Klosterbetrieb
Kloster Lichtenthal

Das Kloster Lichtenthal (lat. Abbatia B.M.V. Lucidæ Vallis) ist eine Zisterzienserinnenabtei (Eigenschreibweise: Cistercienserinnen-Abtei) im Baden-Badener Stadtteil Lichtental.
Geschichte+
13. Jahrhundert+
Gegründet wurde das Kloster Lichtenthal im Jahr 1245 von Markgräfin Irmengard von Baden (um 1200–1260) in unmittelbarer Nähe ihres Stammsitzes, der Burg Hohenbaden. Ihr Ehemann Markgraf Hermann V. von Baden (1180–1243) war drei Jahre zuvor am 16. Januar 1242 verstorben. Irmengard nannte das Kloster Lucida vallis („helles Tal“) – vermutlich in Anlehnung an das berühmte, von Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert gegründete Kloster Clara vallis (Clairvaux) in Frankreich. Die massive Ausbreitung des Zisterzienserordens innerhalb von Europa, angeregt durch die Äbte Alberich von Cîteaux und Stephen Harding, hatte vermutlich auch in Irmengard den Wunsch nach der Gründung eines Frauenklosters bestärkt. Zudem waren auch Verwandte von ihr an der Neuschaffung einiger Konvente beteiligt: Ihr Vater Heinrich I. hatte 1227 das Zisterzienserinnenkloster Wienhausen gestiftet, 1232 war ihre Schwester Agnes an der Gründung der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut beteiligt. Von Irmengards erster Stiftung im Tal der Oos existiert allerdings keine Urkunde. Im März 1245 haben ihre Söhne Rudolf und Hermann ihre Stiftung offiziell bestätigt und erweitert. Eine Urkunde von dieser Bestätigung befindet sich heute im Generallandesarchiv Karlsruhe (Sign. 35/34). Im Jahr 1245 siedelten einige Nonnen aus dem ebenfalls noch recht jungen Zisterzienserinnenkloster Wald bei Meßkirch nach Lichtenthal über, um die reguläre klösterliche Ordnung einzuführen. Zur ersten Äbtissin des Klosters ernannte man Schwester Trudlindis von Liebenstein aus dem Kloster Wald. Die Weihe durch den Straßburger Bischof Heinrich III von Stahleck sowie die Eingliederung in den Zisterzienserorden erfolgten 1248 unter der Paternität der Abtei Neuburg bei Hagenau. Für die badische Landesgeschichte besitzt das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal als geistliches Zentrum der Markgrafschaft eine besondere Bedeutung: Es diente den Markgrafen von Baden nicht nur als Hauskloster, sondern auch als Grablege und genoss aufgrund der engen Verbindung mit dem Hause Badens materiellen Rückhalt. Aufgrund dieser engen Beziehung zum Haus Baden konnte die Abtei sowohl der kirchlichen Erneuerungsbewegung der Reformation im 16. Jahrhundert als auch der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts standhalten. Mit der direkten Nachbarschaft des Stammsitzes Hohenbaden zur Abtei Lichtenthal war auch die Abhaltung von besonderen Messen zu Feier- und Gedenktagen der Fürstenfamilie verbunden. Seit Irmengards Klostergründung im 13. Jahrhundert wurde die markgräfliche Familie in Form von ewigem Gedenken und Fürbitten bedacht. Im Gegenzug setzte sie sich wiederum wohlwollend für das Kloster ein. Die weitere Entwicklung der Abtei Lichtenthal war somit unmittelbar mit der Geschichte des Hauses Baden verflochten.
15. Jahrhundert+
Annähernd 200 Jahre nach Gründung des Klosters Lichtenthal beschloss das Generalkapitel in Cîteaux am 14. September 1426 eine Reform der Lichtenthaler Abtei. Die Äbte von Lützel, Maulbronn und Herrenalb nahmen dabei eine führende Rolle ein. Zentraler Punkt ihrer Forderungen war die Wiederherstellung eines geregelten Klosterlebens in Lichtenthal. Daneben gehörten die Einhaltung von Klausur und Liturgie sowie der Verzicht auf Privateigentum zum Reformprogramm. An der Erneuerung des monastischen Lebens im Kloster Lichtenthal waren einige Nonnen aus der elsässischen Zisterzienserinnenabtei Königsbrück bei Hagenau beteiligt. Von dort wurde um 1440 Elisabeth Wiest als erste Reformäbtissin nach Lichtenthal berufen. Unter ihrer Führung etablierte sich ab etwa 1444 eine eigene Schreibstube. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung seines Skriptoriums verzeichnete das Kloster Lichtenthal im 15. Jahrhundert durch Schwester Margaretha, die aufgrund ihrer Autorität als Lese- und Schreibmeisterin den Beinamen „Regula“ erhielt. Sie widmete sich über 30 Jahre dem Abschreiben sowie Übersetzen von Schriften und Lesungstexten. Darüber hinaus beschäftigte sie sich mit dem Kompilieren, Korrigieren und Bearbeiten von Texten.
