KlosterReichenbach

Kloster Reichenbach

Kloster Reichenbach

Fachschule für Heilerziehungspflege

Das Kloster Reichenbach am Regen ist ein Kloster der Barmherzigen Brüder vom hl. Johannes von Gott in der Gemeinde Reichenbach (Landkreis Cham) in Bayern in der Diözese Regensburg.

Die Barmherzigen Brüder haben Ende des 19. Jahrhunderts eine Heil - und Pflegeanstalt für geistig und körperlich Behinderte in den Gebäuden des früheren um 1118 gegründeten Klosters der Benediktiner eingerichtet. Heute gibt es auch eine Fachschule für Heilerziehungspflege in der Einrichtung.

Die ehemaligen Benediktinerabtei+

Klostergründung

Das Maria Himmelfahrt geweihte Kloster der Benediktiner wurde 1118 durch Markgraf Diepold III. von Vohburg und seine Mutter Luitgard, Tochter des Herzogs Berthold II. von Zähringen, gegründet. Luitgard sorgte für die Besiedlung mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Kastl bei Amberg. Reichenbach erlebte in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens eine frühe Blüte. Schon 1135 konnte die Kirche durch Bischof Heinrich I. von Regensburg geweiht werden. Der Brand des Klosters 1181 brachte einen Rückschlag, doch der Wiederaufbau gelang sehr rasch. Die Bestätigungen der Schutzbriefe durch Papst Lucius III. und Kaiser Friedrich I. im Jahre 1182 bestärkten die Rechtsstellungen des Klosters von neuem.

13. und 14. Jahrhundert

Nachdem die Wittelsbacher 1204 die Vogtei übernommen hatten, verlor Reichenbach seine regionale Bedeutung. Es sank zu einem Landkloster herab. Im 14. Jahrhundert vollzog sich eine Wende zum Besseren. Unter Abt Friedrich II. Heinrichsreutter (1320–1346) herrschte wieder eine ausgezeichnete Klosterdisziplin. Dieser Abt war Beichtvater von Kaiser Ludwig IV. und wurde von diesem mit der Gründung des Klosters Ettal betraut.

Gotische Bauphase und Kastler Reform

1394 wurde Johannes Strolenfelser, ein Mitglied des Kastler Konvents, als Reformabt eingesetzt und Reichenbach in der Folgezeit ein Reformzentrum. Nach Einführung der Kastler Reform leisteten die Äbte auf baulichem und wissenschaftlichem Gebiet Bedeutendes. Anfang des 15. Jh. wurde das Kloster weitgehend neu im gotischen Stil erbaut und Befestigungsanlagen errichtet. Diese verhinderten 1428 und 1433 die Eroberung durch die Hussiten. Bis zum Ende des 15. Jh. fanden auch die Wissenschaften, vor allem Mathematik und Astronomie eine besondere Förderung. Der astronomische Turm nordöstlich der Klosterkirche ist ein sichtbarer Überrest dieser Bestrebungen. Es wurden aber auch Theologie und die Geisteswissenschaften gepflegt; die Bibliothek umfasste damals über 1.000 Bände.

Klosteraufhebung und Wiederentstehung

1556 erfolgte die erste Aufhebung des Klosters, nachdem Kurfürst Ottheinrich in der gesamten Kurpfalz die Reformation eingeführt hatte. Die Bilderstürmer vernichteten um 1570 viele Kunstwerke.

Nachdem Maximilian von Bayern 1621 die Oberpfalz im Auftrag des katholischen Kaisers erobert hatte, erfolgte in Reichenbach die Rekatholisierung. 1661 zogen die Benediktiner wieder ein, allerdings noch unter kurfürstlich-bayerischer Administration und ab 1669 unter der Verwaltung von Kloster Sankt Emmeram in Regensburg.

Barocke Bauphase

Ab 1695 war das Kloster wieder eine selbständige Abtei. In dieser zweiten benediktinischen Epoche wurden die Klostergebäude anstelle des mittelalterlichen Konventbaus von Grund auf neu erbaut und die Kirche im spätbarocken Stil umgestaltet. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. entfalteten die Reichenbacher Benediktiner eine rege wissenschaftliche und literarische Tätigkeit.

