Der Turm kann besichtigt werden
Donaufestung Linz-Turm XXIV (Maximilianturm)

Die Turmbefestigung Linz bzw. Maximilianische Turmlinie war eine im frühen 19. Jahrhundert errichtete Befestigungsanlage. Sie bestand aus einem Gürtel von Befestigungstürmen rund um die Stadt Linz und ist auch unter den Namen Donaufestung Linz, Verschanztes Lager von Linz oder Maximilianische Befestigungsanlage bekannt.
Der Bau der Linzer Turmlinie geht auf eine Initiative des Erzherzogs Maximilian Joseph von Österreich-Este zurück. Eine Rolle dürften dabei seine Erfahrungen aus dem Jahr 1809 gespielt haben, als es nicht gelang, Napoleon auf seinem Vormarsch nach Wien aufzuhalten. Maximilian schlug daher ein Reichsbefestigungssystem vor, bei dem strategisch wichtige Orte durch eine Linie von einzeln stehenden Türmen verteidigt werden sollten. Verwirklicht wurde allerdings nur die Befestigung von Linz.
Grundidee
Um die zu verteidigende Stadt wird ein Ring von einzeln stehenden Befestigungstürmen (sog. detachierten Werken) angelegt, die eine weit vorgeschobene Verteidigungslinie bilden, so dass die Geschütze des Gegners die Stadt nicht erreichen können. Die Türme selbst sind stark befestigt und mit Kanonen ausgerüstet. Der Abstand der Türme ist so bemessen, dass sie sich gegenseitig decken können. Falls es dem Angreifer gelänge, einen Turm zu erobern, könnte dieser von den Nachbartürmen aus beschossen werden. Innerhalb der Turmlinie konnten mehrere 1000 Soldaten aufmarschieren.
Dieses System wurde von Marc-René Marquis de Montalembert bereits in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts vorgeschlagen. Allerdings waren die Montalembertschen Türme zu aufwändig und teuer, um in großer Zahl gebaut zu werden. Maximilian zog es vor, einfachere, dafür aber dichter angeordnete Türme zu bauen. Außerdem schützte er seine Türme mit einem Glacis, aus dem nur der obere Teil des Turmes herausragte. Überdies verzichtete Maximilian auf eine Befestigung des Kernwerks.
Der Probeturm auf dem Freinberg
Im Jahr 1828 ließ Maximilian auf dem Freinberg bei Linz auf eigene Kosten einen Probeturm errichten. Mit diesem Turm wurden im Beisein des Kaisers Franz I. Sprengversuche und Probebeschießungen durchgeführt. Maximilians Gegner wollten diesen Test durch unfaire Versuchsbedingungen scheitern lassen. Trotzdem bestand der Probeturm im Wesentlichen seine Feuertaufe.
Da die endgültige Turmlinie in größerer Entfernung um die Stadt gebaut wurde, konnte der Probeturm nicht weiter verwendet werden. Maximilian ließ den Turm aufstocken und daneben eine Kapelle (Maximilianskapelle) erbauen. Turm und Kapelle schenkte er den Jesuiten. Heute ist der Turm Teil des Kollegium Aloisianum, einer katholischen Privatschule.
Der Bau der Turmlinie
Der Bau der Turmbefestigung begann 1831. Um den Bau zu beschleunigen, hatte ihn Maximilian mit eigenem Kapital vorfinanziert. Im Jahre 1833 waren die meisten Bauwerke fertiggestellt. Wegen Behebung von Baumängeln und der teilweise schleppenden militärischen Ausrüstung konnte die Turmlinie erst 1838 an das Militär übergeben werden. Vor der Übergabe fanden Probebeschießungen statt.
Ab dem Baubeginn wurde die Turmlinie von zahlreichen in- und ausländischen Gästen, von Offizieren, Diplomaten, Fürsten und auch von den Kaisern Franz I. und Ferdinand I. besichtigt. Die meisten Besucher äußerten sich positiv, was für Maximilian-Joseph eine Genugtuung darstellte.
Auflassung der Befestigung
Bereits 1858, also nur 20 Jahre später, wurde die Befestigungsanlage aufgegeben. Die Fortschritte in der Waffentechnik – Geschütze mit gezogenen Rohren hatten eine größere Reichweite und Munitionswirkung – schränkten ihren strategischen Wert stark ein. Außerdem waren viele Türme bereits baufällig.
Während des preußisch-österreichischen Krieges 1866 wurden die nördlich der Donau liegenden Türme kurzzeitig reaktiviert, was in der Stadt Beunruhigung auslöste. Während des Bosnienfeldzugs 1878 dienten die Türme 9 und 10 als Kriegsgefangenenlager. Im Ersten Weltkrieg wurde Turm 9 als Munitions- und Vorratsdepot genutzt und ist bis heute als „Pulverturm“ bekannt. Einzelne Türme wurden bereits in den 1860er Jahren verkauft. Die verbleibenden Türme wurden in den 1870er Jahren der Finanzdirektion zum Verkauf übergeben.
