FestungKüstriner Vorland

Festung Küstrin-Lünette B

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Das Fort kann besichtigt werden

Die Festung Küstrin war eine Festung, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Schutz der Residenzstadt Küstrin errichtet wurde. Erst 1920 endete die Nutzung als Festung infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges. Kurz danach begann der Abriss der östlichen Stadtumwallung. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Küstrin 1945 wieder zur Festung erklärt und die Stadt durch die Kampfhandlungen bis Ende März 1945 nahezu vollständig zerstört. Nach Kriegsende wurden die ohnehin beschädigten Festungsbauwerke durch Sprengungen und Abbrucharbeiten zur Materialgewinnung weiter zerstört. Seit den 1990er Jahren erfolgt eine Restaurierung der Festungsanlagen in der Altstadt und des Fort Gorgast während die anderen Außenwerke infolge Leerstand verfallen. Ein großer Teil der Festungsbauwerke liegt auf der rechten Oderseite im polnischen Kostrzyn nad Odrą, die restlichen Außenwerke in der deutschen Gemeinde Küstriner Vorland.

Vor 1535: Vorgeschichte+

Die erste urkundliche Erwähnung Küstrins stammt aus dem Jahr 1232. Küstrin lag strategisch günstig am Zusammenfluss von Oder und Warthe. Zum Schutz des Oderüberganges gab es wahrscheinlich eine Befestigung an dieser Stelle. 1323 endete die Askanierherrschaft und Küstrin wechselte bis 1455 mehrfach die Besitzer. Dann wurde es an Friedrich II. von Brandenburg. verkauft und gehörte damit zum Haus Hohenzollern. 1535 erbte Johann von Brandenburg-Küstrin unter anderen Küstrin und erhob es zu seiner Residenz.

1535 – 1920: Festungsstatus+

Johann begann den Ausbau seiner Residenz mit dem Bau des Schlosses, der von 1535 bis 1537 dauerte. Anschließend wurden die Bauarbeiten für die Festung aufgenommen. Die von 1537 bis 1543 angelegten Befestigungen besaßen Erdwälle, die mehrfach vom Hochwasser unterspült wurden. Nach einer mehrjährigen Bauunterbrechung wurden daher die Wälle von 1553 bis 1568 mit Mauerwerk verstärkt und die neu errichteten Bereiche gleich in Mauerwerk ausgeführt. 1568 war die Festung fertiggestellt. Sie umfasste zu dem Zeitpunkt die Bastionen König, Königin, Kronprinz, Kronprinzessin und Philipp sowie als Stadttore das Berliner Tor und das Zorndorfer Tor. Weiterhin gab es zum Einlass für Fußgänger die Kietzer Pforte und die Mühlenpforte. Zu den in Küstrin im 16. Jahrhundert tätigen Festungsbaumeistern gehörten Francesco Chiaramella und nach ihm Rochus Graf zu Lynar, diesen sind die gemauerten Bastionen der Stadtbefestigung zuzuschreiben.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zog der schwedische König Gustav II. Adolf ab Juli 1630 die Oder hinauf nach Süden. Durch die Anlage einer Feldbefestigung am linken Oderufer gegenüber von Küstrin beherrschte er den Oderübergang sowie den Schiffsverkehr. Auf Drängen der Schweden wurde Küstrin im Juni 1631 in schwedische Verwaltung übergeben. Die Schweden begann unmittelbar danach mit dem weiteren Ausbau der Festung, der später von Kurfürst Friedrich Wilhelm fortgeführt wurde. Es entstanden zwischen 1631 und 1688 der Brückenkopf auf der linke Oderseite, das Hornwerk sowie die Bastion Brandenburg am rechten Oderufer zwischen den Bastionen König und Philipp. Außerdem wurde die Verteidigung der östlichen Festungswälle durch den Bau von mehreren Redans und der Ravelins Gohrin, Albrecht, August-Wilhelm und Christian Ludwig verstärkt. Mit einem Batardeau an der Bastion Philipp wurde der Wassergraben abgeschlossen. Küstrin war nun eine der stärksten Festungen in Deutschland.

Im Siebenjährigen Krieg wurde Küstrin vom 15. bis 18. August 1758 von russischen Truppen belagert und in Brand geschossen und brannte, weil es noch größtenteils aus Holz gebaut war, vollständig nieder, jedoch ohne dass die Festung erobert werden konnte. König Friedrich II. entsetzte die Festung und schlug die Russen am 25. August 1758 östlich von Küstrin in der Schlacht bei Zorndorf.

Im Rahmen des Vierten Koalitionskrieges wurde Küstrin 1806 an die französischen Truppen von Napoleon Bonaparte übergeben. Die Übernahme erfolgte nahezu kampflos, wenn man von einem kurzen Gefecht am westlichen Brückenkopf und der Zerstörung der Oderbrücke absieht. Bis 1814 war die Stadt durch die Franzosen besetzt, die die Festung weiter ausbauten. Nach der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 wurden die Franzosen in den Befreiungskriegen nach Frankreich zurückgedrängt. Im März 1813 erfolgte ein erster Beschuss Küstrins durch russische Truppen. Die Lange und Kurze Vorstadt sowie der Kietz auf der Oderinsel wurden von den Franzosen aus strategischen Gründen niedergebrannt. Da die Festung nicht zu erstürmen war, erfolgte eine Blockade durch russische, später preußische Truppen bis im März 1814 die Kapitulation der Franzosen erfolgte.