17. Jahrhundert+
1618 erfolgte die Gründung der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation, welche 1623 durch das Generalkapitel in Cîteaux bestätigt wurde. Die Paternität über Lichtenthal ging somit zunächst an das Kloster Salem über. Aufgrund zahlreicher Mitglieder kam es zu einer Aufteilung der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation in mehrere Provinzen, wobei Lichtenthal der elsässisch-schweizerischen Provinz zugeteilt wurde. 1625 erfolgte ein Wechsel der Paternität über Lichtenthal, welche nun der Abt von Lützel übernahm. Während des Dreißigjährigen Krieges übernahm das Kloster Lichtenthal die Rolle einer Herberge für Benediktinerinnen aus Frauenalb. Mit einem erneuten Wechsel der Paternität im Jahr 1668 fiel diese Rolle fortan dem Abt von Tennenbach zu.
19. Jahrhundert+
Als Folge der Französischen Revolution fielen viele Klöster in Frankreich und Deutschland der Säkularisation zum Opfer. Das Hauskloster der Markgrafen von Baden konnte jedoch fortbestehen: Schon im November 1802 hatte Markgraf Carl Friedrich (1728–1811) die Abtei unter landesherrliche Administration gestellt und somit eine Aufhebung verhindert. Die damals amtierende Äbtissin Thekla Trück (1775–1808) und der gesamte Konvent erhielten einen bescheidenen Unterhalt. Dennoch hatte die Abtei in der Folgezeit mit starken finanziellen Einbußen und Einschränkungen des spirituellen Lebens zu kämpfen. Im Nekrolog des Klosters wurde Carl Friedrich später als „zweyter Stifter Lichtenthals, und größter Gutthäter“ bezeichnet. Nachdem 1806 auch die Zisterzienserabtei Tennenbach aufgelöst worden war, war das Kloster Lichtenthal vom übrigen Orden isoliert. Dennoch blieb es weiterhin ein Zufluchtsort für benachbarte Konvente, so z. B. für das Zisterzienserinnenkloster Wonnental. Auf Dauer gelang der Erhalt der Abtei allerdings nur dadurch, dass sie die Funktion einer Lehr- und Erziehungsanstalt übernahm. Am 9. Februar 1815 wurde das „Lehrinstitut Lichtenthal“ eröffnet, welches bis heute als Grundschule weitergeführt wird.
Die „Affäre Mone“+
Friedegar Mone (1829–1900), Sohn des ehemaligen Direktors des Generallandesarchivs Franz Josef Mone und Bruder der Lichtenthaler Chorfrau Maria Bernarda Mone († 25. Mai 1889), hatte seinen Vater bis zu dessen Tod bei der Herausgabe der Quellensammlung der badischen Geschichte unterstützt. Hierfür bedienten sie sich an ca. 200 Handschriften und Drucken aus dem Kloster Lichtenthal. Nach dem Tod seines Vaters sah sich Friedegar Mone trotz Einstellung des Drucks durch das badische Innenministerium als rechtmäßiger Herausgeber der Quellensammlung an. Er unterschlug die wertvollen Bücher, tilgte einschlägige Besitzvermerke und gab an, jene Handschriften und Drucke selbst käuflich erworben zu haben. In den 1880er-Jahren gelang es ihm, Teile der Buchbestände zu veräußern. Der badische Staat kaufte daraufhin einen Großteil der illegal verkauften Schriften zurück, welcher 1889 in die Großherzoglich-Badische-Bibliothek nach Karlsruhe gelangte.
Heute+
Die Abtei Lichtenthal dient heute als Bildungs- und Gästehaus mit verschiedenen Kursprogrammen. Die Nonnen widmen sich neben dem feierlichen Stundengebet der Erziehung – im Kloster befindet sich die Grundschule des Stadtteils Lichtental – und dem religiösen Kunsthandwerk. Die derzeitige Äbtissin ist Maria Bernadette Hein. Als 46. Äbtissin der Abtei in Nachfolge von Adelgundis Selle (1989–2001) leitet sie das Kloster seit 2001.