Aufbau der Turmbefestigung+
Alle Objekte der Befestigungsanlage trugen Namen weiblicher Heiliger. Die 32 Türme werden aber im Allgemeinen mit arabischen, die Türme des Forts mit römischen Zahlen bezeichnet. Es gibt keinen Turm 17 (statt diesem wurden die Batterie „Klara“ und Thekla errichtet), dafür gibt es neben dem Turm 30 einen Turm 30 ½.
Die Turmbefestigung bestand aus:
- 27 Normaltürmen
- 5 Segmenttürmen
- 2 Vorwerken (Viktoria und Constantia),
- den beiden an der Donau liegenden Anschlüssen,
- 2 kasemattierten Batterien (Thekla und Klara) und
- dem Fort auf dem Pöstlingberg
Im Ernstfall sollten die Türme mit einer Palisadenlinie verbunden werden. An 20 vorbereiteten Stellen war der Bau von Zwischenbatterien vorgesehen. Die Donau wäre mit einer Kette zwischen den Klausen Adelgunde und Kunigunde gesperrt worden.
Die Normaltürme
Die Normaltürme bestanden aus drei konzentrischen Mauerringen aus Bruchsteinen, sowie Gewölben aus Ziegelsteinen. Sie hatten folgende Stockwerke (von oben nach unten):
- Verdeck-Vom offenen Verdeck aus sollte der Angreifer mit 18pfündigen Verteidigungskanonen bekämpft werden. Im Frieden war es mit einem abnehmbaren Holzdach gedeckt.
- Schartenstock-Hier befanden sich 7pfündige Haubitzen. Diese sollten zum Einsatz kommen, wenn das Verdeck vom Gegner getroffen wurde.
- Wohnstock-Unterkunft für 60 Soldaten
- Magazinstock-Munitions- und Lebensmittelvorräte für vier Monate. Im innersten Mauerring war ein Brunnen angelegt.
Die Türme waren von einem Graben umgeben, davor lag das Glacis (Erdwall, teilweise mit Bruchsteinmauern verstärkt). Nur der oberste Teil des Turms mit dem Verdeck ragte aus dem Glacis heraus. Magazin- und Wohnstock lagen unterhalb des Geländeniveaus. Der Eingang im Schartenstock war über eine Zugbrücke an der Kehle (Rückseite) erreichbar.
Die Segmenttürme
Die an der Donau, im heutigen Hafen-Gebiet liegenden Türme 26 bis 30 waren kleiner und hatten einen segmentförmigen Grundriss. Sie besaßen nur zwei Stockwerke, den Magazinstock und einen kombinierten Wohn- und Schartenstock. Keiner der Türme ist erhalten.
Die Donauanschlüsse
Links und rechts der Donau lagen die sogenannten Anschlüsse. Direkt am Ufer lag jeweils eine Klause, daran schloss sich eine Mauer an, die den Abhang hinaufführte und an einer Warte endete. An den Klausen waren Eisenringe eingemauert, in die eine Kette zum Absperren der Donau eingehängt werden konnte.
Das Fort auf dem Pöstlingberg
Das Fort auf dem Pöstlingberg, der Hauptstützpunkt des Lagers, lag am höchsten Punkt der Befestigungslinie. Von dort konnte der gesamte Linzer Raum eingesehen werden.
Das Fort umfasste zwei große Türme (II und IV, sie entsprachen den Normaltürmen), drei kleine Türme (I, III und V) sowie eine Warte als Eingangstor (VI). Die Türme waren durch Kurtinen und Mauern verbunden. Oberhalb der Kurtine zwischen Turm II und III war ein halbkreisförmiger Platz für eine Batterie vorbereitet.
Die erhaltenen Teile der Anlage werden heute touristisch genutzt. Im Turm II (Beatrix) befindet sich die Grottenbahn, eine besonders bei Kindern beliebte Touristenattraktion. Aus dem Turm IV (Maria) wurde die Endstation der Pöstlingbergbahn. Aus den anderen Türmen wurde ein Musikheim (Turm I, Othilie) und eine Aussichtsterrasse (Turm V, Euphemia).
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Quelle: Wikipedia · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Linzer_Turmlinie_Turm_24.jpg
Die Beschreibung stützt sich auf die im verlinkten Wikipedia-Artikel belegten Fakten; Wikipedia-Inhalte stehen unter CC BY-SA 4.0. Formulierung und Bearbeitung: Mobile Geschichte.
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