Im 19. Jahrhundert wurde die Festung wieder ausgebaut, um sie gegen die weiter reichende Artillerie schützen zu können. Auf der Oderinsel wurde der Brückenkopf ausgebaut und mit zwei flankierenden Lünetten ergänzt. Von 1850 bis 1862 wurden die Lünetten B auf der Oderinsel sowie die Lünetten C und D auf der linken Seite der Oder errichtet. In den Jahren 1863 bis 1872 wurde das eigenständige Fort „Neues Werk“ am Bahnhof Küstrin-Neustadt (der heutige Bahnhof Kostrzyn) errichtet.

1877/78 erfolgte der Abriss der Torhäuser am Berliner und Zorndorfer Tor sowie der Neubau als Stadttor mit einer doppelten Durchfahrt. Gleichzeitig wurden die Pulvertürme beseitigt und durch Pulvermagazine außerhalb der Stadt ersetzt. Die Straßenbrücken und die Eisenbahnbrücken über die Oder und Warthe wurden durch Blockhäuser gesichert. Den Abschluss der Bauarbeiten bildete der Bau der vier Außenforts, als Biehlersches Einheitsfort: Fort Gorgast und Fort Zorndorf (1882, bei Sarbinowo), Fort Säpzig (1887, bei Żabice) und Fort Tschernow (1882–1885, bei Czarnów). Diese Forts waren allerdings bereits bei ihrer Fertigstellung infolge der Brisanzgranatenkrise militärisch überholt, da sie zum einen dem direkten Beschuss nicht standhielten und die Reichweite der Artillerie so weit war, das ein direkter Beschuss Küstrins möglich gewesen wäre. Außerhalb der Stadt wurden kurz vor dem Ersten Weltkrieg vereinzelt noch kleinere Unterstände errichtet, um im Verteidigungsfall die Truppen flexibel einsetzen zu können.

Die Festungsanlagen hemmten die Entwicklung der Stadt deutlich. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Anlagen allerdings durchlässiger. Die Küstriner Pforte wurde 1887 durch das wesentlich breitere Küstriner Tor ersetzt, durch das nun auch Fuhrwerke fahren konnten. Um 1901 begann man bereits mit das Abtragen der Oderwälle am Schloss. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es Planungen, die Wallanlagen abzutragen. Dies konnte erst Jahre später umgesetzt werden.

Das Ende der Nutzung als Festung erfolgte 1920, als auf Anordnung der Interalliierten Militär-Kontrollkommission die stationierten Geschütze und Waffen abgezogen werden mussten. Küstrin verlor durch die personelle Beschränkung der Reichswehr seine Bedeutung als Garnison.

Ab 1920: Nachnutzung+

In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurde die Befestigung an der Ostseite der Altstadt abgerissen, zunächst 1921 das Zorndorfer Tor und die Bastion Kronprinzessin, ab 1925 die Bastion Königin und das Albrechtstor. Gleichzeitig wurden die Gräben zugeschüttet, damit eine neue Straße (heutige DK 22) um die Altstadt herumgeführt werden konnte. Auf den Wällen am Oderufer entstanden nach 1929 die Grünanlagen des Kattewalls. In der Bastion Philipp wurde das Kasemattenmuseum eröffnet. Von 1930 bis 1931 wurde die Bastion Kronprinz – auch Hoher Kavalier genannt – abgetragen. Die Außenwerke wurden teilweise vermietet und unter anderen von Gewerbetreibenden genutzt.

Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Küstrin am 25. Januar 1945 wieder zur Festung erklärt, um den Vormarsch der Roten Armee auf Berlin aufzuhalten. Zum Abschluss ihrer Weichsel-Oder-Operation erreichten sowjetische Truppen Anfang Februar 1945 die Oder bei Küstrin und bildeten auf dem westlichen Ufer Brückenköpfe. In den Kämpfen um die Stadt, die dabei nahezu vollständig vernichtet wurde, war die Festung der Brennpunkt, der erst Ende März 1945 fiel. Der Brückenkopf bei Küstrin wurde am 16. April 1945 zum wichtigsten Ausgangspunkt der sowjetischen Armee in der Offensive auf Berlin.

Der größere Teil der ehemals beiderseits der Oder gelegenen Stadt wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 Polen angegliedert, während der westlich der Oder gelegene Teil des Stadtgebiets heute als Ortsteil Küstrin-Kietz zur brandenburgischen Gemeinde Küstriner Vorland gehört. Nach Kriegsende wurden die Außenforts von russischen Truppen durch Teilsprengung militärisch unbrauchbar gemacht. Andere Bereiche, wie das Neue Fort wurden zur Gewinnung von Baustoffen ganz oder teilweise abgetragen. Das Fort Gorgast wurde später von der Nationalen Volksarmee als Lager genutzt.

Erst nach 1989 wurde es möglich einige Festungsbauwerke touristisch zu nutzen. Die Wüstung der Altstadt und damit auch die vorhandene Umwallung am Oderufer zwischen dem Berliner Tor und dem Küstriner Tor sind wieder zugänglich. Das Fort Gorgast kann ebenfalls besichtigt werden. Die anderen Bauwerke befinden sich in einem ruinösen Zustand.

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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0

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