Die Reste der Burgruine können besichtigt werden
Burgrest Wittelsbach

Die Burg Wittelsbach war eine Burganlage in Oberwittelsbach, heute einem Stadtteil von Aichach im Landkreis Aichach-Friedberg im heutigen Bayerisch-Schwaben. Die ursprüngliche Veste wurde bereits um 1000 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1119 zog der Scheyerner Graf Otto V. von Scheyern von der Burg Scheyern in die neue Burg Wittelsbach. Der Burgname „Witilinesbach“ erscheint jedoch bereits 1115 in einer Urkunde König Heinrichs V. als Herkunftsort des Grafen Otto IV. Seit 1120 nannten sich die Grafen von Scheyern Pfalzgrafen von Wittelsbach. Daher gilt die Burg als Stammsitz der Wittelsbacher. Im Jahr 1209 wurde die Burg zerstört und nicht wieder aufgebaut. An der Stelle der Burg wurde eine Kirche errichtet. Die angrenzende Ortschaft Oberwittelsbach war bis 1978 selbständig. Auf dem Burghügel in Oberwittelsbach erinnern die Marienkirche über Mauerresten der Burg, das neugotische Nationaldenkmal und ein Erinnerungsstein an die Burg Wittelsbach. Im Andenken an die Burg wird der betreffende Teil des Landkreises Aichach-Friedberg als Wittelsbacher Land bezeichnet.
Geschichte+
Die erste Wehranlage (ca. 35 × 45 Meter) auf dem östlichen Sporn des Burghügels wurde nur durch einen Abschnittswall unbekannter Zeitstellung gesichert, dem sicherlich ein Graben vorgelagert war. Im Hochmittelalter errichtete man auf der Wallkrone eine Schildmauer und verbreiterte den Halsgraben. Dieser Graben endete ungefähr an der Westmauer der späteren „Sühnekirche“. Gleichzeitig entstand eine steinerne Ringmauer um die Hauptburg. Als die Grafen von Scheyern die Burg Anfang des 12. Jahrhunderts übernahmen, wurde der alte Halsgraben zugeschüttet. Auch die Schildmauer verschwand, die Ringmauer wurde verstärkt, teilweise erneuert und nach Westen erweitert. Die neue Kernburg hatte ungefähr die doppelte Ausdehnung der alten Wehranlage. Im Vorfeld legte man zwei geräumige Vorburgen an. Der Halsgraben dieser Burg ist noch erhalten. Der Name der Burg soll auf einen Dienstmann Vitilo bzw. Vitilis der Grafen von Scheyern zurückgehen. Dieser Ministeriale diente den Grafen angeblich auf den Burgen Wartenberg bei Erding und der neuen Burg bei Aichach als Burghauptmann. Die Pfalzgrafen und späteren Herzöge von Bayern könnten sich also nach einem ihrer Vasallen benannt haben. Tatsächlich erscheint um 1110 ein Vitilo von Aichach als Burghauptmann in einer Schriftquelle. Allerdings ist diese Deutung eher unwahrscheinlich. Erstens wegen der zeitlichen Zuordnung und zweitens, weil der Ort sonst heute etwa „Wittelsburg“ heißen würde. Der Ort „Wittelsbach“ ist aber mindestens so alt wie die dort bereits um das Jahr 1000 bestehende Burg. Sein Name (ebenso wie die alte Form „Vitelinesbac“) leitet sich eher ab vom lateinischen vitellus (adjektivisch: vitellinus) und bedeutet damit so viel wie „Kälberbach“, in Analogie zum nahegelegenen Ort „Kühbach“, der auch älter ist als das dort erst 1011 gegründete Kloster. Auch die Namen anderer Orte in der näheren Umgebung leiten sich von Tiernamen ab. So z. B. Bernbach (Bärenbach), Sainbach (Säuenbach), Gallenbach (gallina = Huhn), Áresing (aries = Widder), Wöresbach (verres = Eber) etc. Diese Veste der Wittelsbacher wurde im Jahre 1209 durch Schleifung zerstört als Reaktion auf die Ermordung des römisch-deutschen Stauferkönigs Philipp von Schwaben durch den bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach am 21. Juni 1208 in Bamberg. Die archäologischen Grabungen der Jahre 1978 bis 1980 ergaben hierfür aber keine eindeutigen Nachweise. Die Ruinen wurden offensichtlich eher langsam zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen. Brandschutt konnte nicht gefunden werden, die Burg wurde wohl nur geräumt und verlassen. Daran beteiligt war Ottos Cousin, der bayerische Herzog Ludwig I. der Kelheimer, selbst dem Hause Wittelsbach entstammend, der auf der Seite der Staufer stand.
Nach der Auflassung der Burg diente das Gelände kirchlichen Zwecken. Ob hier ein Zusammenhang mit der ehemaligen Burgkapelle besteht, ist völlig spekulativ. Es fehlen jegliche schriftliche und mündliche Überlieferungen über die Anfänge dieser Umnutzung. Im 15. Jahrhundert entstand die erhaltene spätgotische Katholische Filialkirche Maria vom Siege auf dem Burgplatz. Der Überlieferung nach soll es sich hierbei um eine „Sühnekirche“ der Wittelsbacher (Ludwig der Kelheimer) zur Wiedergutmachung der Bamberger Bluttat handeln. Allerdings finden sich hierzu keine Hinweise in den Quellen. Wohl ab dem 16. Jahrhundert siedelten sich einige Kleinbauern und Söldner auf dem Burggelände an. Die bescheidenen Anwesen wurden im 19. Jahrhundert beseitigt, um das neugotische „Wittelsbacher-Nationaldenkmal“ errichten zu können. Das Denkmal wurde am 25. August 1834 vor den Augen hunderter Zuschauer eingeweiht. Insgesamt sollen sich in und um Aichach über zwanzigtausend Festbesucher aufgehalten haben, darunter 1.000 berittene Bauern. Der Regent Ludwig I. ließ sich allerdings durch den Regierungspräsidenten Franz Arnold Ritter von Linck vertreten. Als Stammsitz des Königshauses entwickelte sich Oberwittelsbach zum beliebten Ausflugsziel, das auf zahlreichen Stichen und Lithographien dargestellt wurde. Am 9. September 1857 besuchte mit König Max II. erstmals wieder ein Wittelsbacher das Gelände der Stammburg seiner Ahnen. Im Zuge der Vorbereitungen der Ausstellung „Wittelsbach und Bayern“ begannen die Planungen einer archäologischen Grabung auf dem Burggelände, die von 1978 bis 1980 unter der Trägerschaft des Bezirkes Schwaben durchgeführt wurde. Anschließend mauerte man einige Fundamente über das Bodenniveau auf. Die heute sichtbaren Mauerzüge sind auf diese Arbeiten zurückzuführen.
Beschreibung+
Etwa 150 Meter nordöstlich der Kernburg liegt die kleine Turmhügelburg Klingenberg auf einer Geländerippe, deren Funktion und genaue Zeitstellung unklar ist. Die beiden Burgplätze werden durch ein Bachtal getrennt.
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Lage: 48.4686, 11.1762