Liste der Äbtissinnen+
1247–1249: Trudlindis von Liebenstein, 1246 vom Kloster Wald berufen 1249–1252: Mechtildis von Liebenstein, resignierte 1252 1252–1257: Adelheid von Krautheim, kam aus dem Kloster Himmelspforten 1257–1258: Mechtild von Wildenstein, kam aus dem Kloster Wald 1258–1263: Meza von Lichtenberg 1263–1295: Adelheid von Baden 1295–1312: (Adelheid von Lichtenberg I.) ? (eine wohl fälschlich genannte Kunigunde von Zollern war die Mutter von Kunigunde von Zollern, siehe Nr. 13) 1312–1320: Elisabeth von Lichtenberg 1320–1336: Agnes von Lichtenberg I. 1336–1338: Adelheid von Beuchlingen 1338–1361: Agnes Markgräfin von Baden 1361–1367: Adelheid von Tübingen-Herrenberg (Adelheid von Tübingen und Adelheid Gräfin von Herrenberg sind identische Personen) 1367–1381: Kunigunde von Zollern (ist die Tochter von Kunigunde von Zollern und Friedrich VI. (Zollern)) 1381–1384: Hildegard von Finstingen 1384–1399: Adelheid von Lichtenberg II. 1401–1406: Johanna von Leiningen 1407– ca. 1413: Adelheid von Helfenstein? 1413–1423: Interim ca. 1413: Mechtild von Lichtenberg (urkundlich belegt 1413; 1420 wird weiter eine Elisabeth von Leiningen als Äbtissin erwähnt) 1429–1436: Agnes von Lichtenberg II. (evtl. auch 1428/38) ca. 1444–1458: Elisabeth Wiest 1458–1476: Anna Strauler, gest. 1. August 1487 1477–1496: Margarethe Markgräfin von Baden (20. Mai 1452–14. Januar 1496) 1496–1519: Maria Markgräfin von Baden (2. Juli 1473–9. Januar 1519) 1519–1544: Rosula Röder von Hohenrodeck 1544–1551: Anna von Mörsperg 1551–1597: Barbara Vehus, gest. 16. Februar 1597 1597–1625: Margaretha Stülzer (1563–22. August 1625) aus Ettlingen 1625–1640: Margaretha Göll 1640–1642: Rosina Herzog 1642–1658: Eva Regina Springauf, gest. 28. August 1658 1658–1686: Margaretha Loys, (1610/11–25. März 1686) 1686–1687: Thekla Schütz, gest. 13. Dezember 1687 1687–1720: Euphrosina Lorenz, gest. 2. März 1720 8. März 1720–1726: Agnes Polentari, gest. 26. Dezember 1726 3. Januar 1727–1738: Euphrosina Wunsch (10. April 1678–12. Juni 1738) aus Baden-Baden 19. Juni 1738–1775: Benedikta Grasmaier aus Ellwangen, gest. 23. Oktober 1775 28. Oktober 1775–1808: Thekla Trück (7./8. November 1739–11. Januar 1808) aus Kuppenheim 24. Februar 1808–1834: Cäcilia Lauf (7. November 1760–18. Mai 1834) aus Schuttertal 25. August 1834–1857: Amalia Trenkle (6. Februar 1795–15. November 1857) aus Ettenheim-Münchweier 21. Januar 1858–1875: Sophia Schell (1801–29. Dezember 1875) 8. Februar 1876–1880: Aloysia Schreiber (15. Juli 1827–5. April 1880) aus Karlsruhe 24. Mai 1880–1909: Magdalena Kollefrath 1909–1928: Gertrudis Molz 1928–1943: Bernarda Geiler († 28. September 1947) 1947–1974: Adelgundis Lohrmann 1974–1988: Lucia Reiss 1989–2001: Adelgundis Selle (27. Juli 1921–12. Januar 2008) aus Düsseldorf seit 2001: Maria Bernadette Hein (* 25. September 1958) aus Koblenz-Güls
Klosteralltag+
Gottesdienst und Gebet in der Zisterzienserinnenabtei+
Für den Gottesdienst waren seit dem Mittelalter täglich fünf bis sieben Stunden, für private geistliche Lektüre und persönliches Gebet drei bis fünf Stunden vorgesehen. Ein essentieller Teil des Tages stellte das Stundengebet dar, welches die Nonnen sieben Mal am Tag gemeinsam abhielten, und das Singen von Psalmen, Hymnen und Antiphonien, das Lesen aus der Bibel, Kirchenvätern oder Heiligenleben sowie das Sprechen von Gebeten beinhaltete.
Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: Rainer Lück 1RL.de · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 de
Diese Beschreibung ist ein Auszug aus dem verlinkten Wikipedia-Artikel und stammt von dessen Autorinnen und Autoren. Sie steht wie das Original unter CC BY-SA 4.0 und darf unter denselben Bedingungen weiterverwendet werden.
Lage: 48.7450, 8.2562