Die Festung kann besichtigt werden
Festung Neuf-Brisach

Neuf-Brisach (deutsch Neubreisach, elsässisch (Nei-)Brisach) ist eine französische Gemeinde mit 2017 Einwohnern (Stand 1. Januar 2010) im gleichnamigen Kanton im elsässischen Département Haut-Rhin. Sie ist Mitglied im Gemeindeverband Communauté de communes du Pays de Brisach, dessen Sitz sich im benachbarten Volgelsheim befindet.
Erbaut wurde die Stadt Anfang des 18. Jahrhunderts vom Festungsbauer Vauban zusammen mit seinem Geniedirektor Jacques Tarade, der sie als Planstadt im Form eines Achtecks mit zentralem Exerzierplatz, der heute als Marktplatz genutzt wird, und einem schachbrettförmig angelegten Straßennetz als Idealform einer Festungsstadt anlegte. In der Stadt gab es Unterkünfte für die Soldaten und Offiziere, Versorgungseinrichtungen, eine Kirche, Häuser für nicht-militärische Einwohner der verschiedenen Stände sowie eine beeindruckende Anlage aus Mauern, Gräben und Toren um die Stadt.
Da die Stadt in der Ebene angelegt wurde, war es möglich, die Idealform des Festungsbaus umzusetzen. Damit war die Stadtanlage repräsentativ für die Militärarchitektur des Barock, als unter Ludwig XIV. viele befestigte Städte an den französischen Grenzen angelegt wurden (siehe auch Saarlouis).
Lage+
Die Stadt liegt in der Oberrheinebene etwa drei Kilometer westlich des Rheinseitenkanals und des Rheins, der hier die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland ist, gegenüber der Stadt Breisach in Deutschland. Die Entfernung zum westlich gelegenen Colmar beträgt etwa 15 km. Das Stadtgebiet ist fast vollständig umgeben vom Gemeindegebiet Volgelsheims, im Westen grenzt der Ort Wolfgantzen an Neuf-Brisach. Östlich der Festungsanlagen verlief der alte Rhein-Rhone-Kanal, der auf diesem Streckenabschnitt durch den Rheinseitenkanal seine Bedeutung verloren hat.
Nachdem das stark befestigte Breisach wie das benachbarte Elsass im 17. Jahrhundert französisch geworden war, musste es 1697 nach dem Frieden von Rijswijk wieder an Österreich zurückgegeben werden. So wurde für Frankreich eine neue Grenzbefestigung am Rhein notwendig. Also beauftragte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, seinen Festungsarchitekten Vauban mit dem Bau einer Gegenfestung zu Breisach. Dieser errichtete 1699 bis 1703 die damals größte Befestigungsanlage nach dem Muster einer barocken Reißbrettsiedlung. Das Baumaterial wurde auf dem eigens hierfür errichteten Schifffahrtskanal Canal de Rouffach (heute: Canal Vauban) aus den Vogesen herangeschafft. Die Kirche wurde allerdings erst 1736, das Rathaus 1758 erbaut, nachdem ein provisorischer Bau abgerissen worden war.
1743 widerstand die Festung einem Angriff der Österreicher. Außer diesem Ereignis spielte die Stadt nie eine Rolle in der europäischen Geschichte, nicht einmal in der regionalen Geschichte. Im Deutsch-französischen Krieg wurde Neuf-Brisach mit seiner Garnison von 5.500 Mann von deutschen Truppen der 4. Reserve-Division (ca. 15.000 Mann) unter General Wilhelm von Schmeling belagert. Die Belagerung währte vom 7. Oktober bis 10. November 1870 und endete mit der Kapitulation durch den französischen Kommandanten Lieutenant-colonel de Kerhor, dabei wurden 4.700 Mann und 100 Offiziere in deutsche Kriegsgefangenschaft überführt. Die Stadt war während der Belagerung einem neuntägigen Artilleriebeschuss ausgesetzt, was starke Zerstörungen verursachte. Von 280 Gebäuden wurden 60 völlig zerstört, 70 stark und 135 teilweise beschädigt, lediglich 15 Gebäude blieben unversehrt. Die Festungswerke wurden – mit Ausnahme der bastionierten Türme 3 und 5 sowie dem Straßburger und Colmarer Tor, die jeweils stark beschädigt wurden – nur leicht in Mitleidenschaft gezogen. Während des Bombardements fand die Zivilbevölkerung in den Kasematten Schutz, so dass „kein Mann, keine Frau und kein Kind getötet oder verwundet worden war“. Die Stadt wurde später wieder aufgebaut, wobei die Anlage militärisch jedoch bedeutungslos blieb. Man brach eine Bahnlinie durch den Festungswall. Die Stadt hatte aber, eingeengt durch die Festungsanlagen und die Garnison mit ihren Kasernenbauten, keine Entwicklungsmöglichkeiten. Sie ist heute zwar Hauptort eines Kantons (15.000 Einwohner), die Entwicklung findet aber in den benachbarten Gemeinden Biesheim und Volgelsheim statt. Seit der Auflösung der Garnison 1992 ist Neuf-Brisach fast reine Wohngemeinde für Pendler nach Colmar und in den Breisgau.
Heute besteht zwischen Breisach und Neuf-Brisach eine Rheinbrücke für den Straßenverkehr, die 1878 als Eisenbahnbrücke in Betrieb genommen worden war.
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://www.n-tv.de
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Lage: 48.0177, 7.5283