Diakonischen Einrichtung für Jugend- und Behindertenhilfe Mariaberg e.V.
Kloster Mariaberg

Das Kloster wurde bis zur Säkularisierung 1802 durch das damalige Herzogtum Württemberg etwa 600 Jahre von Nonnen bewirtschaftet. Es wurde wahrscheinlich von den Grafen von Gammertingen gegründet und stand später samt dem ihm gehörenden Bronnen unter der Vogtei der Herrschaft Gammertingen. Zunächst waren es Augustinerinnen, dann ab Ende des 13. Jahrhunderts bis 1802 Benediktinerinnen, die darin lebten, wobei die letzte Ordensschwester allerdings erst 1837 das Kloster verließ, das daraufhin zehn Jahre leer stand. Am 1. Mai 1847 bezog der Uracher Oberamtsarzt Carl Heinrich Rösch (Lebensdaten: 1807–1866) mit einer Gruppe von als geistig behindert geltenden jungen Menschen und Betreuungspersonal das vormalige Kloster und gründete die „Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg“.
Neben seiner empirischen Forschung – beispielsweise zur Verbreitung des Alkoholismus im Königreich Württemberg – und seinem bahnbrechenden Einsatz für eine humanistische Behindertenhilfe war Rösch ein überzeugter Liberaler und Unterstützer der demokratischen Bewegung, die zur bürgerlichen Märzrevolution von 1848 in den Fürstentümern des Deutschen Bundes führte. Nach der Niederschlagung dieser Revolution sah er sich zur Emigration in die USA veranlasst, wo er sich letztlich in Texas niederließ. Die von ihm aufgebaute Behinderteneinrichtung in Mariaberg blieb jedoch bestehen und wurde von seinen Nachfolgern ausgebaut.
Das zentrale ehemalige Klostergebäude ist heute der Verwaltungssitz der ursprünglich von Rösch gegründeten, 1966 in Mariaberger Heime umbenannten Einrichtung für ambulante und stationäre Hilfen für Menschen mit unterschiedlichen geistigen, körperlichen oder psychischen Behinderungen aller Altersgruppen. Nach 1945 wurde die Einrichtung Mitglied des Diakonischen Werkes Württemberg.
Mariaberg gilt als älteste Komplexeinrichtung der Behindertenhilfe in Deutschland, die von Beginn an einen über eine bloße Verwahranstalt hinausgehenden Ansatz hatte. Dieser Ansatz beinhaltete bereits bei der Gründung im 19. Jahrhundert einen damals revolutionären Anspruch der Behindertenbetreuung und -Förderung auf medizinisch-wissenschaftlicher Grundlage – mit Angeboten der Beschulung, der Beschäftigung und des Wohnens.
Bei alledem blieb Mariaberg im Lauf der Geschichte von historisch verhängnisvollen Entwicklungen nicht ausgespart. Besonders gravierend war hierbei die im Rahmen des so genannten „Euthanasie“-Programms Aktion T4 des NS-Regimes 1940 durchgeführte Deportation von 61 Männern und Frauen in die etwa 25 Kilometer östlich gelegene Anstalt Grafeneck, wo sie zusammen mit insgesamt etwa 10.000 weiteren Behinderten ermordet wurden. In zwei Transporten wurden die Mariaberger mit den so genannten Grauen Bussen abgeholt. Zur Erinnerung an diese Opfer des Nationalsozialismus wurde 1990 eine Gedenkstätte als Mahnmal mit fünf abgestuften, in Richtung Grafeneck kleiner werdenden Steinsäulen neben der Mariaberger Klosterkirche errichtet. Die drei Gedenktafeln vor dem ansteigenden (Feuer und Asche symbolisierenden) Wall aus Lavakies zählen unter der Überschrift „Wenn die Menschen schweigen, so werden die Steine schreien (Lukas, Kap. 19, 40)“ die Namen und jeweiligen Geburtsjahre der ermordeten Mariaberger Opfer auf, bevor der Text mit den Worten endet: „Ihr Tod verpflichtet uns, allem Denken und Tun zu widerstehen, das menschliches Leben in lebenswert und lebensunwert einteilen will. – „Und vergib uns unsere Schuld“ (Matthäus 6,23)“. Seit 1991 wird im Zusammenhang mit der bundesweiten Ökumenischen Friedensdekade durch Mariaberg und das Lebenshaus Schwäbische Alb eine Mahnwache am Mahnmal organisiert.
Klosterkirche+
Die barocke Klosterkirche Mariabergs steht ebenso wie die Klostergebäude unter Denkmalschutz. Neben Barockaltären sind in der Klosterkirche Fresken und Skulpturen zu sehen, darunter eine Pietà aus dem 14. Jahrhundert. Durch eine sensible Renovierung blieb der authentische Charakter des Innenraums erhalten. Mit ihren hochgeschwungenen Bögen und ihrer klaren Akustik bildet die Mariaberger Klosterkirche den passenden Rahmen für Konzerte, die in Zusammenarbeit mit dem Gammertinger Schlosskonzert e.V. mehrmals im Jahr angeboten werden.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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Lage: 48.2767, 9.2144