Schloss/BurgSchwedt - Vierraden

Burgruine Vierraden

Burgruine Vierraden

Die Burgruine kann besichtigt werden

Die Burgruine Vierraden steht im Ortsteil Vierraden der Stadt Schwedt/Oder an der unteren Welse. Seit die Askanier 1230 die südliche Uckermark eingenommen hatten und der Landiner Vertrag von 1250 die Grenze festschrieb, bildete dieser Fluss einen Teil der Scheidelinie zwischen Pommern und Brandenburg. Für das Jahr 1303 ist ein Gefecht zwischen Stendell und Vierraden überliefert, doch die Burg selbst wird erst 1321 urkundlich genannt, nachdem Heinrich von Mecklenburg sie im Jahr zuvor erobert hatte. Der Bau muss demnach zwischen 1303 und 1320 erfolgt sein. Ein Pommernherzog ließ die Anlage als Grenzfestung an der Kreuzung der Via Regia mit der Welse errichten und schützte damit zugleich die bedeutende Mühle an diesem Ort.

In den folgenden anderthalb Jahrhunderten wechselte der Besitz häufig zwischen Pommern und Brandenburg. Kurfürst Friedrich II., genannt der Eiserne, gewann die Burg 1468 nach zwei Angriffen und setzte nacheinander Claus von Arnim, Hans von Buch und Kurt von Schlabrendorff als Amtmänner ein. 1477 bestürmte der pommersche Hauptmann Lindstedt aus Ueckermünde die Burg und nahm sie ein, bis Kurfürst Albrecht sie 1478 zurückeroberte. Der Prenzlauer Vertrag desselben Jahres bestätigt die brandenburgische Eroberung und enthält die erste Abbildung des Ortes. Das Schloss Vierraden erscheint dort als Turm im Wasser, gespeist aus der Welse, umgeben von einer Ringmauer und begleitet von einem Gebäude, das als Küche, Backhaus und Brauhaus diente. 1473 lagen auf der Burg zehn Geschütze, dreizehn Hakenbüchsen, eine halbe und eine viertel Tonne Pulver sowie ein Mörser; 1479 zählte die Besatzung noch hundert Mann. Von 1479 bis 1518 war die Burg der eigentliche Verwaltungssitz der ganzen Gegend und damit auch für Schwedt. 1478 gab Albrecht sie dem Grafen Johann von Hohenstein I., Amtmann zu Angermünde, als erbliches Lehen, dem Ruf nach weil er beim Sturm als Erster die Mauer überstiegen hatte. Zwei Jahre später erwarb der Graf auch Schwedt und vereinigte beide Orte zu einer Herrschaft. 1518 verlegten die Grafen ihre Residenz nach Schwedt, weil die feuchte Welseniederung für den Ausbau zu einem Renaissance-Wohnschloss ungeeignet war. In Vierraden verblieben nur ein gräflicher Amtmann und das sogenannte Rote Vorwerk als landwirtschaftlicher Betrieb.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Burg und Ort schwer zerstört. Der Überlieferung nach übernachtete Gustav Adolf von Schweden 1631 in der Burg, als seine Truppen in der Nähe ein großes Lager aufschlugen. 1637 fügten durchziehende Schweden der Anlage besonders große Schäden zu, vermutlich aus Rache dafür, dass sich der Kurfürst nach dem Tod des Königs den Kaiserlichen zugewandt hatte. 1681 waren die Keller noch benutzbar, und Brauhaus, Speicher und Torhaus standen noch. Im selben Jahr erging die kurfürstliche Anordnung, das Ziegelmaterial der Burg für den Wiederaufbau des durch Brand schwer beschädigten Schwedter Schlosses zu verwenden, wodurch die Anlage fast vollständig ruiniert wurde. Erst 1842 sind Sicherungsarbeiten bezeugt; ein Ziegel mit der Ritzung 1841 in einer Nische des obersten Turmabschnitts spricht dafür, dass die Arbeiten schon im Jahr zuvor begannen. Die eingestürzte Turmkuppel wurde wiederhergestellt. 1843 erhielt die Stadt Vierraden die Genehmigung, auf eigene Kosten eine Öffnung in eine vorhandene ebenerdige Nische zu brechen, damit der Turm mit Leitern bestiegen werden konnte. 1877 bot die königliche Hofkammer der Stadt die Ruine mit Turm und Schlossplatz zum Kauf an und knüpfte daran die Pflicht zum Unterhalt; die Stadt lehnte aus Geldmangel ab. 1878 erwarb der Ackerbürger Julius Kummrow die Ruine des Schlosses und den Schlossplatz, nicht aber den Turm, und nutzte das Mauerwerk für eine Scheune zum Trocknen von Tabak. Am Ende des Zweiten Weltkriegs diente der Turm der Wehrmacht als Beobachtungsposten und wurde deshalb zum Ziel der Roten Armee. 1945 wurde die Turmspitze nach Südosten zerschossen, und die beiden Soldaten, die Posten bezogen hatten, kamen um. Ihre Überreste konnten erst im August 1946 geborgen und auf dem Vierradener Friedhof beigesetzt werden. Von 1994 bis 1996 wurden Notsicherungsarbeiten am Turm ausgeführt.

Neben dem Turm bestand die Burg aus einem quadratischen Hof und einem rechteckigen Haus. Der von der Mauer umfasste Raum maß etwa neunundzwanzig Meter auf sechsundzwanzig Meter. Der Turm ist heute 27,20 Meter hoch, seine Mauerstärke beträgt rund zwei Meter, der äußere Durchmesser rund sechs Meter. Vom Fundament an ist der Kern rund; die eckige Backsteinverkleidung wurde erst später herumgebaut. Der Eingang lag in einer Höhe von sechzehn bis achtzehn Metern und führte vom Wehrgang der Ringmauer in den Turm, was den Verteidigungscharakter der Anlage unterstreicht. Die Enge im Innern machte den Turm als Bergfried kaum tauglich. Den Abschluss bildete ein vorkragendes Gesims, auf dem einst ein schlankerer, kuppelförmig geschlossener Aufsatz saß. Von der Ringmauer und den übrigen Gebäuden sind nur Reste vorhanden, die teilweise in die neuere Bebauung einbezogen wurden. Eigentümerin der Anlage ist die Stadt Schwedt/Oder.

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Quelle: schwedt.eu · Bild: Foto: Jörg Heldt (Community)

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