Säkularisation und versuchter benediktinischer Neuanfang

Diese Tätigkeiten endeten mit der zweiten Auflösung des Klosters, die 1803 im Zuge der Säkularisation in Bayern erfolgte. Die Kirche ist seitdem eine Filialkirche der Pfarrei Walderbach. Das Klostergut wurde Staatseigentum. Erst 1820 wurden die Gebäude versteigert. Die Klostergebäude fanden unterschiedliche Verwendungen, u.a. gründete Heinrich Waffler 1841 eine Steingutfabrik, die er bis 1863 betrieb.

Am Ende des 19. Jahrhunderts kehrte nochmals für wenige Jahre benediktinisches Leben nach Kloster Reichenbach zurück: 1883 erwarb der Kunstreferent des Bistums Regensburg Domvikar Georg Dengler das Kloster und überließ es Pater Andreas Amrhein aus der Benediktinerabtei Beuron, der hier mit dem Aufbau einer benediktinischen Missionsgemeinschaft begann (die spätere Benediktinerkongregation von St. Ottilien); doch bereits 1887 verließ die Gemeinschaft Kloster Reichenbach und gründete bei Emming am Ammersee das Kloster Sankt Ottilien.

Baubeschreibung und Baugeschichte der Benediktinerabteikirche+

Allgemeines

Die romanische Basilika, welche aus einem Langhaus, zwei Seitenschiffen und zwei Türmen besteht, verweist auf die Hirsauer Bauschule. Die ursprünglich drei Apsiden im Osten wurden 1300 durch einen gotischen Chor ersetzt. Dem romanischen Westwerk wurde 1716 eine barocke Fassade vorgebaut. In die Gotik ist der Chor (um 1300), die eingewölbten Seitenschiffe (15. Jh.) und die erhöhten Kirchtürme einzuordnen.

Innenausstattung

Aus der Romanik ist außer den beiden Türklopfern am Außenportal nichts mehr erhalten. Gotisch sind das Stiftergrabmal (1304) des Markgrafen Diepold III., seine Mutter Luitgard und weiteren Familienmitgliedern. Am ersten Pfeiler des südlichen Landhauses befindet sich eine gotische Madonna mit Kind (ca. 1420), ein Werk des Weichen Stils. Der berühmte Thronende Christus, ein bedeutendes romanisches Bildwerk Bayerns, befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum in München.

Fresken

Die Deckenfresken reichen jeweils über zwei Jochen und sind von vier Medaillons in den Stichkappen umgeben. Alle Arbeiten sind in die Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert einzuordnen. Gezeigt wird König David, die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige. Zwei Kuriositäten befinden sich im mittleren Deckengemälde. Ein Vorderbein eines Pferdes ist im Stuck plastisch herausgearbeitet und einem Hund kann man von allen Seiten in die Augen schauen.

Stuck

Der Reichenbacher Stuck beeindruckt durch Formenreichtum und fein abgestimmte Farbigkeit. Er besteht aus Bandelwerk mit C - Bögen, Ranken mit grünen Blattwerk, Muschelwerk, Blütengirlanden und Gitterstuck. Die Kreuzgratgewölbe der Seitenschiffe sind gleichwertig dekoriert wie die Vorhalle. Die Stuckarbeiten werden Jakob Appiania (1687 - 1742) zugeschrieben.

Hochaltar

Der barocke Hochaltar "Mariä Himmelfahrt" wird Otto Gebhard zugeschrieben. Links vom Tabernakel steht der Heilige Benedikt und rechts die Heilige Scholastika.

Seitenaltäre

Der Marienaltar und der Kreuzaltar erschienen beide ähnlich. Die gedrehten Säulen verweisen auf den Hochaltar. Die spätgotische Marienstatue hat den Ikonoklasmus überstanden und wird heute noch als Gnadenbild verehrt. Das schwarze Kruifixus ist in seiner Art einzigartig und ein Ebenholzwerk des 17. Jahrhunderts.

Nebenaltäre

Im südlichen Seitenschiff befindet sich der klassizistischer Ornamentik verzierte Sebastian - Altar (1716/18). Gegenüber, im nördlichen Seitenschiff befindet sich der Heilige - Sippe - Altar, welche in der Gestaltung auf den Sebastian - Altar verweist. Ebenfalls im südlichen Seitenschiff steht aus der Rokokkozeit gefertigte Benedikt - Altar (18. Jahrhundert). Sein Pendant ist der Schutzengel - Altar im nördlichen Seitenschiff.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.

Lage: 49.1828, 12.3483