Urkundensammlung angelegt. Die frühe Geschichte des Klosters – wie bei den meisten Klöstern dieser Zeit – wechselt zwischen reicher Beschenkung und Privilegierung durch die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sowie Bedrängung und Beraubung durch die Schirmvögte. Im Jahr 1126 befestigte Graf Rudolf von Lenzburg die beim Kloster entstandene Siedlung Rheinau.
Gegen den stärker werdenden Anspruch der Grafen von Sulz wurde 1455 mit der Eidgenossenschaft ein Schutzvertrag abgeschlossen, der das Kloster zunächst vor weiteren Übergriffen der benachbarten klettgauischen Adelsfamilien bewahrte. Von Zürich her griff 1529 die Reformation auch auf Rheinau über, und das Kloster musste kurze Zeit aufgegeben werden. 1532 wurde das Kloster wiederhergestellt und entwickelte sich zu einem Zentrum der Gegenreformation.
Im 18. Jahrhundert erlebte das Kloster Rheinau, ähnlich wie das Kloster St. Gallen, eine späte Blüte unter dem Abt Gerold II. Zurlauben. Er liess die Klosterkirche St. Maria mit ihrer wuchtigen Doppelturmfont (1710 geweiht) und die Konventsgebäude bis 1744 im barocken Stil prunkvoll erneuern. Für den Kirchenbau zeichnete Franz Beer verantwortlich, die weiteren Gebäude wurden von Johann Michael Beer erstellt. Die Klosteranlage hat bis heute im Wesentlichen die damals geschaffene Gestalt bewahrt. Die Fresken stammen vom Tessiner Maler Francesco Antonio Giorgioli aus Meride. Die Hauptorgel entstand 1711–1715 durch Johann Christoph Leu, die 1710 von Johann Christoph Albrecht erbaute Chororgel wurde 1746 durch Johann Conrad Speisegger erweitert. Der Bildhauer Johann Josef Auer schuf hier unter anderem die Schnitzereien für den Taufstein und weitere Schnitzwerke.
Während der Wirren nach dem französischen Einmarsch in die Schweiz im Jahr 1798 wurde das Kloster vorübergehend aufgelöst, 1803 im Rahmen der Mediation aber wiederhergestellt. Das Gebiet des Klosters mit dem Städtchen Rheinau wurde dem wiederhergestellten Kanton Zürich zugeordnet. Nach der liberalen Neuordnung des Kantons wurde 1834 das Kloster unter kantonale Aufsicht gestellt und schliesslich 1836 die weitere Aufnahme von Novizen verboten. Der letzte Abt schenkte seinen Abtsstab der jungen Erzabtei Beuron.
Der ältere spätgotische Stab ging in die 1854 in Spencer County gegründete Erzabtei St. Meinrad.
Ehemalige Bibliothek+
Bekannt als Historiker wurde Pater Mauritius Hohenbaum van der Meer (1718–1795). Auch die Wissenschaften, sowie Musik und Theater wurden gepflegt. Berühmt war die Mittelalterliche Bibliothek mit Handschriften und frühen Drucken, sowie ein Kunstkabinett. Der Historiograph und Sammler Georg Wilhelm Zapf bereiste auf seinen Forschungsreisen unter anderem auch das Kloster St. Blasien das Kloster Rheinau und berichtet darüber in seinem Buch: Reisen in einige Klöster Schwabens, durch den Schwarzwald und in die Schweiz. Im Jahr 1781. Worinn von Bibliotheken, Alterthümern, Geschichte und vom Zustand der Litteratur überhaupt Nachricht gegeben wird es erschien im Selbstverlag, 1786 bei Johann Jakob Palm in Erlangen.
Aufhebung des Klosters+
1862 beschloss der Kantonsrat die endgültige Aufhebung des Klosters. Das Klosterarchiv wurde dem Staatsarchiv des Kantons Zürich einverleibt. In den Konventsgebäuden wurde 1867 eine kantonale Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet. Die spätere kantonale psychiatrische Klinik wurde Ende 2000 geschlossen. Seither stehen die Klostergebäude auf der Insel leer und erwarten eine neue Nutzung. Seit dem 1. Februar 2003 leben dort die Schwestern von Kehrsiten; Sie nennen sich auch Schwestern der Spirituellen Weggemeinschaft. Die Klosterkirche wird von der katholischen Kirchgemeinde Rheinau genutzt.
Neuzeit+
Die ehemaligen Nebengebäude des Klosters am Klosterplatz, das „Gästehaus“, Stallungen, Klosterscheune und Wohnhäuser werden seit 1999 von der Stiftung Fintan mit verschiedenen Betrieben (Sozialtherapie, Biologisch-dynamische Landwirtschaft Gut Rheinau u.a.) genutzt. Im ehemaligen Klostergarten wird von der Sativa Rheinau AG biologisches Saatgut vermehrt und neue Gemüsesorten gezüchtet. Ausserdem befindet sich dort ein Traubensortengarten zur Prüfung neuer Rebsorten für den ökologischen Weinbau.
In den Jahren 2003–2005 wurden Teile der Nebengebäude durch die Stiftung Fintan und kantonale Stellen saniert, u.a. wurde der ehemalige "Kaisersaal" im "Gästehaus" nach historischem Vorbild (Wandmalereien) restauriert.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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